Olmütz (Olomouc)

Olmütz (Olomouc) ist das barocke Herz Mittelmährens: nach Prag das zweitgrößte Denkmalreservat Tschechiens, mit der UNESCO-Dreifaltigkeitssäule, sechs Barockbrunnen und lebendigem Studentenleben. Im Norden ragt das Jeseníky-Gebirge mit dem Altvater auf, dazu Märchenburgen wie Bouzov und der würzige Olmützer Quargel. Bezahlt wird mit der Tschechischen Krone. Beste Reisezeit ist Mai bis September.

Der Olmützer Kreis (tschechisch Olomoucký kraj) liegt im Herzen Mährens und verbindet auf engem Raum zwei sehr verschiedene Welten. Im Süden breitet sich die fruchtbare Haná-Ebene aus, die Kornkammer Mährens mit ihrer reichen Volkskultur, im Zentrum die alte Bischofs- und Universitätsstadt Olomouc. Nach Norden hin steigt das Land zum Jeseníky-Gebirge an, das an der Grenze zu Polen bis über 1.400 Meter aufragt.
Für Reisende ist der Kreis eine der schönsten Entdeckungen abseits der großen Touristenströme: Prachtvolle Barockarchitektur, stille Bergwälder und lebendiges Brauchtum liegen nahe beieinander. Gezahlt wird mit der Tschechischen Krone, nicht mit dem Euro, und dank Schengen entfallen die Grenzkontrollen – für Deutsche genügt zur Einreise der Personalausweis.
Lage & Landschaft
Der Olmützer Kreis erstreckt sich über Mittelmähren, von der weiten Haná-Ebene im Süden bis zu den bewaldeten Höhen im Norden. Die Haná gilt als eine der fruchtbarsten Landschaften Tschechiens; ihre satten Felder, alten Bauerndörfer und die eigenständige Volkstracht prägen das Bild einer traditionsreichen Kulturlandschaft.
Ganz im Norden, an der Grenze zu Polen, erhebt sich das Jeseníky (Altvatergebirge), das nach dem Riesengebirge zweithöchste Gebirge Mährens und Schlesiens. Zwischen den beiden Landschaften vermitteln sanfte Hügel, Flusstäler und kleine Städte. Diese Vielfalt macht die Region gleichermaßen für Kulturreisende wie für Wanderer und Naturfreunde reizvoll.
Olomouc — Barockstadt & Studentenstadt
Olomouc (Olmütz) ist nach Prag das zweitgrößte städtische Denkmalreservat Tschechiens und wird von Kennern gern die schönste Stadt gerühmt, die man in Mitteleuropa noch nicht kennt. Über Jahrhunderte war sie geistliches Zentrum und Sitz eines mächtigen Erzbistums; ihre Silhouette aus Kirchtürmen, Bürgerhäusern und Plätzen ist erstaunlich vollständig erhalten.
Herzstück ist die alte Universität, die zweitälteste des Landes, die der Stadt ein junges, lebendiges Gesicht gibt: Cafés, Kneipen und Studenten füllen die Gassen. Sehenswert sind der gotische Wenzelsdom mit dem höchsten Kirchturm Mährens und der benachbarte Bischofspalast, in dem einst der junge Kaiser Franz Joseph den Thron bestieg.
Die Heilige-Dreifaltigkeits-Säule & die Brunnen
Auf dem Oberring (Horní náměstí), dem großen Marktplatz von Olomouc, steht das bedeutendste Denkmal der Stadt: die Heilige-Dreifaltigkeits-Säule. Mit rund 35 Metern ist sie die größte Barock-Säulengruppe Mitteleuropas und seit dem Jahr 2000 UNESCO-Welterbe. Ihre kunstvollen Figuren und die begehbare Kapelle im Sockel machen sie zu einem einzigartigen Zeugnis barocker Frömmigkeit.
Ebenso berühmt sind die sechs steinernen Barockbrunnen, die über die Altstadt verstreut sind und antike Motive wie Caesar, Herkules oder Neptun zeigen – ein Ensemble, das in dieser Dichte einmalig ist. Am Rathaus zieht zudem die astronomische Uhr die Blicke auf sich, die nach dem Krieg im sozialistischen Realismus neu gestaltet wurde und statt Heiliger nun Arbeiter und Sportler zeigt.
Das Jeseníky-Gebirge (Altvater)
Im Norden des Kreises lädt das Jeseníky (Altvatergebirge) zu Wanderungen und Wintersport ein. Höchster Gipfel ist der Praděd (Altvater) mit 1.491 Metern, der zugleich die höchste Erhebung Mährens ist; sein weithin sichtbarer Sendeturm trägt eine Aussichtsplattform mit weitem Rundblick bis nach Polen. Rundherum erstrecken sich Bergwiesen, Hochmoore und dunkle Fichtenwälder.
Bekannt ist auch der stille Kurort Karlova Studánka, dessen elegante Holzbauten und reine Bergluft seit dem 18. Jahrhundert Erholungssuchende anziehen. Im Winter locken die Skigebiete rund um den Praděd, im Sommer ein dichtes Netz markierter Wanderwege. Das Jeseníky zählt zu den ursprünglichsten Naturräumen Tschechiens.
Velké Losiny — Schloss, Papier & Thermen
Am Fuß des Gebirges liegt Velké Losiny mit seinem eleganten Renaissanceschloss, dessen Arkadenhöfe zu den schönsten Mährens gehören. Direkt daneben arbeitet eine historische Papiermanufaktur, die seit dem 16. Jahrhundert von Hand geschöpftes Büttenpapier herstellt – eine der ältesten noch produzierenden Papiermühlen Europas, deren Museum den Weg vom Lumpen zum Bogen zeigt.
Der Ort ist zugleich ein Thermalbad mit warmen Schwefelquellen. Zur Geschichte gehört auch ein dunkles Kapitel: Im 17. Jahrhundert fanden hier tragische Hexenprozesse statt, denen zahlreiche Menschen zum Opfer fielen. Das Schloss erinnert nüchtern an diese Justizmorde, die später literarisch aufgearbeitet wurden und heute mahnend in Erinnerung bleiben.
Burgen: Bouzov & Šternberk
Der Kreis ist reich an eindrucksvollen Burgen. Am bekanntesten ist Bouzov (Busau), eine romantische Höhenburg, die um 1900 vom Deutschen Orden im neugotischen Stil zu einem Märchenschloss umgebaut wurde. Ihre Türme, Zinnen und prunkvollen Säle dienten schon häufig als Filmkulisse; wer Ritterromantik sucht, ist hier genau richtig.
In Šternberk thront eine mittelalterliche Burg über der Stadt, die auf ein böhmisches Adelsgeschlecht zurückgeht. Die Stadt ist zudem für ihr Uhrenmuseum bekannt, das an die einst blühende Uhrenindustrie erinnert. Beide Ziele lassen sich gut mit einem Ausflug in die Haná oder ins Vorgebirge verbinden.
Haná-Volkskultur & der Olmützer Quargel
Die Haná ist das Herz mährischer Volkskultur: farbenprächtige Trachten, Volkslieder und Feste zu Ernte und Kirchweih werden hier bis heute gepflegt. Die Städte Přerov, ein altes Eisenbahnknoten- und Industriezentrum, und Prostějov, traditionell für die Mode- und Bekleidungsindustrie bekannt, ergänzen das ländliche Bild um städtisches Leben.
Eine kulinarische Berühmtheit ist der Olmützer Quargel (Olomoucké tvarůžky), ein würziger, reifer Sauermilchkäse mit unverwechselbarem Aroma und langer Tradition. Hergestellt wird er im Städtchen Loštice, wo ein eigenes Museum seine Geschichte erzählt. Der Quargel gilt als eine der ältesten geschützten Käsesorten Mitteleuropas.
Kulinarik
Die Küche des Kreises ist bodenständig und herzhaft. Neben dem allgegenwärtigen Olmützer Quargel, der pur, gebacken oder in Bier eingelegt gereicht wird, prägen die deftigen Gerichte der Haná-Küche die Tafel: Schweinebraten mit Knödel und Kraut, Geflügel, Mehlspeisen und die Erzeugnisse der fruchtbaren Ebene.
Dazu gehört ein gutes Glas Bier, denn Mähren hat eine lebendige Brautradition mit zahlreichen Regionalbrauereien. In den Studentenkneipen von Olomouc lässt sich die Verbindung aus junger Atmosphäre und traditioneller Wirtshauskultur besonders schön erleben – ein frisch gezapftes Lager gehört einfach dazu.
Beste Reisezeit
Die angenehmste Zeit für den Olmützer Kreis reicht von Mai bis September, wenn Schlösser und Museen geöffnet sind, die Stadtfeste stattfinden und das milde Klima Spaziergänge durch Olomouc und Ausflüge in die Haná einlädt. Der Frühsommer zeigt die Ebene in sattem Grün, der Spätsommer bringt Erntefeste und Volksfeste.
Wer in die Berge will, plant großzügiger: Im Jeseníky lohnen Wanderungen von Juni bis in den goldenen Oktober hinein, ehe der erste Schnee fällt. Von Dezember bis März verwandelt sich das Altvatergebirge in ein Wintersportgebiet mit verschneiten Wäldern und guten Loipen.
Anreise & Mobilität
Olomouc liegt verkehrsgünstig an der Hauptmagistrale zwischen Prag und Ostrava und ist mit dem Zug hervorragend erreichbar; Schnellzüge halten regelmäßig, auch aus Wien und Bratislava. Mit dem Auto erreicht man die Stadt bequem über die Autobahn – für tschechische Autobahnen ist die elektronische Vignette (Dálniční známka) Pflicht, die sich online lösen lässt.
In Tschechien gilt Rechtsverkehr, gezahlt wird in Tschechischen Kronen (CZK), nicht in Euro. Dank Schengen gibt es keinen Grenzstopp. Für Ausflüge in die Haná und ins Jeseníky ist ein Mietwagen praktisch, während sich die Altstadt von Olomouc am besten zu Fuß erkunden lässt. Regionalbusse und Bahnen verbinden die größeren Orte.
Reisetipps & Geheimtipps
Für Olomouc lohnt eine Übernachtung, um die Barockstadt am Abend fast für sich allein zu haben, wenn die Tagesgäste weg sind. Planen Sie Zeit für die sechs Brunnen ein, verkosten Sie den Olmützer Quargel und steigen Sie auf den Turm des Wenzelsdoms für den Blick über die Dächer.
Als Geheimtipps lohnen die handgeschöpfte Papiermanufaktur in Velké Losiny, das Käsemuseum in Loštice und eine Fahrt auf den Praděd im Altvatergebirge. Die Märchenburg Bouzov begeistert Familien. Für die weitere Reiseplanung lohnt der Blick auf die Übersicht Tschechien und die Nachbarregionen.
Häufige Fragen
Warum lohnt sich ein Besuch in Olomouc?
Olomouc (Olmütz) ist nach Prag das zweitgrößte Denkmalreservat Tschechiens, mit einer fast vollständig erhaltenen Barockaltstadt. Höhepunkte sind die UNESCO-Dreifaltigkeitssäule, sechs steinerne Barockbrunnen, der Wenzelsdom mit dem höchsten Kirchturm Mährens und eine lebendige Universitätsstadt voller Cafés und Studenten – und das alles fast ohne Touristenmassen.
Was ist an der Heilige-Dreifaltigkeits-Säule besonders?
Die Heilige-Dreifaltigkeits-Säule auf dem Oberring in Olomouc ist mit rund 35 Metern die größte Barock-Säulengruppe Mitteleuropas und seit dem Jahr 2000 UNESCO-Welterbe. Ihre kunstvollen Heiligenfiguren und eine begehbare Kapelle im Sockel machen sie zu einem einzigartigen Zeugnis barocker Baukunst und Frömmigkeit.
Lohnt sich das Jeseníky-Gebirge für Wanderer?
Ja. Das Jeseníky (Altvatergebirge) im Norden des Kreises bietet mit dem Praděd (Altvater, 1.491 m), dem höchsten Berg Mährens, weite Wanderwege, Hochmoore und Bergwälder. Der Sendeturm auf dem Gipfel trägt eine Aussichtsplattform. Im Winter locken Skigebiete, im Sommer der stille Kurort Karlova Studánka.
Was ist der Olmützer Quargel?
Der Olmützer Quargel (Olomoucké tvarůžky) ist ein würziger, reifer Sauermilchkäse mit unverwechselbarem Aroma und langer Tradition – eine der ältesten geschützten Käsesorten Mitteleuropas. Hergestellt wird er im Städtchen Loštice, wo ein eigenes Museum seine Geschichte zeigt. Man genießt ihn pur, gebacken oder in Bier eingelegt.
Wann ist die beste Reisezeit für den Olmützer Kreis?
Für Stadt und Haná-Ebene ist Mai bis September ideal, wenn Museen geöffnet sind und Feste stattfinden. Wer ins Jeseníky-Gebirge will, wandert von Juni bis in den goldenen Oktober. Von Dezember bis März wird das Altvatergebirge zum Wintersportgebiet mit verschneiten Wäldern und guten Loipen.
Wo finde ich offizielle Reiseinformationen zu Olmütz?
Offizielle Auskünfte für Deutschland bündelt die Tschechische Zentrale für Tourismus – CzechTourism über das Portal visitczechia.com; regional informiert das Tourismusportal Střední Morava / Central Moravia über Olomouc, die Haná und das Jeseníky-Gebirge. Die Kontaktdaten finden Sie unten auf dieser Seite.
Weiter zur Reiseplanung: die Übersicht Tschechien mit allen Regionen, die Nachbarregionen Mährisch-Schlesien, Zlín und Südmähren sowie die Übersicht Europa.