Schwarzmeerregion

Die Schwarzmeerregion im Norden der Türkei ist das grüne, unbekannte Gesicht des Landes: eine regenreiche Küste, an der steile Berge dicht bewaldet ins Meer abfallen und Teegärten die Hänge überziehen. Im Osten locken Trabzon mit dem spektakulär in den Fels gebauten Sumela-Kloster, die Teestadt Rize und die grünen Hochweiden (Yaylalar) des Kaçkar-Gebirges. Im Westen bewahren das osmanische Safranbolu und das Hafenstädtchen Amasra ihr historisches Gesicht. Gezahlt wird mit der Türkischen Lira; beste Reisezeit ist der Sommer, wenn die Hochtäler blühen.

Die Schwarzmeerregion (türkisch Karadeniz Bölgesi) erstreckt sich als langes, schmales Band entlang der Nordküste der Türkei, dort wo das Pontische Gebirge steil aus dem Schwarzen Meer aufsteigt. Feuchte Meeresluft, die sich an den Bergen abregnet, macht die Region zur grünsten und niederschlagsreichsten der Türkei – eine Landschaft aus Nebelwäldern, Wasserfällen, Teeplantagen und Haselnussgärten, die kaum jemand mit dem Land verbindet.
Für Reisende ist der Norden ein Kontrastprogramm zu den Badeküsten: kühleres, grünes Bergland, ursprüngliche Dörfer, eine deftige Küche und eine Natur, die im Sommer besonders reizvoll ist. Der Massentourismus hat die Region kaum erreicht, was ihren authentischen Charme ausmacht. Gezahlt wird mit der Türkischen Lira; zur Einreise genügt deutschen Gästen der Reisepass oder Personalausweis.
Region & Landschaft
Charakteristisch ist der abrupte Übergang von Meer zu Gebirge: Nur ein schmaler Küstensaum trennt das Schwarze Meer von den steilen, dicht bewaldeten Hängen des Pontischen Gebirges, das im Kaçkar im Osten fast 4.000 Meter erreicht. Zahllose Bäche stürzen in Schluchten und Wasserfällen zu Tal, und über der Küste liegt oft ein feuchter Dunst.
Das Klima ist ozeanisch und das ganze Jahr über feucht mit milden Wintern und warmen, regenreichen Sommern – ideal für den Anbau von Tee im Osten und Haselnüssen im Westen. Die üppige Vegetation reicht von subtropischen Küstengärten bis zu den blühenden Hochweiden (Yaylalar) oberhalb der Baumgrenze.
Trabzon & das Sumela-Kloster
Trabzon, die größte Stadt des Ostens, war einst Endpunkt einer Seidenstraßen-Route und Hauptstadt eines byzantinischen Kaiserreichs. In der Stadt zeugt die byzantinische Hagia Sophia (Ayasofya) mit ihren Fresken von dieser Geschichte; die belebte Altstadt und der Atatürk-Köşkü über der Stadt laden zum Bummeln ein.
Das eigentliche Wahrzeichen liegt im Bergland: das Sumela-Kloster (Meryem Ana), spektakulär an eine senkrechte Felswand über einem grünen Tal geklebt. Das griechisch-orthodoxe Kloster mit seinen leuchtenden Fresken zählt zu den unvergesslichsten Anblicken der Türkei und ist über einen Waldweg erreichbar. In der Nähe liegt der stille Bergsee Uzungöl, ein beliebter Ausflugsort.
Rize, Tee & die Hochweiden
Um Rize überziehen leuchtend grüne Teegärten die steilen Hänge – hier wächst nahezu der gesamte türkische Tee, das Nationalgetränk. Besucher können Plantagen und Teefabriken besichtigen und lernen, warum der Çay so tief zur türkischen Kultur gehört. Höher hinauf führen kurvige Straßen in die Nebelwälder und zu Aussichtspunkten wie dem Ayder-Hochland.
Das Herzstück des Ostens ist das Kaçkar-Gebirge mit seinen blühenden Yaylalar, den traditionellen Sommerweiden, auf die Hirten bis heute ihr Vieh treiben. Steinerne Dörfer wie Ayder und Pokut, Hängebrücken über wilde Flüsse und Gletscherseen machen die Region zu einem Paradies für Wanderer und Trekkingfreunde.
Amasra, Safranbolu & der Westen
Der westliche Teil der Küste ist stiller und historischer. Das Fischerstädtchen Amasra liegt malerisch auf zwei Buchten und einer Halbinsel, mit einer genuesischen Burg, engen Gassen und Fischrestaurants – ein beliebtes Wochenendziel. Von hier führt eine der schönsten Küstenstraßen der Türkei durch das kaum besuchte Hinterland.
Im Landesinneren bewahrt Safranbolu ein einzigartiges Ensemble osmanischer Handelshäuser aus Holz und Lehm und gehört als besterhaltene osmanische Stadt zum UNESCO-Welterbe. Die Kleinstadt Amasya mit ihren Felsengräbern der pontischen Könige über dem Fluss und die grüne Bergstadt Ordu mit ihrer Seilbahn ergänzen das Bild.
Natur & Aktivurlaub
Die Schwarzmeerregion ist ein Ziel für Naturliebhaber und Aktivurlauber. Im Kaçkar-Nationalpark führen anspruchsvolle Trekkingrouten über Pässe, an Gletscherseen und Yaylalar vorbei. Der Nebelwald des Nordens beherbergt eine artenreiche Flora, und die wilden Flüsse eignen sich hervorragend zum Rafting, etwa im Tal des Fırtına.
Im Frühherbst zieht über die Küste bei Artvin und Borçka einer der größten Vogelzüge Eurasiens; Zehntausende Greifvögel und Störche folgen der Küstenlinie. Der Schwarzmeer-Küstenweg und zahlreiche Hochtal-Wanderungen erschließen die grüne Bergwelt zu Fuß.
Kultur & Regionales
Die Kultur des Nordens unterscheidet sich merklich vom Rest des Landes. Am östlichen Schwarzen Meer, in der Region Lasistan, leben mit Lasen und Hemschinen eigene Volksgruppen mit eigenen Sprachen, Trachten und Bräuchen. Die mitreißende Volksmusik mit der Kemençe, einer kleinen Kniegeige, und der lebhafte Rundtanz Horon sind hier allgegenwärtig.
Die feuchte, grüne Landschaft und die harte Arbeit in den steilen Teegärten haben eine bodenständige, herzliche Alltagskultur geformt. Holzarchitektur, Hängebrücken und Steinhäuser prägen die Dörfer, und in den Hochweiden werden im Sommer traditionelle Feste gefeiert.
Kulinarik & Regionales
Die Schwarzmeerküche ist deftig und eigenständig. Alles dreht sich um die Sardelle (Hamsi), die in unzähligen Varianten zubereitet wird – gebraten, im Reis oder sogar im Maisbrot. Aus dem Mais der Region entsteht das kräftige Mısır Ekmeği, und der Käse fließt in eine der berühmtesten Spezialitäten: Muhlama (Kuymak), ein cremiger Fondue-Brei aus Butter, Maismehl und Käse.
Dazu kommen frische Bergforellen, Kohlgerichte, Haselnüsse in allen Formen und natürlich der überall servierte schwarze Tee aus Rize. Ein Frühstück im Hochland mit Muhlama, Honig, Butter und heißem Çay ist ein Erlebnis für sich.
Beste Reisezeit
Die schönste Zeit für die Schwarzmeerregion ist der Sommer (Mai bis September), wenn die Hochweiden blühen, die Wanderwege schneefrei und die Bergtäler in sattem Grün stehen. Wegen der ozeanischen Lage muss man allerdings zu jeder Jahreszeit mit Regen und Nebel rechnen – wasserfeste Kleidung gehört ins Gepäck.
Der Frühherbst ist ideal für den Vogelzug und die Ernte, das Laub färbt sich in warmen Tönen. Die Küste ist ganzjährig mild, doch die höheren Yaylalar sind nur im Sommer zugänglich; im Winter versinken sie im Schnee, während an der Küste feuchtes, mildes Wetter herrscht.
Anreise & Praktisches
Der Osten wird über die Flughäfen Trabzon (TZX) und Ordu-Giresun (OGU) erreicht, der Westen über Zonguldak oder von Ankara und Istanbul aus per Fernbus und Mietwagen. Vor Ort ist ein Mietwagen fast unerlässlich, um die abgelegenen Hochtäler und die kurvenreichen Bergstraßen zu erkunden; für Sumela und die Yaylalar gibt es zudem geführte Touren.
Deutsche Staatsangehörige reisen für touristische Aufenthalte bis 90 Tage visumfrei mit Reisepass oder Personalausweis ein. Gezahlt wird mit der Türkischen Lira; wegen der hohen Inflation schwanken die Preise, ein Blick auf den tagesaktuellen Wechselkurs lohnt sich. In den ländlichen Gegenden empfiehlt es sich, Bargeld dabeizuhaben, da nicht überall Kartenzahlung möglich ist.
Reisetipps & Geheimtipps
Kombinieren Sie Küste und Hochland: Von Trabzon aus lassen sich Sumela-Kloster, der See Uzungöl und die Teegärten von Rize gut in wenigen Tagen verbinden, bevor es hinauf ins Ayder-Hochland geht. Wer Zeit hat, folgt der grünen Bergstraße von Amasra durch das stille Hinterland.
Als Geheimtipp gelten die Steindörfer und Hochweiden des Kaçkar abseits der Hauptorte, eine Übernachtung in einer traditionellen Yayla-Pension und der Genuss von frischem Muhlama mit Blick auf die Nebelwälder. Wer im Sommer reist, sollte die Volksfeste in den Hochtälern nicht verpassen.
Häufige Fragen
Was macht die Schwarzmeerregion der Türkei besonders?
Die Schwarzmeerregion im Norden der Türkei ist die grünste und regenreichste Landschaft des Landes: steile, bewaldete Berge, die ins Meer abfallen, Teegärten, Nebelwälder und blühende Hochweiden. Höhepunkte sind Trabzon mit dem Sumela-Kloster, die Teestadt Rize und das osmanische Safranbolu.
Was sollte man in der Schwarzmeerregion sehen?
Höhepunkte sind das an eine Felswand gebaute Sumela-Kloster bei Trabzon, der Bergsee Uzungöl, die Teegärten um Rize, die Hochweiden des Kaçkar-Gebirges mit dem Ayder-Hochland, das Fischerstädtchen Amasra und das UNESCO-Welterbe Safranbolu.
Wann ist die beste Reisezeit für die türkische Schwarzmeerküste?
Am schönsten ist der Sommer von Mai bis September, wenn die Hochweiden blühen und die Wege schneefrei sind. Wegen der ozeanischen Lage muss man ganzjährig mit Regen und Nebel rechnen. Der Frühherbst lockt mit Vogelzug und warmem Herbstlaub.
Wächst der türkische Tee in der Schwarzmeerregion?
Ja, nahezu der gesamte türkische Tee wächst an den feuchten, steilen Hängen um Rize am östlichen Schwarzen Meer. Besucher können Teegärten und Fabriken besichtigen. Der schwarze Tee (Çay) ist das Nationalgetränk und wird im ganzen Land in kleinen Gläsern serviert.
Wie kommt man in die Schwarzmeerregion?
Der Osten wird über die Flughäfen Trabzon (TZX) und Ordu-Giresun (OGU) erreicht, der Westen von Ankara und Istanbul aus. Vor Ort ist ein Mietwagen empfehlenswert, um die abgelegenen Hochtäler und kurvigen Bergstraßen zu erkunden; für Sumela gibt es auch geführte Touren.
Wo finde ich offizielle Reiseinformationen zur Türkei?
Offizielle Auskünfte gibt das Türkische Kultur- und Tourismusbüro in Frankfurt; Kontaktadresse und Website finden Sie unten auf dieser Seite. Das offizielle Reiseportal ist goturkiye.com. Einen Überblick über das ganze Land bietet die Türkei-Übersicht.
Weiter zur Reiseplanung: die Übersicht Türkei, die Nachbarregionen Zentralanatolien und Ostanatolien sowie weitere Ziele in der Übersicht Europa.