Tourismus in Tschechien lockt Fachkräfte aus dem Ausland

Der Tourismus hat sich in der Tschechischen Republik längst zu einem wichtigen Wirtschaftszweig entwickelt. Die zahlreichen Sehenswürdigkeiten in den Städten mit ruhmreicher Geschichte und unzähligen Möglichkeiten der sportlichen Betätigung im Sommer und im Winter haben es mit sich gebracht, dass das mitteleuropäische Land im Jahr 2018 insgesamt 15,59 Millionen Übernachtungsgäste für sich verbuchen konnte.

Karlsbrücke in Prag

Prag verzeichnete im vergangenen Jahr 7,1 Millionen Touristen. Im Bild: Die Karlsbrücke in Prag.

Die Tschechische Republik lässt sich in die sieben Tourismus-Regionen Prag, Mittelböhmen, Südböhmen, Westböhmen, Mähren und Schlesien, Ostböhmen und Nordböhmen unterteilen. Die „goldene Stadt“ Prag, gleichzeitig auch Hauptstadt des Landes, besuchten im Vorjahr 7,1 Millionen Gäste, die 16,4 Millionen Nächtigungen generierten. Neben Prag zählen vor allem die Kurorte Karlsbad und Marienbad und die nicht nur unter Biertrinkern bestens bekannte Stadt Pilsen zu den Tourismus-Hochburgen in Tschechien. Wintersportler kommen besonders im Riesengebirge auf ihre Kosten: Städte wie Spindleruv Mlyn (Spindlermühle) oder Harrachov mit dem gleichnamigen Wintersportzentrum kennt man vom Ski-Weltcup bzw. Skisprung-Wettbewerben und erfreuen sich somit internationaler Bekanntheit. Besonders die Deutschen schätzen die Tschechische Republik als Urlaubsland: Mit 2,03 Millionen Übernachtungsgästen bildeten sie im Jahr 2018 das Top-Herkunftsland der ausländischen Touristen. Dahinter rangieren Reisende aus der Slowakei (794.310), aus Polen (620.414) und aus China (619.877). Die größte Touristengruppe gerechnet auf ein Land waren 2018 tschechische Staatsangehörige, die in Summe 10,64 Millionen Übernachtungsgäste stellten.

Tourismus ringt um Fachkräfte

Ähnlich wie in anderen Tourismus-Regionen in Mitteleuropa werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch über die Landesgrenzen hinweg gesucht und auch gerne genommen. Der Tourismus hat für die tschechische Wirtschaft längst einen wichtigen Stellenwert eingenommen, denn immerhin 59 Prozent der Beschäftigen in Tschechien arbeiten im Dienstleistungssektor – und dazu zählt auch der Tourismus. Rund 117.000 Personen waren 2018 im Bereich Hotellerie und Gastronomie in Tschechien beschäftigt. Gegenüber dem Jahr zuvor bedeutete das einen Zuwachs um 3.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

EU-Bürger haben einfachen Zugang zum Arbeitsmarkt

Die Beherrschung der tschechischen Sprache ist neben Englisch eine der Hauptvoraussetzungen, um in dem mitteleuropäischen Land am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Aufgrund des EU-Rechts gewährt die Tschechische Republik allen Unionsbürgern einen freien Zugang zum Arbeitsmarkt, eine spezielle Arbeitsgenehmigung ist nicht notwendig. Allerdings benötigen EU-Bürger mit gültigem Ausweis nach drei Monaten eine Aufenthaltsgenehmigung sowie einen Nachweis über ausreichend finanzielle Mittel, um das Leben selbstbestimmt bestreiten zu können. Die Aufenthaltsgenehmigung kann einfach bei der örtlich zuständigen Polizeistation beantragt werden. Notwendig dafür sind ein gültiger Reisepass oder Personalausweis, zwei Passbilder sowie der Arbeitsvertrag und ein Krankenversicherungsnachweis. Kommt man aus einem sogenannten Drittstaat (Nicht-EU-Land), so muss für einen unbefristeten Aufenthalt in Tschechien ein A1-Sprachtest positiv absolviert werden. Das A1-Level kennzeichnet das niedrigste Level des generativen Sprachgebrauchs. In diesem geht es vorrangig um jene sprachliche Fähigkeiten, die dazu ausreichen, einfache Fragen zu stellen bzw. zu beantworten, etwa zum Wohnort und zu Personen oder Dingen des täglichen Gebrauchs.

Jobs mit Qualifikation bedingen Sprachbeherrschung

Will man sich allerdings um einen Job mit einer gewissen Qualifikation bemühen, so sollte man bei der Beherrschung der Sprache schon einigermaßen sattelfest sein. Bewerbungen für einen Job in Tschechien werden – von einigen Ausnahmen abgesehen – ausschließlich in tschechischer Sprache erwartet. Zudem zählt die individuelle Note im Bewerbungsschreiben, das heißt von einem Ansuchen in Form einer Massenbewerbung sollte tunlichst Abstand genommen werden. Konnte man den Arbeitgeber in weiterer Folge von seinen Vorzügen überzeugen, so steht dem beruflichen Engagement nichts mehr im Wege.

Auch wenn die Bewerbung natürlich in tschechischer Sprache erwartet wird, so ist vielen Arbeitgebern klar, dass dennoch die eine oder andere Sprachbarriere gegeben sein wird. Es ist daher sinnvoll, wenn der Arbeitgeber zumindest ebenfalls etwas Deutsch kann. Für tschechische Arbeitgeber gilt also „otestuj svoji nemcinu“ – testen Sie Ihr Deutsch.

Der Arbeitsalltag und die Besteuerung

Der Alltag gestaltet sich dann ähnlich jenem in Deutschland. Die durchschnittliche Arbeitszeit liegt bei 40 Stunden pro Woche, in der Regel erhält jeder Arbeitnehmer vier Wochen Urlaub pro Jahr. Das Steuersystem ist einfach aufgebaut: Als Arbeitnehmer werden 4,5 Prozent des Gehalts an die Krankenversicherung und 6,5 Prozent an die Sozialversicherung abgeführt. Der gesetzliche Steuersatz auf Arbeitseinkommen (Einkommensteuer) beträgt 15 Prozent – unter Umständen werden in diesem Bereich auch Steuervergünstigungen gewährt. Die Mehrwertsteuer beträgt 21 Prozent, auf ausgewählte Warengruppen wie Lebensmittel, Medikamente, Bücher, etc. gibt es einen ermäßigten Steuersatz von 15 Prozent.

Wer aus dem Ausland in Tschechien arbeitet

Seit dem EU-Betritt der Tschechischen Republik im Jahr 2004 hat sich der Anteil der Ausländer, die auf dem tschechischen Arbeitsmarkt tätig sind, stark erhöht. Von 2004 bis 2008 verdoppelte sich deren Zahl, im Zuge der Wirtschaftskrise kam es in der Folge zu einem kleinen Rückgang. Ab dem Jahr 2011 standen die Zeichen dann wieder auf Wachstum. Mit Ende 2017 arbeiteten rund 500.000 Ausländer in dem mitteleuropäischen Staat. Waren es anfangs überwiegend Arbeitskräfte aus Ost-, Südosteuropa und Asien, so finden seit einigen Jahren zunehmend Fachkräfte aus Westeuropa Gefallen am tschechischen Arbeitsmarkt. Ende 2017 arbeiten mehr als 15.000 Arbeitnehmer aus Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien in der Tschechischen Republik. Die größte Gruppe der Westeuropäer bildeten mit rund 7.000 die Deutschen. Sieht man sich die gesamte Entwicklung von 2004 bis 2017 an, so gab es eine Steigerung der ausländischen Arbeitnehmer um 379.000 Beschäftigte. Mehr als 80 Prozent von ihnen stammten aus sieben Ländern des ehemaligen Ostblocks und führten überwiegend Jobs mit niedriger Qualifikation aus.

Land punktet mit niedriger Arbeitslosenrate

Hat man sich rund um die EU-Osterweiterung 2004 noch Sorgen darüber gemacht, dass vermeintlich „billige“ Arbeitskräfte aus Ost- nach Westeuropa strömen könnten, so steht heutzutage fest, dass vor allem die tschechischen Arbeitskräfte ihrer Heimat treu geblieben sind. 15 Jahre nach dem EU-Beitritt ist die Arbeitslosenquote in Tschechien so niedrig wie in keinem anderen EU-Land. Vielmehr leidet das „Wirtschaftswunderland“ unter einem eklatanten Facharbeitermangel. Knapp drei Prozent beträgt die Arbeitslosenrate, im Mai 2019 gab es lediglich 320.000 offene Stellen. Nicht umsonst bemühen sich tschechische Firmen, mit zahlreichen Vorteilen, den sogenannten „benefity“, Arbeitskräfte aus dem Ausland zum Einstieg in ihre Unternehmen zu bewegen. Als einer der wenigen Nachteile der „Gastarbeiter“ gelten derzeit die meist fehlenden Sprachkenntnisse. Diese sind aber notwendig, möchte man nachhaltig am tschechischen Arbeitsmarkt reüssieren.

Die Wirtschaft befindet sich im Aufwind

Aktuell ist das tschechische Wirtschaftswachstum ungebrochen, das Land ist nach wie vor sehr interessant für Investoren. „Tschechien liegt zentral, nah an Deutschland und den europäischen Schlüsselmärkten“, betont Helene Horska, Chef-Volkswirtin der Raiffeisen-Bank in Prag. „Hier gibt es gut ausgebildete Leute, die flexibel sind und nach wie vor relativ wenig verdienen.“ Der durchschnittliche Bruttoverdienst in der Tschechischen Republik liegt trotz Wirtschaftsaufschwungs bei rund 1.200 Euro, in Deutschland ist dieser Wert drei Mal so hoch.

 

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