Tombstone: Das legendärste Duell des Wilden Westens

Sie dauerte nur knapp 30 Sekunden – aber die Schießerei am O.K. Corral wurde zum berühmtesten Duell des Wilden Westens. Noch heute wandern die Touristen scharenweise durch die staubigen Straßen des Örtchens Tombstone in Arizona und ergötzen sich an der nachgestellten Auseinandersetzung.
Tombstone liegt eine gute Autostunde südöstlich von Tucson. Wer diesen Teil Amerikas mit dem Wohnmobil, Camper oder Pkw bereist, findet den Ort direkt an der Arizona State Route 80. Das verschlafene Westernkaff, gegründet im Jahr 1879, hatte zu seinen besten Zeiten rund 15.000 Einwohner. Heute leben hier noch knapp 1.600 Menschen. Warum also in dieses Nest fahren? Ganz einfach: In Tombstone fand im Jahr 1881 das legendärste Duell der Westernzeit statt, das als Schießerei am O.K. Corral in die Geschichte einging und knapp 140 Jahre später immer noch eine der größten Touristenattraktionen des US-Südwestens darstellt.

Bild: Pixabay.com / skeeze

Wyatt Earp gegen Ike Clanton

Beteiligt waren auf der einen Seite Wyatt Earp, ein undurchsichtiger Charakter, der aber mehrmals einen Posten als US-Marshall innehatte, seine Brüder Virgil und Morgan Earp sowie der Revolverheld John Henry Holliday, genannt „Doc“ Holliday. Ihnen gegenüber standen die Brüder Frank und Tom McLaury, Ike und Billy Clanton, ebenfalls Brüder, sowie Billy Claiborne – allesamt Cowboys von zweifelhaftem Ruf.

Am 26. Oktober 1881 war Virgil Earp als Deputy Marshal eingeschworen worden, er hatte seine Brüder und Doc Holliday ebenfalls mit Gesetzeshüter-Vollmachten ausgestattet. Mit den Clantons waren die Earps schon öfter aneinandergeraten – es ging um Vieh- und Pferdediebstahl. Während einer ausgedehnten Zechtour in der vorigen Nacht soll Ike Clanton gedroht haben, die Earps ins Jenseits zu befördern. Laut einem Augenzeugen hatte Clanton gesagt: „Sobald sich die Earps heute auf der Straße zeigen, wird es Kugeln hageln.“

Ike Clanton wurde festgenommen, kam aber gegen ein Uhr mittags gegen Kaution wieder frei. Wenig später wollten die Earps die von ihnen verfolgten Clantons und McLaurys in der Nähe des O.K. Corral genannten Stalls angeblich entwaffnen. Stattdessen hätten die Cowboys ihre Waffen gezogen. Virgil soll noch gerufen haben, er wolle keine Schießerei, aber es war zu spät. 30 Sekunden und 30 Kugeln später war Frank McLaury tot, sein Bruder Tom und Billy Clanton erlagen kurz darauf ihren Verletzungen. Auch Virgil und Morgan Earp trugen Verletzungen davon, überlebten aber.

Die Fehde geht weiter

Einige Augenzeugen gaben an, dass zwei der vier Earp-Gegner, nämlich Ike Clanton und Tom Laury, unbewaffnet waren. Deshalb wurde die Behauptung der Earps, in Notwehr gehandelt zu haben, auch immer wieder in Zweifel gezogen.

Nach der Schießerei klagte Ike Clanton die Earps und Holliday wegen Mordes an, die Klage wurde vom zuständigen Richter abgewiesen: Die Earps hätten rechtens gehandelt – in „vorausschauender Notwehr“. Die Fehde ging also weiter: Am 28. Dezember 1881 geriet Virgil Earp in einen Hinterhalt – er überlebte schwer verletzt. Am 18. März 1882 fällt Morgan Earp einem Attentat zum Opfer. Und auch Ike Clantons Leben wurde 1887 durch eine Kugel beendet. Doc Holliday trennte sich im Laufe von Wyatt Earps Vendetta gegen die Cowboys von seinem alten Freund und starb 1887 an Tuberkulose. Wyatt Earp selbst zog in den 1890ern nach San Francisco, wo er 1929 starb.

Das Kino machte Wyatt Earp zum unsterblichen Helden des Wilden Westens – in immer neuen Versionen erschien das Duell am O.K. Corral auf der Leinwand. Meisterregisseure wie John Ford („Faustrecht der Prärie“, 1946) und John Sturges („Zwei rechnen ab“, 1957“) nahmen sich der Geschichte an. Auch unter den Spätwestern finden sich mit „Tombstone“ (1993) und „Wyatt Earp“ (1994) zwei Verfilmungen des Stoffes.

Eine Reise in die Vergangenheit

Noch immer ist ein Spaziergang durch Tombstone (Arizona, USA) wie eine Reise in die Vergangenheit. Historische Gebäude wie der Crystal Palace Saloon, das Bird Cage Theater und das Büro der Zeitung „Tombstone Epitaph“ erinnern an wüste Zeiten, in denen Revolverhelden und Outlaws das Leben in Tombstone prägten. Viele von ihnen landeten übrigens auf dem Friedhof Boot Hill am Ortseingang – darunter auch Billy Clanton sowie Tom und Frank McLaury. Auf einem Gedenkstein an ihren Gräbern steht zu lesen: „Ermordet in den Straßen von Tombstone 1881“.

 

 

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