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Südostanatolien

Illustration der Steinstadt Mardin über der mesopotamischen Ebene in Südostanatolien

Südostanatolien ist die Wiege der Zivilisation und die kulinarische Schatzkammer der Türkei. Hier, im fruchtbaren Land zwischen Euphrat und Tigris (Mesopotamien), liegt mit Göbekli Tepe das älteste bekannte Tempelheiligtum der Menschheit. Gaziantep gilt als UNESCO-Stadt der Gastronomie und Heimat des besten Baklava, die heilige Stadt Şanlıurfa lockt mit dem Karpfenteich Abrahams, das Altstadtjuwel Mardin blickt von seinem Felsen über die Ebene, und auf dem Gipfel des Nemrut Dağı thronen riesige Steinköpfe. Gezahlt wird mit der Türkischen Lira; beste Reisezeit sind Frühjahr und Herbst, die Sommer sind sehr heiß.

Landkarte Südostanatolien
Landkarte Südostanatolien

Südostanatolien (türkisch Güneydoğu Anadolu Bölgesi) ist die südöstlichste der sieben Regionen der Türkei – ein sonnendurchglühtes Land aus weiten Ebenen, Basaltfelsen und Flussoasen, das im Norden von den Ausläufern des Taurus, im Süden von Syrien und im Osten vom Irak begrenzt wird. Durch die Region fließen Euphrat und Tigris, deren fruchtbares Zwischenland als Mesopotamien zu den ältesten Kulturlandschaften der Menschheit zählt.

Für Reisende ist der Südosten eine Offenbarung: Hier stehen mit Göbekli Tepe die Anfänge der Menschheitsgeschichte, hier verschmelzen türkische, kurdische, arabische und syrisch-christliche Kulturen, und hier isst man die vielleicht beste Küche des Landes. Gezahlt wird mit der Türkischen Lira; zur Einreise genügt deutschen Gästen der Reisepass oder Personalausweis.

Region & Landschaft

Südostanatolien ist überwiegend von weiten, im Sommer goldgelben Ebenen und flachen Kalk- und Basaltplateaus geprägt. Das gewaltige Bewässerungsprojekt am Euphrat mit dem Atatürk-Staudamm hat große Teile der einst kargen Steppe in fruchtbares Ackerland verwandelt, auf dem Baumwolle, Pistazien und Getreide gedeihen. Im Norden steigt das Land zu den Bergen um den Nemrut Dağı an.

Das Klima ist heiß und kontinental: In den Sommermonaten klettert das Thermometer regelmäßig über 40 Grad, während die Winter mild, aber kühl ausfallen können. Die Flusstäler von Euphrat und Tigris bilden grüne Lebensadern, an denen sich seit Jahrtausenden Städte und Dörfer aneinanderreihen.

Göbekli Tepe – der älteste Tempel der Welt

Auf einem Hügel bei Şanlıurfa liegt die vielleicht bedeutendste archäologische Entdeckung der jüngeren Zeit: Göbekli Tepe. Die kreisförmigen Anlagen mit ihren mächtigen, reich mit Tierreliefs verzierten T-Pfeilern sind rund 11.000 Jahre alt – Jahrtausende älter als Stonehenge oder die Pyramiden. Als ältestes bekanntes Heiligtum der Menschheit stellt der Ort unser Bild von der Frühgeschichte auf den Kopf und ist UNESCO-Welterbe.

Die Funde deuten darauf hin, dass hier Jäger und Sammler ein monumentales Kultzentrum errichteten, noch bevor der Ackerbau begann. Ein moderner Schutzbau und das exzellente Archäologiemuseum in Şanlıurfa machen die Bedeutung des Ortes eindrucksvoll erlebbar. Ganz in der Nähe wird mit Karahan Tepe eine verwandte Stätte erforscht.

Şanlıurfa – die heilige Stadt

Şanlıurfa (kurz Urfa), das antike Edessa, gilt als eine der ältesten Städte der Welt und als Geburtsstadt des Propheten Abraham. Im Herzen der Altstadt liegt der heilige Karpfenteich (Balıklıgöl) mit seinen als heilig geltenden Fischen, umgeben von Moscheen und Gärten – ein bedeutender Wallfahrtsort und eine Oase der Ruhe.

Die Altstadt mit ihren überdachten Basaren, Karawansereien und Steinhäusern versprüht orientalisches Flair; im traditionellen Kupferbasar und in den Teegärten trifft sich das Leben. Şanlıurfa ist tief religiös geprägt und bietet einen faszinierenden Einblick in eine Kultur, in der Türkisch, Kurdisch und Arabisch nebeneinander gesprochen werden.

Gaziantep – Stadt der Gastronomie

Gaziantep (Antep), die größte Stadt der Region, ist von der UNESCO als Stadt der Gastronomie ausgezeichnet – zu Recht: Hier entsteht das berühmteste Baklava der Türkei, hergestellt aus hauchdünnem Teig und den Pistazien der Region. Auch würzige Kebaps, das Grießdessert Künefe und unzählige regionale Spezialitäten machen die Stadt zum Ziel für Feinschmecker.

Doch Gaziantep ist mehr als Küche: Das Zeugma-Mosaikmuseum zeigt eine der weltweit größten Sammlungen römischer Mosaike, gerettet aus der vom Euphrat überfluteten Stadt Zeugma; das berühmte „Zigeunermädchen“ zählt zu ihren Schätzen. Dazu kommen eine restaurierte Burg, historische Basare und Karawansereien in der lebendigen Altstadt.

Mardin & das Tur Abdin

Mardin ist das Juwel des Südostens: eine Altstadt aus honigfarbenem Kalkstein, die sich malerisch einen Hang hinaufstaffelt und weit über die mesopotamische Ebene blickt. Kunstvoll verzierte Steinhäuser, Medresen und Minarette bilden ein einzigartiges Ensemble, das zu den schönsten Stadtbildern der Türkei gehört.

Rund um Mardin liegt das Tur Abdin, ein Kernland des syrisch-orthodoxen Christentums mit uralten Klöstern wie Deyrulzafaran, in denen bis heute Aramäisch, die Sprache Jesu, gebetet wird. Die nahe Kleinstadt Midyat und die Basaltstadt Diyarbakır mit ihren gewaltigen schwarzen Stadtmauern ergänzen das kulturelle Bild der Region.

Nemrut Dağı – Götterthron über der Ebene

Im Norden der Region erhebt sich der Nemrut Dağı auf über 2.100 Meter. Auf seinem Gipfel ließ der Kommagene-König Antiochos I. im 1. Jahrhundert v. Chr. eine gewaltige Grabstätte errichten, umgeben von kolossalen Statuen von Göttern und Königen. Erdbeben haben die riesigen Steinköpfe von den Körpern getrennt, sodass sie heute verstreut am Boden liegen – ein surrealer, unvergesslicher Anblick, UNESCO-Welterbe.

Besonders magisch ist der Gipfel zum Sonnenauf- oder -untergang, wenn das Licht die Steinköpfe golden färbt. Der Aufstieg lohnt sich für dieses einzigartige Zeugnis einer untergegangenen Kultur, die griechische und persische Einflüsse verband. In der Nähe überspannt die antike Römerbrücke von Cendere bis heute einen Fluss.

Kultur & Geschichte

Kaum eine Region der Türkei ist kulturell so vielschichtig wie der Südosten. Als Teil des historischen Mesopotamien war das Land Schauplatz der frühesten Städte und Schriftkulturen; hier lebten und leben Türken, Kurden, Araber und syrische Christen (Aramäer) Seite an Seite. Diese Vielfalt spiegelt sich in Sprachen, Religionen, Musik und Architektur wider.

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Die traditionsreiche Handwerkskunst – Kupferschmiede, Teppichknüpferei, Seifensiederei und die Perlmutt-Einlegearbeit von Mardin – ist bis heute lebendig. Basartage, Sufi-Traditionen und eine ausgeprägte Gastfreundschaft machen den Südosten zu einem der authentischsten Reiseziele des Landes.

Kulinarik & Regionales

Die Küche Südostanatoliens gilt vielen als die beste der Türkei. Im Mittelpunkt stehen Pistazien, Bulgur, Lamm und feurige Gewürze. Aus Gaziantep stammen unzählige Kebap-Varianten, die Teigtaschen Yuvarlama und vor allem das Pistazien-Baklava; aus Şanlıurfa der milde Urfa Kebap und das rohe Bulgur-Gericht Çiğ Köfte.

Als Vorspeisen kommen scharfe Salate, Linsen- und Auberginengerichte auf den Tisch, dazu das flache Fladenbrot und starker Mokka oder das lokale Getränk Mırra. Ein Besuch im Südosten ist eine kulinarische Entdeckungsreise, die man sich unbedingt Zeit nehmen sollte.

Beste Reisezeit & Sicherheit

Ideal sind Frühjahr (April/Mai) und Herbst (September/Oktober) mit angenehm warmen Temperaturen für Stadtbesuche und Ausgrabungen. Der Hochsommer ist mit oft über 40 Grad extrem heiß, dann ist Sightseeing nur früh morgens und abends angenehm. Die Winter sind mild, können aber kühl und regnerisch sein.

Die hier beschriebenen Ziele – Gaziantep, Şanlıurfa, Göbekli Tepe, Mardin und der Nemrut Dağı – werden regulär und zunehmend touristisch bereist. Das Auswärtige Amt rät allerdings von Reisen in die unmittelbaren Grenzgebiete zu Syrien und dem Irak ab; wer die Region besucht, sollte die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise vor der Abreise prüfen und die grenznahen Zonen im äußersten Süden meiden.

Anreise & Praktisches

Die Region ist per Flugzeug gut erreichbar: Die Flughäfen Gaziantep (GZT), Şanlıurfa (GNY), Mardin (MQM) und Adıyaman (für den Nemrut) werden meist über Istanbul und Ankara angeflogen. Vor Ort verbinden Fernbusse die Städte; für den Nemrut Dağı und die Klöster des Tur Abdin sind ein Mietwagen oder geführte Touren am praktischsten.

Deutsche Staatsangehörige reisen für touristische Aufenthalte bis 90 Tage visumfrei mit Reisepass oder Personalausweis ein. Gezahlt wird mit der Türkischen Lira; wegen der hohen Inflation schwanken die Preise stark, ein Blick auf den tagesaktuellen Wechselkurs ist ratsam. In den Städten ist Kartenzahlung üblich, auf dem Land empfiehlt sich etwas Bargeld.

Reisetipps & Geheimtipps

Planen Sie genügend Zeit ein, um die Highlights zu verbinden: Göbekli Tepe und der Karpfenteich in Şanlıurfa, das Zeugma-Museum und ein Baklava-Bummel in Gaziantep sowie ein Sonnenuntergang auf dem Nemrut Dağı gehören zu den eindrucksvollsten Erlebnissen einer Türkei-Reise. Mardin bei Nacht, wenn die Steinstadt beleuchtet ist, ist unvergesslich.

Als Geheimtipp lohnt das Tur Abdin mit seinen syrisch-orthodoxen Klöstern, ein Besuch der Basaltstadt Diyarbakır und eine Bootsfahrt auf dem Euphrat-Stausee zur Halbinsel Halfeti, deren teils versunkenes Dorf im Wasser liegt. Wer Zeit und Neugier mitbringt, entdeckt hier eine der authentischsten Ecken der Türkei.

Häufige Fragen


Was macht Südostanatolien besonders?

Südostanatolien liegt im historischen Mesopotamien zwischen Euphrat und Tigris und gilt als Wiege der Zivilisation. Hier steht mit Göbekli Tepe der älteste bekannte Tempel der Welt. Gaziantep ist UNESCO-Stadt der Gastronomie, Şanlıurfa eine heilige Stadt, Mardin ein Altstadtjuwel, und auf dem Nemrut Dağı thronen riesige Steinköpfe.


Was ist Göbekli Tepe?

Göbekli Tepe bei Şanlıurfa ist das älteste bekannte Tempelheiligtum der Menschheit, rund 11.000 Jahre alt und damit weit älter als Stonehenge oder die Pyramiden. Seine kreisförmigen Anlagen mit reich verzierten T-Pfeilern sind UNESCO-Welterbe und verändern unser Bild von der Frühgeschichte.


Warum ist Gaziantep für die Küche berühmt?

Gaziantep ist von der UNESCO als Stadt der Gastronomie ausgezeichnet. Die Stadt ist berühmt für ihr Pistazien-Baklava, würzige Kebaps und das Dessert Künefe. Auch das Zeugma-Mosaikmuseum mit dem „Zigeunermädchen“ macht Gaziantep zu einem lohnenden Ziel.


Wann ist die beste Reisezeit für Südostanatolien?

Ideal sind Frühjahr (April/Mai) und Herbst (September/Oktober) mit angenehmen Temperaturen. Der Hochsommer ist mit oft über 40 Grad extrem heiß, dann ist Sightseeing nur morgens und abends angenehm. Die Winter sind mild, aber teils kühl und regnerisch.


Ist eine Reise nach Südostanatolien sicher?

Die klassischen Ziele wie Gaziantep, Şanlıurfa, Göbekli Tepe, Mardin und der Nemrut Dağı werden regulär touristisch bereist. Das Auswärtige Amt rät jedoch von Reisen in die unmittelbaren Grenzgebiete zu Syrien und Irak ab. Wer die Region besucht, sollte vorab die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise prüfen.


Wo finde ich offizielle Reiseinformationen zur Türkei?

Offizielle Auskünfte gibt das Türkische Kultur- und Tourismusbüro in Frankfurt; Kontaktadresse und Website finden Sie unten auf dieser Seite. Das offizielle Reiseportal ist goturkiye.com. Einen Überblick über das ganze Land bietet die Türkei-Übersicht.


Weiter zur Reiseplanung: die Übersicht Türkei, die Nachbarregionen Ostanatolien und Mittelmeerregion sowie weitere Ziele in der Übersicht Europa.