Lothringen

Lothringen im Nordosten Frankreichs vereint den prächtigen Place Stanislas in Nancy, das moderne Centre Pompidou-Metz, die Schlachtfelder von Verdun und süße Mirabellen. Die Region grenzt an Deutschland und Luxemburg. Gezahlt wird mit dem Euro. Beste Reisezeit ist Mai bis Oktober.

Lothringen (französisch Lorraine) im Nordosten Frankreichs ist ein Grenzland zwischen den Kulturen: Es grenzt an Deutschland, Luxemburg und Belgien und vereint französische Eleganz, deutsche Einflüsse, prächtige Städte, bewegende Erinnerungsorte und die stillen Höhen der Vogesen. Von der Königspracht Nancys über das moderne Metz bis zu den Schlachtfeldern von Verdun spannt sich ein weiter Bogen aus Kunst, Geschichte und Genuss.
Seit der Gebietsreform von 2016 bildet Lothringen zusammen mit dem Elsass und Champagne-Ardenne die Großregion Grand Est mit Hauptstadt Straßburg. Für Reisende ist die Region ein oft unterschätztes Ziel mit gleich mehreren UNESCO-Stätten und einer reichen Tafelkultur. Gezahlt wird mit dem Euro, Amtssprache ist Französisch; historisch verwurzelt sind auch lothringische und fränkische Mundarten. Für die Einreise genügt der Personalausweis.
Nancy – Place Stanislas & Königspracht
Das kulturelle Glanzstück Lothringens ist der Place Stanislas in Nancy, einer der schönsten Königsplätze Europas und seit 1983 UNESCO-Welterbe. Der im 18. Jahrhundert vom polnischen Ex-König und Herzog Stanislas geschaffene Platz besticht durch harmonische Fassaden, vergoldete schmiedeeiserne Gitter des Kunstschmieds Jean Lamour und prächtige Brunnen. Zusammen mit dem Place de la Carrière und dem Place d’Alliance bildet er ein Ensemble von einzigartiger Vollkommenheit.
Rund um die Plätze laden die Altstadt, der Herzogspalast mit dem Lothringischen Museum und elegante Cafés zum Verweilen ein. An Sommerabenden verwandelt eine Klang- und Lichtshow den Place Stanislas in ein magisches Schauspiel.
Nancy: Hauptstadt des Jugendstils
Nancy ist zugleich eine Welthauptstadt des Jugendstils. Um 1900 schuf hier die Künstlerbewegung École de Nancy um Émile Gallé, Louis Majorelle und die Daum-Brüder Meisterwerke der Glaskunst, Möbelgestaltung und Architektur. Das Musée de l’École de Nancy und die prächtige Villa Majorelle zeigen die geschwungenen, von der Natur inspirierten Formen dieser Epoche.
Ein Bummel durch die Stadt offenbart überall Jugendstilfassaden, verzierte Türen und farbige Glasfenster. Für Liebhaber der Kunst und Architektur ist Nancy damit ein Ziel von europäischem Rang.
Metz – Kathedrale & Centre Pompidou-Metz
Die Regionalhauptstadt Metz beeindruckt mit der gotischen Kathedrale Saint-Étienne, die dank ihrer riesigen Buntglasfenster – darunter Werke von Marc Chagall – als „Laterne Gottes“ gilt und eine der größten Glasflächen aller gotischen Kathedralen besitzt. Das kaiserliche Viertel (Quartier impérial) rund um den prächtigen Bahnhof zeugt von der wilhelminischen Epoche, als Metz zum Deutschen Reich gehörte.
Modernes Wahrzeichen ist das Centre Pompidou-Metz, eine Dependance des Pariser Kunstmuseums mit spektakulärer, an einen chinesischen Hut erinnernder Dachkonstruktion. Metz verbindet so historisches Erbe und zeitgenössische Kunst und lädt mit Uferpromenaden am Zusammenfluss von Mosel und Seille zum Flanieren ein.
Verdun – Erinnerungsort des Ersten Weltkriegs
Wenige Orte stehen so sehr für die Schrecken des Ersten Weltkriegs wie Verdun. 1916 tobte hier eine der längsten und verlustreichsten Schlachten der Geschichte. Heute erinnern das eindrucksvolle Beinhaus von Douaumont mit den Gebeinen zehntausender namenloser Soldaten, das benachbarte Fort und der weite Soldatenfriedhof an das unermessliche Leid.
Das Mémorial de Verdun und die zerstörten „Dörfer, die für Frankreich starben“ (Villages détruits) machen die Geschichte fassbar. Diese Stätten werden mit Respekt und Stille besucht und gehören zu den bewegendsten Erfahrungen einer Reise nach Lothringen – ein Mahnmal für Frieden inmitten einer heute friedlichen Grenzlandschaft.
Die Vogesen & Thermalbäder
Im Süden und Osten steigt das Land zu den bewaldeten Vogesen an, deren lothringische Seite mit dichten Wäldern, Bergseen und stillen Tälern lockt. Der Luftkurort Gérardmer an seinem See ist ein beliebtes Ziel für Wanderer, Wassersportler und im Winter für Skifahrer.
Lothringen ist zudem ein Land der Thermalbäder: Vittel und Contrexéville sind für ihr Mineralwasser weltbekannt, und in Plombières-les-Bains kurten schon Napoleon III. und der europäische Adel. Diese eleganten Kurorte verbinden Erholung mit einem Hauch Belle Époque.
Épinal, Baccarat & das Handwerk
Die Stadt Épinal an der Mosel ist berühmt für ihre farbenfrohen Bilderbogen, die Images d’Épinal, die dem Ort weltweite Bekanntheit brachten und bis heute in einer traditionsreichen Manufaktur gedruckt werden. Der Begriff steht im Französischen bis heute für ein idealisiertes, buntes Bild.
Lothringen ist auch die Heimat edler Kristallkunst: In Baccarat und Saint-Louis entstehen seit Jahrhunderten weltberühmte Kristallwaren, deren Manufakturen und Museen einen faszinierenden Einblick in dieses Handwerk geben. Feines Glas, Kristall und Bilderbogen prägen so das kunsthandwerkliche Erbe der Region.
Grenzland: Deutschland, Luxemburg & Belgien
Als Herz der Großregion an den Grenzen zu Deutschland, Luxemburg und Belgien ist Lothringen ein Ort der Begegnung. Die wechselvolle Geschichte, in der die Region mehrfach zwischen Frankreich und Deutschland wechselte, hat Spuren in Sprache, Architektur und Küche hinterlassen. Grenzstädte wie Thionville und Longwy und die Nähe zur Luxemburger Hauptstadt machen die Region zu einem Knotenpunkt Mitteleuropas.
Für Reisende aus Deutschland ist Lothringen damit besonders bequem erreichbar und ein idealer Einstieg nach Frankreich – vertraut und fremd zugleich.
Kulinarik & Genuss
Die lothringische Küche ist herzhaft und weltberühmt für die Quiche lorraine, den herzhaften Speckkuchen, der von hier seinen Siegeszug um die Welt antrat. Ebenso berühmt sind die goldgelben Mirabellen, aus denen Konfitüren, Kuchen und ein feiner Obstbrand entstehen; die Mirabelle gilt als Wahrzeichen Lothringens und wird im Spätsommer gefeiert.
Aus Commercy stammen die zarten Madeleines, aus Nancy die Makronen und die Bergamotte-Bonbons, dazu kommen der Potée lorraine (ein deftiger Eintopf) und regionale Biere. Ein Marktbesuch in Nancy oder Metz und ein Stück Quiche mit einem Glas Mirabellenschnaps sind der schönste Einstieg in diese Genusswelt.
Kultur, Geschichte & die Gebietsreform 2016
Die Geschichte Lothringens ist geprägt vom Herzogtum Lothringen, vom mehrfachen Wechsel zwischen Frankreich und Deutschland und von den Weltkriegen, deren Front bei Verdun verlief. Diese Vergangenheit lebt bis heute in Sprache, Baukunst und Küche fort. Für Reisende gut zu wissen: Seit der Gebietsreform 2016 bildet Lothringen zusammen mit dem Elsass und Champagne-Ardenne die Großregion Grand Est mit Hauptstadt Straßburg. Der Name „Lothringen“ ist als Verwaltungsregion damit Geschichte, als Reise- und Kulturlandschaft aber lebendig.
Beste Reisezeit
Ideal ist Mai bis Oktober für Städte, Kultur und die Vogesen. Der Frühsommer bringt mildes Wetter und lange Tage, der Spätsommer die Mirabellen-Ernte mit ihren Festen. Der Herbst färbt die Vogesenwälder golden und ist ideal für Wanderungen.
Ehrlich gesagt können die Winter im Nordosten kühl und die Vogesenpässe verschneit sein – dafür laden Gérardmer und die Kurorte zum Wintersport und zur Erholung ein. Im Advent verzaubern zudem die Weihnachtsmärkte von Nancy und Metz mit lothringischem Charme.
Anreise & Mobilität
Lothringen ist glänzend angebunden: Mit dem TGV Est sind Metz und Nancy von Paris in rund 90 Minuten und von Deutschland aus über Saarbrücken oder Straßburg schnell erreichbar. Der Flughafen Metz-Nancy-Lorraine bietet weitere Verbindungen, ebenso die nahen Airports Luxemburg und Saarbrücken. Aus dem deutschen Südwesten ist die Anreise mit dem Auto besonders bequem.
Für die Vogesen, Verdun und die Kurorte ist ein Mietwagen praktisch (Rechtsverkehr). Ehrlich und wichtig: In Metz und Nancy gelten Umweltzonen mit Crit’Air-Plakettenpflicht – die Vignette gehört an die Windschutzscheibe. In den Vogesen ist im Winter Winterausrüstung ratsam; die Innenstädte erkundet man am besten zu Fuß oder mit der Tram.
Reisetipps & Geheimtipps
Wer Lothringen abseits der Hauptorte erleben will, wandert in den Vogesen rund um Gérardmer, besucht die Kristallmanufakturen von Baccarat oder folgt dem Erinnerungsweg um Verdun. Ein Geheimtipp ist die imposante Zitadelle von Montmédy und das befestigte Städtchen Rodemack, eines der „schönsten Dörfer Frankreichs“.
Für Familien lohnen der See von Gérardmer und der Zoo von Amnéville, für Kunstfreunde das Centre Pompidou-Metz und die Jugendstilroute in Nancy. Und für den vollen lothringischen Genuss gehört ein Stück Quiche lorraine, gefolgt von Mirabellen und einem Bergamotte-Bonbon aus Nancy, einfach dazu.
Häufige Fragen
Was muss man über Lothringen wissen?
Lothringen (französisch Lorraine) liegt im Nordosten Frankreichs und grenzt an Deutschland, Luxemburg und Belgien; Hauptstadt ist Metz. Seit der Gebietsreform 2016 gehört die Region zur Großregion Grand Est. Gezahlt wird mit dem Euro, Amtssprache ist Französisch. Für die Einreise genügt der Personalausweis.
Was sind die schönsten Reiseziele in Lothringen?
Zu den Höhepunkten zählen der Place Stanislas in Nancy (UNESCO) mit seinem Jugendstilerbe, Metz mit der Kathedrale Saint-Étienne und dem Centre Pompidou-Metz, die Erinnerungsstätten von Verdun, die Vogesen mit Gérardmer, die Thermalbäder Vittel und Plombières sowie die Kristallstadt Baccarat.
Wann ist die beste Reisezeit für Lothringen?
Mai bis Oktober ist ideal für Städte und die Vogesen; im Spätsommer wird die Mirabelle gefeiert, im Herbst leuchten die Vogesenwälder. Die Winter können kühl und die Pässe verschneit sein, dafür locken Wintersport und die Weihnachtsmärkte von Nancy und Metz.
Was macht Nancy besonders?
Nancy besitzt mit dem Place Stanislas einen der schönsten Königsplätze Europas (UNESCO) und ist zugleich eine Welthauptstadt des Jugendstils. Die Künstlerbewegung École de Nancy um Émile Gallé und Louis Majorelle schuf Meisterwerke der Glas- und Möbelkunst, zu sehen im Musée de l’École de Nancy und in der Villa Majorelle.
Was sollte man in Lothringen essen?
Typisch ist die Quiche lorraine, der herzhafte Speckkuchen, sowie die goldgelben Mirabellen als Kuchen, Konfitüre und Obstbrand. Dazu kommen die Madeleines aus Commercy, die Makronen und Bergamotte-Bonbons aus Nancy sowie der deftige Potée lorraine.
Wo finde ich offizielle Reiseinformationen zu Lothringen?
Offizielle Auskünfte bündelt heute die Agence Régionale du Tourisme Grand Est über ihr Portal art-grandest.fr. Die Kontaktdaten finden Sie unten auf dieser Seite; einen Überblick über das ganze Land bietet die Frankreich-Übersicht.
Weiter zur Reiseplanung: die Übersicht Frankreich, die heutigen Grand-Est-Partnerregionen Champagne-Ardenne mit Reims und dem Champagner und das Elsass mit Straßburg sowie die Nachbarregion Franche-Comté. Weitere Ziele finden Sie in der Übersicht Europa.