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Mittelböhmen

Illustration der Bergstadt Kutná Hora mit dem Barbara-Dom und der Burg Karlštejn über bewaldeten Tälern

Mittelböhmen umschließt Prag ringförmig und ist Tschechiens klassisches Ausflugsland: die gotische Kronburg Karlštejn, die UNESCO-Silberstadt Kutná Hora mit ihrem Sedlec-Beinhaus, das Jagdschloss Konopiště und die Weinstadt Mělník über dem Zusammenfluss von Elbe und Moldau. Bezahlt wird mit der Tschechischen Krone. Beste Reisezeit ist Mai bis September und der Frühherbst.

Landkarte Mittelböhmen
Landkarte Mittelböhmen

Mittelböhmen (tschechisch Středočeský kraj) ist die flächengrößte Region Tschechiens und legt sich wie ein breiter Ring um die Hauptstadt Prag, die zugleich ihr Verwaltungssitz ist, selbst aber nicht zur Region gehört. Zwischen den Flüssen Elbe, Moldau, Berounka und Sázava reihen sich Königsburgen, Silberstädte und Adelsschlösser so dicht wie kaum sonst im Land. Über Jahrhunderte war dieses fruchtbare Kernland das Rückgrat des böhmischen Königreichs.

Für Reisende ist Mittelböhmen ideal, um Prag mit dem böhmischen Umland zu verbinden: Die berühmtesten Ziele liegen jeweils nur eine knappe Autostunde von der Hauptstadt entfernt und lassen sich bequem als Tagesausflug erkunden. Bezahlt wird auch hier mit der Tschechischen Krone und nicht mit dem Euro. Da Tschechien zum Schengenraum gehört, genügt für Deutsche der Personalausweis, und Grenzkontrollen entfallen.

Lage & Landschaft

Mittelböhmen liegt im Herzen des Böhmischen Beckens und ist eine sanft gewellte, fruchtbare Kulturlandschaft aus Feldern, Wäldern und Flusstälern. Die Elbe nimmt hier bei Mělník die Moldau auf, während die kleineren Flüsse Berounka und Sázava sich in tief eingeschnittenen, waldreichen Tälern durch die Region winden – beliebte Reviere für Wasserwanderer und Ausflügler.

Weil die Region Prag vollständig umschließt, ist sie außerordentlich abwechslungsreich: Im Nordwesten reicht sie an das Böhmische Mittelgebirge, im Nordosten hat sie Anteil am Böhmischen Paradies (Český ráj), und rund um Křivoklát erstrecken sich tiefe, alte Wälder.

Burg Karlštejn

Hoch über dem Tal der Berounka thront die Burg Karlštejn, die berühmteste Burg Tschechiens und ein Wahrzeichen des Landes. Kaiser Karl IV. ließ sie im 14. Jahrhundert als geistliches Zentrum und Schatzkammer errichten; hier wurden zeitweise die Reichskleinodien und die böhmischen Kronjuwelen verwahrt. Die gestufte Silhouette aus Palas, Turm und Kapellenturm gilt als Musterbeispiel gotischer Burgenbaukunst.

Kostbarstes Kleinod ist die Heilig-Kreuz-Kapelle im großen Turm, deren Wände einst über hunderte Tafelbilder und Halbedelsteine schmückten. Die Burg liegt nur rund eine halbe Stunde von Prag entfernt und ist entsprechend gut besucht; ein Spaziergang durch das malerische Dorf und das Berounka-Tal rundet den Ausflug ab.

Kutná Hora (Kuttenberg)

Kutná Hora (Kuttenberg) verdankt seinen einstigen Reichtum dem Silber: Im Mittelalter war die Stadt nach Prag die bedeutendste des Königreichs und Sitz einer königlichen Münzstätte. Ihr historischer Kern gehört zum UNESCO-Welterbe. Überragt wird er vom prächtigen St.-Barbara-Dom, einem gotischen Meisterwerk, das die Bergleute ihrer Schutzheiligen weihten und dessen zeltförmiges Dach weithin sichtbar ist.

In der königlichen Münzstätte, dem Welschen Hof (Vlašský dvůr), wurde der berühmte Prager Groschen geprägt. Weltbekannt ist das Sedlec-Beinhaus (Ossarium): eine Friedhofskapelle, deren Inneres im 19. Jahrhundert kunstvoll mit den Gebeinen tausender Verstorbener geschmückt wurde – ein eindrucksvoller, würdevoll zu betrachtender Ort des Memento mori. Wer will, folgt untertage den Spuren des mittelalterlichen Silberbergbaus.

Schloss Konopiště

Bei Benešov, südöstlich von Prag, liegt das Schloss Konopiště, das vor allem als letzter Wohnsitz des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand d’Este bekannt ist, dessen Ermordung 1914 in Sarajevo den Ersten Weltkrieg auslöste. Er baute die alte Anlage zu einer komfortablen Residenz um und füllte sie mit einer riesigen Sammlung von Waffen, Kunst und Jagdtrophäen.

Die zahllosen präparierten Tiere und Geweihe zeugen von der geradezu manischen Jagdleidenschaft des Erzherzogs. Rund um das Schloss laden ein weitläufiger Park, ein prachtvoller Rosengarten und ruhige Waldwege zum Spaziergang ein. Konopiště ist damit ein Ausflugsziel, das Geschichte, Architektur und Natur auf reizvolle Weise verbindet.

Mělník & der böhmische Wein

Am nördlichen Rand der Region erhebt sich das Renaissanceschloss Mělník auf einem Felssporn genau dort, wo die Elbe die Moldau aufnimmt. Von der Terrasse und aus den Schlossgärten bietet sich ein weiter Blick über den Zusammenfluss und das flache Land. Mělník ist das Zentrum des böhmischen Weinbaus, dessen Tradition der Legende nach ebenfalls auf Karl IV. zurückgeht.

An den sonnigen Hängen über dem Fluss reifen Reben, aus denen leichte, frische Weine gekeltert werden – eine in Deutschland kaum bekannte Seite Tschechiens. Die historischen Weinkeller unter dem Schloss laden zur Verkostung ein. Damit ergänzt Mělník das Bier, für das Böhmen berühmt ist, um eine überraschende önologische Facette.

Křivoklát & das Böhmische Paradies

Tief in den Wäldern über der Berounka liegt die Königsburg Křivoklát, eine der ältesten und besterhaltenen Burgen des Landes. Einst diente sie den böhmischen Königen als Jagdsitz; heute beeindrucken ihr gotischer Rittersaal, die Kapelle und die mächtigen Mauern inmitten eines ausgedehnten Biosphärenreservats, das seltenen Tier- und Pflanzenarten Schutz bietet.

Im Nordosten hat Mittelböhmen Anteil am Böhmischen Paradies (Český ráj), dem ersten UNESCO-Geopark des Landes. Bizarre Sandstein-Felsentürme, sogenannte Felsenstädte, tiefe Schluchten und trutzige Burgruinen prägen diese Landschaft, die zu den beliebtesten Wander- und Klettergebieten Tschechiens zählt und sich für Ausflüge abseits der großen Touristenströme anbietet.

Gedenkstätte Lidice

Westlich von Prag liegt Lidice, ein Ort des Gedenkens und der Mahnung, keine Sehenswürdigkeit. Als Vergeltung für das Attentat auf den SS-Führer Reinhard Heydrich machten die deutschen Besatzer das Dorf 1942 dem Erdboden gleich: Die Männer wurden erschossen, Frauen und Kinder verschleppt, die Häuser niedergebrannt und selbst der Bach umgeleitet, um jede Spur zu tilgen.

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Heute erinnert an der Stelle des ausgelöschten Dorfes eine würdevolle Gedenkstätte mit Museum, dem bewegenden Denkmal für die ermordeten Kinder und einem Rosengarten des Friedens. Ein Besuch ist ein stiller, nachdenklicher Moment; die Anlage bittet um respektvolles, zurückhaltendes Verhalten und ordnet das Geschehen historisch ein.

Kulinarik & Bier

Die mittelböhmische Küche ist bodenständig und herzhaft: gebratenes Schweine- und Wildfleisch, kräftige Soßen und die allgegenwärtigen böhmischen Knödel gehören ebenso dazu wie Süßspeisen und frisches Gebäck. Aus den Flusstälern und Wäldern kommen Fisch, Pilze und Wild auf den Tisch.

Zum Essen gehört das Bier: Zahlreiche Brauereien in der Region setzen die böhmische Brautradition fort, dazu kommen die leichten Weine aus Mělník als regionale Besonderheit. Ein Glas Bier oder Wein auf einem alten Marktplatz, etwa in Kutná Hora oder Mělník, gehört zum Mittelböhmen-Erlebnis dazu.

Beste Reisezeit

Die Hauptsaison reicht von Mai bis September, wenn Burgen, Schlösser und Museen geöffnet sind und die Flusstäler zum Wandern, Radeln und Paddeln einladen. Der Frühsommer ist besonders angenehm, wenn die beliebten Ziele wie Karlštejn noch nicht überlaufen sind.

Ein eigener Reiz liegt im Frühherbst: Dann färben sich die Wälder an Berounka und Sázava bunt, in Mělník wird die Weinlese gefeiert, und die Ausflugsziele sind ruhiger. Auch der Winter hat seinen Zauber, wenn die Weihnachtsmärkte öffnen und die Silhouette von Kutná Hora im Schnee liegt.

Anreise & Mobilität

Mittelböhmen ist über die Drehscheibe Prag hervorragend erreichbar, von wo Autobahnen und Schnellstraßen sternförmig in alle Landesteile führen. Für die tschechischen Autobahnen ist eine elektronische Autobahn-Vignette (Dálniční známka) Pflicht, die sich online oder an Tankstellen erwerben lässt; es herrscht Rechtsverkehr. Bezahlt wird in Tschechischen Kronen (CZK), nicht in Euro.

Da Tschechien zum Schengenraum gehört, gibt es bei der Einreise keinen Grenzstopp. Für die Erkundung der über die Region verstreuten Burgen und Schlösser ist ein Mietwagen am praktischsten; viele Ziele wie Kutná Hora oder Karlštejn sind aber auch mit Regionalbahnen und Bussen ab Prag gut zu erreichen. Rad- und Wanderwege entlang der Flüsse erschließen die Landschaft.

Reisetipps & Geheimtipps

Wer die berühmten Ziele in Ruhe erleben will, startet früh am Morgen: Karlštejn und Kutná Hora füllen sich ab dem späten Vormittag mit Tagesgästen aus Prag. Für Kutná Hora lohnt sich ein ganzer Tag, um Dom, Welschen Hof und das Sedlec-Beinhaus in Ruhe zu verbinden. Eine gemächliche Kanutour auf der Sázava zeigt Mittelböhmen von seiner stillen Seite.

Als Geheimtipps lohnen die Königsburg Křivoklát in ihren tiefen Wäldern, die Felsenstädte des Böhmischen Paradieses und der Elbe-Radweg, der bequem bis Mělník und weiter nach Norden führt. Über die regionale Tourismuszentrale (Central Bohemia Tourism) lassen sich Routen und Öffnungszeiten planen. Für die weitere Reiseplanung lohnt der Blick auf die Übersicht Tschechien und die Nachbarregionen.

Häufige Fragen


Warum ist die Burg Karlštejn so berühmt?

Karlštejn ist die bekannteste Burg Tschechiens. Kaiser Karl IV. ließ sie im 14. Jahrhundert als geistliches Zentrum und Schatzkammer errichten; hier wurden zeitweise die Reichskleinodien und die böhmischen Kronjuwelen verwahrt. Kostbarstes Kleinod ist die reich geschmückte Heilig-Kreuz-Kapelle. Die Burg liegt nur eine halbe Stunde von Prag entfernt.


Was kann man in Kutná Hora (Kuttenberg) sehen?

Die einstige Silberstadt gehört zum UNESCO-Welterbe. Höhepunkte sind der gotische St.-Barbara-Dom der Bergleute, der Welsche Hof als königliche Münzstätte und das berühmte Sedlec-Beinhaus, dessen Inneres kunstvoll aus Gebeinen gefügt ist. Auch der mittelalterliche Silberbergbau lässt sich untertage nachvollziehen.


Was hat es mit Schloss Konopiště auf sich?

Konopiště bei Benešov war der letzte Wohnsitz des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand d’Este. Er füllte das Schloss mit einer riesigen Sammlung an Waffen, Kunst und Jagdtrophäen. Umgeben von einem weitläufigen Park mit prächtigem Rosengarten ist es ein beliebter Tagesausflug südöstlich von Prag.


Kann man in Mittelböhmen Wein trinken?

Ja. Rund um die Stadt Mělník, wo die Elbe die Moldau aufnimmt, liegt ein traditionelles Weinbaugebiet, dessen Ursprung der Legende nach auf Karl IV. zurückgeht. An den sonnigen Hängen reifen leichte, frische Weine, die man in den historischen Kellern unter dem Renaissanceschloss verkosten kann.


Was ist die Gedenkstätte Lidice?

Lidice ist ein Ort des Gedenkens und der Mahnung, keine Sehenswürdigkeit. Die deutschen Besatzer löschten das Dorf 1942 als Vergeltungsmaßnahme vollständig aus. Heute erinnern eine würdevolle Gedenkstätte mit Museum, das Denkmal für die ermordeten Kinder und ein Rosengarten des Friedens an das Geschehen. Ein Besuch verlangt respektvolles, stilles Verhalten.


Wo finde ich offizielle Reiseinformationen zu Mittelböhmen?

Offizielle Auskünfte für Deutschland bündelt die Tschechische Zentrale für Tourismus – CzechTourism über das Portal visitczechia.com; regional informiert die mittelböhmische Tourismuszentrale (Central Bohemia Tourism) über Ausflugsziele, Routen und Öffnungszeiten. Die Kontaktdaten finden Sie unten auf dieser Seite.


Weiter zur Reiseplanung: die Übersicht Tschechien mit allen Regionen, die Nachbarregionen Prag, Südböhmen und Pardubice sowie die Übersicht Europa.