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Pilsen

Illustration der Brauerei Pilsner Urquell und der Bartholomäus-Kathedrale von Plzeň mit dem Böhmerwald

Der Pilsener Kraj im Westen Böhmens ist die Heimat des hellen Pils: In Plzeň brauen die Pilsner Urquell seit 1842 den Urtyp des untergärigen Lagerbiers. Dazu locken die höchste Kirchturmspitze Tschechiens, das wilde Nordböhmerwald-Gebiet Šumava, das Chodenland um Domažlice und barocke Klöster. Bezahlt wird mit der Tschechischen Krone. Beste Reisezeit ist Mai bis September.

Landkarte Pilsen
Landkarte Pilsen

Der Pilsener Kraj (tschechisch Plzeňský kraj) liegt im Westen Böhmens, unmittelbar an der Grenze zu Bayern, und bildet seit jeher das Tor zwischen Prag und Nürnberg. Namensgeberin und Mittelpunkt ist die Stadt Plzeň (Pilsen), deren helles Bier von hier aus die Welt eroberte. Rund um das industrielle und kulturelle Zentrum breiten sich stille Landschaften aus – vom Böhmerwald bis zum ursprünglichen Chodenland.

Für Reisende aus dem deutschsprachigen Raum ist die Region besonders leicht erreichbar: Die Autobahn von Nürnberg nach Prag durchquert sie, und der Weg über die bayerische Grenze ist kurz. Bezahlt wird auch hier mit der Tschechischen Krone und nicht mit dem Euro. Da Tschechien zum Schengenraum gehört, genügt für Deutsche der Personalausweis, und Grenzkontrollen entfallen.

Lage & Landschaft

Der Pilsener Kraj ist eine Landschaft der Übergänge: Im Zentrum liegt das fruchtbare Becken um Plzeň, wo mehrere Flüsse zusammenfließen und die Moldau-Nebenflüsse Berounka speisen. Nach Süden und Südwesten steigt das Land zum Böhmerwald (Šumava) an, dem größten Mittelgebirge des Landes an der Grenze zu Bayern.

Weite Wälder, Hügel und stille Dörfer prägen die ländlichen Teile der Region, während die Grenzgebiete zum Chodenland und zum Böhmerwald ihre eigene Kultur und Geschichte bewahrt haben. Diese Mischung aus lebendiger Industriestadt und ursprünglicher Natur macht den besonderen Reiz Westböhmens aus – ein Ziel für Städtereisende und Naturliebhaber gleichermaßen.

Plzeň (Pilsen) — die Stadt

Plzeň (Pilsen) ist mit ihren rund 170.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Tschechiens und war 2015 Europäische Kulturhauptstadt. Ihr Herz bildet ein weiträumiger, fast quadratischer Marktplatz mit einem prächtigen Renaissance-Rathaus und der gotischen St.-Bartholomäus-Kathedrale, deren Turm mit rund 103 Metern die höchste Kirchturmspitze Tschechiens trägt.

Sehenswert ist auch die Große Synagoge, eine der größten Europas, die von der einst blühenden jüdischen Gemeinde zeugt. Mit Theatern, Museen und einer lebendigen Studentenszene ist Plzeň eine selbstbewusste Kulturstadt, die weit mehr zu bieten hat als ihr weltberühmtes Bier – auch wenn dieses natürlich der bekannteste Botschafter der Stadt bleibt.

Pilsner Urquell & das Bier

In Plzeň wurde 1842 das helle, untergärige Pils erfunden – jener klare, goldene Biertyp, der weltweit zum Vorbild unzähliger Lagerbiere wurde. Bis heute braut die Brauerei Pilsner Urquell (Plzeňský Prazdroj) hier ihr Original nach traditionellem Verfahren. Der Name „Urquell“ verweist auf den Ursprung: Von hier stammt der Typus, den viele nur „Pils“ nennen.

Eine Brauereiführung gehört zum Pflichtprogramm eines Pilsen-Besuchs: Sie führt durch das historische Sudhaus, die kilometerlangen unterirdischen Lagerkeller und endet mit einer Verkostung des unfiltrierten Biers direkt aus dem Holzfass. So lässt sich die böhmische Braukunst hier unmittelbar am Ursprung erleben – ein Erlebnis, das ganzjährig möglich ist.

Das Kellerlabyrinth & Unterwelt

Unter der Altstadt von Plzeň verbirgt sich ein weitverzweigtes historisches Kellerlabyrinth, das „Plzeňské podzemí“. Über Jahrhunderte gruben die Bürger unter ihren Häusern Gänge, Brunnen und Vorratskeller in mehreren Ebenen – teils zur Lagerung von Bier und Lebensmitteln, teils als Fluchtwege und Schutzräume.

Ein Teil dieses ausgedehnten Systems ist heute begehbar und lässt sich im Rahmen von Führungen erkunden. Zwischen kühlen Ziegelgewölben, alten Brunnenschächten und Tonnengewölben erschließt sich ein faszinierendes Stück städtischer Geschichte, das die meisten Besucher hinter der lebhaften Oberfläche der Bierstadt nicht vermuten würden.

Böhmerwald (Šumava)

Der nördliche Böhmerwald (Šumava) hat im Pilsener Kraj Anteil an einer der ursprünglichsten Landschaften Mitteleuropas. Ausgangspunkt ist der Grenzort Železná Ruda (Markt Eisenstein), von dem Wanderungen zu den dunklen Gletscherseen des Gebirges starten – allen voran zum sagenumwobenen Černé jezero (Schwarzer See), dem größten natürlichen See Tschechiens.

Sanfte, bewaldete Bergrücken, Hochmoore und stille Täler machen den Böhmerwald zu einem Paradies für Wanderer und im Winter für Langläufer und Skifahrer. Gemeinsam mit dem angrenzenden Bayerischen Wald bildet er das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas – ein Rückzugsraum für seltene Arten wie Luchs und Auerhuhn.

Das Chodenland um Domažlice

Im Grenzland zu Bayern, rund um die Stadt Domažlice (Taus), lebt eine der eigenständigsten Volkskulturen Böhmens fort: das Chodenland. Die Choden waren einst freie Grenzwächter, die die Landesgrenze zu Bayern bewachten, und bewahrten sich dafür besondere Rechte – und ein starkes Selbstbewusstsein, das bis heute in Tracht, Musik und Brauchtum spürbar ist.

Charakteristisch sind der Dudelsack (böhmische Sackpfeife), farbenprächtige Trachten und Keramik mit typischen Mustern. Höhepunkt ist das alljährliche Chodenfest in Domažlice, bei dem die Region ihre Traditionen feiert. Die malerische Stadt selbst besticht mit ihrem langgestreckten Marktplatz und dem schiefen Turm der Dekanatskirche.

Barockstädte & Klöster

Klatovy (Klattau) ist eine elegante Barockstadt am Fuß des Böhmerwaldes. Ihre Wahrzeichen sind der Schwarze Turm mit weitem Blick über die Region und der weiße Turm der Jesuitenkirche. In den Katakomben unter der Kirche ruhen jahrhundertealte, auf natürliche Weise mumifizierte Verstorbene – ein stiller, würdevoll zu betrachtender Ort. Dazu kommt eine vollständig erhaltene barocke Apotheke mit originalem Interieur, die heute als Museum zugänglich ist.

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Herausragend sind zudem zwei barocke Zisterzienserklöster: In Kladruby gestaltete der geniale Baumeister Jan Blažej Santini-Aichel die Klosterkirche im einzigartigen Stil der Barockgotik um, mit einer kühnen Kuppel, die romanische, gotische und barocke Formen zu etwas Neuem verschmilzt. Das Kloster Plasy, ausgebaut unter Beteiligung der Baumeisterfamilie Dientzenhofer, ruht auf einer kunstvollen Fundamentkonstruktion über sumpfigem Grund. Beide zählen zu den bedeutendsten Barockbauten Böhmens.

Kulinarik & Bier

Die westböhmische Küche ist deftig und bodenständig: Schweinebraten mit Kraut und Knödel, kräftige Suppen und Wild aus den Wäldern des Böhmerwaldes gehören ebenso dazu wie der süße Chodenkuchen (Chodský koláč) aus dem Grenzland, ein runder Hefekuchen mit Quark-, Mohn- oder Pflaumenfüllung.

Im Mittelpunkt steht jedoch das Pilsner Bier, das hier zu Hause ist. Ein frisch gezapftes, unfiltriertes Lager direkt aus dem Keller der Brauerei oder in einer traditionellen Gaststätte am Marktplatz von Plzeň gehört zum Besuch der Region einfach dazu – nirgendwo schmeckt das Original so authentisch wie an seinem Ursprungsort.

Beste Reisezeit

Die angenehmste Reisezeit für den Pilsener Kraj ist Mai bis September, wenn Museen und Schlösser geöffnet sind, der Böhmerwald zum Wandern einlädt und im Sommer das Chodenfest sowie zahlreiche Feste die Region beleben. Der Frühsommer und der frühe Herbst sind besonders reizvoll, weil die Natur dann in vollem Grün oder buntem Laub steht.

Ein Vorteil der Region: Die Brauerei Pilsner Urquell und die städtischen Sehenswürdigkeiten von Plzeň lassen sich ganzjährig besuchen, sodass sich auch ein Städtetrip im Winter lohnt. Wer den Böhmerwald zum Skifahren oder Langlaufen erleben möchte, kommt in den schneesicheren Monaten von Dezember bis März.

Anreise & Mobilität

Der Pilsener Kraj ist aus dem deutschsprachigen Raum besonders gut erreichbar: Die Autobahn von Nürnberg nach Prag führt mitten durch die Region und bringt Reisende in rund anderthalb Stunden von der bayerischen Grenze nach Plzeň. Für die tschechischen Autobahnen ist eine elektronische Autobahn-Vignette (Dálniční známka) Pflicht, erhältlich online oder an Tankstellen; es gilt Rechtsverkehr.

Bezahlt wird in Tschechischen Kronen (CZK), nicht in Euro. Da Tschechien zum Schengenraum gehört, entfällt bei der Einreise der Grenzstopp. Gute Bahnverbindungen bestehen von München und Nürnberg über die Grenze nach Plzeň und weiter nach Prag; für den Böhmerwald und das Chodenland ist ein Mietwagen die flexibelste Wahl.

Reisetipps & Geheimtipps

Für die Brauereiführung bei Pilsner Urquell empfiehlt sich eine Reservierung, besonders am Wochenende. Wer die Stadt Plzeň mit Natur verbinden möchte, kombiniert einen Tag in der Kulturhauptstadt mit einem Ausflug in den nahen Böhmerwald. Das Chodenfest in Domažlice im Hochsommer ist ein authentisches Erlebnis abseits der üblichen Touristenpfade.

Als Geheimtipps lohnen die barocke Klosterkirche von Kladruby mit Santinis kühner Kuppel, die mumifizierten Katakomben und die Barockapotheke von Klatovy sowie eine Wanderung zum Schwarzen See im Böhmerwald. Öffnungszeiten und Routen lassen sich über das Tourismusportal der Region Pilsen planen. Für die weitere Reiseplanung lohnt der Blick auf die Übersicht Tschechien und die Nachbarregionen.

Häufige Fragen


Wurde das Pils wirklich in Plzeň erfunden?

Ja. 1842 wurde in Plzeň das erste helle, untergärige Lagerbier gebraut – der Urtyp des heutigen Pils. Bis heute stellt die Brauerei Pilsner Urquell (Plzeňský Prazdroj) hier ihr Original her. Der Name „Urquell“ verweist auf diesen Ursprung, dem unzählige Lagerbiere weltweit nachempfunden sind.


Was kann man in der Stadt Plzeň sehen?

Plzeň war 2015 Europäische Kulturhauptstadt. Sehenswert sind der große Marktplatz mit Renaissance-Rathaus, die gotische St.-Bartholomäus-Kathedrale mit der höchsten Kirchturmspitze Tschechiens (rund 103 Meter), die Große Synagoge, das historische Kellerlabyrinth und natürlich die Brauerei Pilsner Urquell mit ihren Führungen.


Was ist das Chodenland?

Das Chodenland um Domažlice (Taus) ist eine eigenständige Volkskultur im Grenzland zu Bayern. Die Choden waren einst freie Grenzwächter mit besonderen Rechten. Bis heute leben Dudelsackmusik, farbenprächtige Trachten und typische Keramik fort. Höhepunkt ist das alljährliche Chodenfest in der malerischen Stadt Domažlice.


Lohnt sich der Böhmerwald im Pilsener Kraj?

Ja. Der nördliche Böhmerwald (Šumava) rund um Železná Ruda ist eine ursprüngliche Berglandschaft mit dunklen Gletscherseen wie dem Schwarzen See, Hochmooren und weiten Wäldern. Im Sommer ist er ein Wanderparadies, im Winter ein Ziel für Langläufer und Skifahrer – ideal für Naturfreunde.


Welche Barockbauten gibt es in der Region?

Herausragend sind die beiden Zisterzienserklöster Kladruby und Plasy: Kladruby zeigt Jan Santinis einzigartige Barockgotik, Plasy wurde unter Beteiligung der Dientzenhofer ausgebaut. Sehenswert sind zudem die Barockstadt Klatovy mit ihren Katakomben und der historischen Apotheke sowie zahlreiche kleine Landstädtchen.


Wo finde ich offizielle Reiseinformationen zu Pilsen?

Offizielle Auskünfte für Deutschland bündelt die Tschechische Zentrale für Tourismus – CzechTourism über das Portal visitczechia.com; regional informiert das Tourismusportal der Region Pilsen über Sehenswürdigkeiten, den Böhmerwald und Öffnungszeiten. Die Kontaktdaten finden Sie unten auf dieser Seite.


Weiter zur Reiseplanung: die Übersicht Tschechien mit allen Regionen, die Nachbarregionen Karlsbad, Südböhmen und Mittelböhmen sowie die Übersicht Europa.