Asturien

Asturien im grünen Norden Spaniens ist ein Paradies für Naturfreunde: Im Nationalpark Picos de Europa leuchten die Bergseen von Covadonga, dessen Heiligtum als Wiege der Reconquista gilt. Oviedo bewahrt einzigartige präromanische Kirchen, und an der wilden Steilküste wird zünftig Cidre ausgeschenkt. Gezahlt wird mit dem Euro; beste Reisezeit ist Mai bis September.

Asturien (spanisch Asturias, asturisch Asturies) im grünen Norden Spaniens ist ein Fürstentum der Natur. Zwischen dem stürmischen Golf von Biskaya und den schroffen Gipfeln der Picos de Europa drängt sich auf kleiner Fläche eine der wildesten und ursprünglichsten Landschaften der Iberischen Halbinsel: sattgrüne Bergtäler, eine zerklüftete Steilküste mit versteckten Buchten, tiefe Wälder und stille Dörfer. „Paraíso Natural“ – Naturparadies – lautet der offizielle Werbeslogan, und ausnahmsweise trifft er die Wirklichkeit ziemlich genau.
Asturien ist eine einzige Provinz und zugleich autonome Region (Fürstentum Asturien). Amtssprache ist Spanisch; daneben lebt das asturische Regionalidiom (Bable/Asturianu) fort. Gezahlt wird mit dem Euro, für die Einreise genügt der Personalausweis. Ehrlich gesagt gehört Asturien wie das benachbarte Galicien zum „grünen Spanien“: Das Klima ist mild und feucht, Regen ist häufig – dafür entgeht man der Sommerhitze des Südens und findet eine Natur von überwältigender Frische.
Regionen & Landschaften
Asturien liegt eingezwängt zwischen Meer und Hochgebirge. Nur wenige Kilometer trennen die Atlantikküste von den über 2.600 Meter hohen Gipfeln der Picos de Europa, sodass man morgens am Strand und mittags im Hochgebirge stehen kann. Dazwischen erstreckt sich ein Mosaik aus grünen Tälern, Bergweiden, Kastanien- und Eichenwäldern sowie tief eingeschnittenen Flussschluchten.
Die Küste ist überwiegend steil und felsig, immer wieder unterbrochen von kleinen, oft nur bei Ebbe zugänglichen Sandstränden und malerischen Fischerhäfen. Das Landesinnere ist von Bergbautradition geprägt – in den Tälern von Nalón und Caudal wurde jahrhundertelang Kohle gefördert. Diese Nähe von wilder Natur und industriellem Erbe verleiht Asturien einen ganz eigenen, unverwechselbaren Charakter.
Städte & Orte
Die Hauptstadt Oviedo besticht mit einer eleganten, gepflegten Altstadt, der gotischen Kathedrale und den berühmten präromanischen Kirchen am Stadtrand. Die größte Stadt ist die lebhafte Hafen- und Industriestadt Gijón (asturisch Xixón) mit ihrer geschwungenen Bucht von San Lorenzo und dem alten Fischerviertel Cimadevilla. Avilés überrascht mit einer schönen historischen Altstadt und dem futuristischen Kulturzentrum Niemeyer.
An der Küste reihen sich malerische Orte: das an einen Steilhang gebaute Fischerdorf Cudillero, das weiße Luarca, das für Höhlen und Strände bekannte Ribadesella und das mondäne Llanes mit seinen bemalten Hafenwürfeln. Tor zu den Picos de Europa ist das Bergstädtchen Cangas de Onís mit seiner römischen Brücke. Viele dieser Orte lassen sich zu einer reizvollen Küstenrundreise verbinden.
Picos de Europa & Covadonga
Der Nationalpark Picos de Europa – 1918 als erster Nationalpark Spaniens ausgewiesen – ist das Naturwunder Asturiens. Aus tiefen grünen Tälern ragen bizarre Kalkfelswände fast senkrecht auf, dazwischen liegen Schluchten wie die spektakuläre Ruta del Cares, ein in den Fels gehauener Wanderweg, der zu den schönsten Europas zählt. Auf den Hochweiden reift der berühmte Blauschimmelkäse Cabrales in Kalkhöhlen.
Spirituelles Herz des Parks ist Covadonga: In einer Felsgrotte über einem Wasserfall liegt das Heiligtum, an dem 722 die legendäre Schlacht den Beginn der Reconquista markierte. Oberhalb leuchten die smaragdgrünen Bergseen Enol und Ercina (Lagos de Covadonga) in einer Hochgebirgslandschaft – im Sommer nur mit Shuttlebus erreichbar, dafür ein unvergessliches Ziel. Covadonga ist damit zugleich Natur- und Nationalheiligtum.
Grüne Steilküste & Strände
Asturiens Küste (Costa Verde) gehört zu den schönsten und ursprünglichsten Spaniens. Berühmt ist der von Klippen umschlossene, nur zu Fuß erreichbare Playa del Silencio („Strand der Stille“) bei Cudillero. Ein Kuriosum ist die Playa de Gulpiyuri bei Llanes – ein winziger Binnenstrand mitten auf einer Wiese, den das Meer durch unterirdische Höhlen speist.
Bei Llanes brechen an der Küste die Bufones auf, Blaslöcher, aus denen die Brandung bei rauer See fauchend Gischtfontänen schießt. Weite Sandstrände wie in Ribadesella und Salinas locken Badegäste und Surfer, während unzählige kleine Buchten Ruhe versprechen. Baden ist im Sommer möglich, doch der Atlantik bleibt auch dann erfrischend kühl – die Küste ist eher ein Ziel für Naturliebhaber als für reinen Strandurlaub.
Präromanik – das Erbe von Oviedo
Ein kulturelles Alleinstellungsmerkmal Asturiens ist die asturische Präromanik, eine einzigartige Baukunst des 9. Jahrhunderts, als das kleine Königreich Asturien der einzige christliche Rückzugsraum der Halbinsel war. Auf dem Berg Naranco über Oviedo stehen die schlanken Kirchen Santa María del Naranco und San Miguel de Lillo – schmucke, überraschend moderne Bauwerke, die zum UNESCO-Welterbe zählen.
Im Herzen Oviedos bewahrt die Cámara Santa der Kathedrale kostbare Reliquien und Goldschmiedearbeiten wie das Siegeskreuz (Cruz de la Victoria), das bis heute im Wappen Asturiens erscheint. Zusammen mit der Kirche San Julián de los Prados bilden diese Bauten ein kunsthistorisches Ensemble von europäischem Rang – ein stiller, aber überaus lohnender Höhepunkt jeder Asturien-Reise.
Natur & Naturparks
Über die Picos de Europa hinaus schützt Asturien eine der wildesten Naturregionen Spaniens. Im Naturpark Somiedo, einem Biosphärenreservat, streift der Kantabrische Braunbär durch Buchenwälder, und traditionelle Hirtenhütten mit Strohdächern (teitos) prägen die Hochweiden. Der Naturpark Redes und die urwüchsigen Eichenwälder von Muniellos – einer der größten zusammenhängenden Eichenwälder Europas – ergänzen das Bild.
Für Wanderer, Bergsteiger und Vogelbeobachter ist Asturien ein Eldorado: von leichten Talwanderungen bis zu anspruchsvollen Hochgebirgstouren, von der Bärenbeobachtung in Somiedo bis zum Auerhahn in den alten Wäldern. Diese unberührte Natur, so nah am Meer, ist im dicht besiedelten Europa selten geworden.
Sidra & Kulinarik
Asturien ist das Land des Cidre (Sidra). Der herb-fruchtige Apfelwein wird traditionell im hohen Bogen aus großer Höhe ins Glas gegossen (escanciar), um ihn zu belüften – ein Ritual, das man in den geselligen Sidrerías des ganzen Landes erlebt. Kulinarisches Nationalgericht ist die deftige Fabada asturiana, ein herzhafter Eintopf aus großen weißen Bohnen (fabes), Blutwurst und Speck.
Weltberühmt ist der kräftige Blauschimmelkäse Cabrales, der in Kalkhöhlen der Picos de Europa reift – nur einer von rund vierzig asturischen Käsesorten, die die Region zum „Käseland“ Spaniens machen. Von der Küste kommen frischer Fisch und Meeresfrüchte, aus den Bergen Wild und Fleisch. Als Nachtisch reicht man Milchreis (arroz con leche) oder die frittierten Teigkringel Casadielles.
Kultur & Geschichte
Asturien versteht sich als Keimzelle des christlichen Spanien: Nach dem Sieg von Covadonga entstand hier das erste christliche Königreich der Reconquista, dessen Könige in Oviedo residierten. Bis heute trägt der spanische Thronfolger den Titel „Fürst/Fürstin von Asturien“, und die alljährlich in Oviedo verliehenen Prinzessin-von-Asturien-Preise gelten als spanische Nobelpreise.
Im 19. und 20. Jahrhundert prägte der Kohle- und Eisenbergbau die Region und schuf eine stolze Arbeiter- und Bergbaukultur, an die heute Museen wie das Bergbaumuseum von El Entrego erinnern. Die asturische Identität zeigt sich zudem in Dudelsackmusik (gaita), im Regionalidiom Bable und in einer lebendigen keltisch geprägten Folklore.
Feste & Traditionen
Ein Spektakel ist der Descenso Internacional del Sella im August – ein Kanurennen von Arriondas nach Ribadesella, das die Ufer in ein riesiges Volksfest verwandelt. In Gijón lockt im Sommer der Kulturmarkt Semana Negra, in Oviedo feiert man das Patronatsfest San Mateo im September mit dem legendären „Día de América en Asturias“.
Fest verwurzelt sind die zahllosen Fiestas de la Sidra und die Weltrekordversuche im gemeinsamen Cidre-Ausschenken, dazu die Wallfahrten (romerías) in den Bergdörfern mit Dudelsack und Trachten. Wer eines dieser Feste erlebt, spürt die bodenständige Herzlichkeit der Asturier unmittelbar.
Beste Reisezeit
Die beste Reisezeit ist Mai bis September, wenn die Tage lang und die Berge gut begehbar sind. Ehrlich gesagt muss man in Asturien aber ganzjährig mit Regen rechnen – das milde, feuchte Atlantikklima ist der Grund für das üppige Grün. Selbst im Hochsommer bleiben die Temperaturen mit Werten um 22 bis 25 Grad angenehm, und die Hitze des spanischen Südens erreicht die Region nie.
Frühjahr und Frühherbst sind ideal für Wanderungen und Küstentouren bei geringerem Andrang. Der Winter ist an der Küste mild, im Hochgebirge dagegen schneereich – dann lädt das kleine Skigebiet Fuentes de Invierno ein. Wer die Bergseen von Covadonga und die Ruta del Cares erwandern möchte, plant die schneefreien Monate von Juni bis Oktober ein.
Anreise & Mobilität
Wichtigstes Tor ist der Flughafen Asturias (OVD) bei Avilés, der einige internationale Verbindungen bietet; zusätzlich ist die Region über Bilbao und Santander erreichbar. Mit der Bahn ist Asturien an Madrid angebunden, und der Ausbau der Hochgeschwindigkeitsstrecke durch die Kantabrischen Berge hat die Fahrzeit deutlich verkürzt.
Entlang der Küste verkehrt die nostalgische Schmalspurbahn (ehemals FEVE), doch für eine Rundreise in die Picos de Europa, an die Steilküste und in die Naturparks empfiehlt sich ein Mietwagen (Rechtsverkehr), da viele Berg- und Küstenorte nur eingeschränkt an den öffentlichen Verkehr angebunden sind. Die Bergseen von Covadonga sind im Sommer nur mit dem Shuttlebus zugänglich.
Reisetipps & Geheimtipps
Ein Muss ist die Wanderung auf der Ruta del Cares und ein früher Besuch der Bergseen von Covadonga, ehe der Andrang einsetzt. Für Genießer lohnt ein Abend in einer Sidrería mit Fabada und frisch escanciertem Cidre sowie eine Käseverkostung in den Dörfern der Picos. Die präromanischen Kirchen über Oviedo sollte man trotz ihrer schlichten Größe nicht auslassen.
Geheimtipps sind der versteckte Playa del Silencio, der Wiesenstrand Gulpiyuri und die Bärenbeobachtung im Naturpark Somiedo. Als Ausgangspunkt für den grünen Norden liegt Asturien ideal: Das benachbarte Kantabrien, das grüne Galicien und das geschichtsträchtige Kastilien-León jenseits der Berge sind für eine Weiterreise günstig erreichbar.
Häufige Fragen
Wann ist die beste Reisezeit für Asturien?
Am schönsten ist es von Mai bis September mit langen Tagen und gut begehbaren Bergen. Wegen des milden, feuchten Atlantikklimas muss man aber ganzjährig mit Regen rechnen – dafür bleibt es grün und selbst im Hochsommer angenehm um 22 bis 25 Grad.
Wie reist man am besten nach Asturien und vor Ort?
Am bequemsten ist der Flug zum Flughafen Asturias (OVD) bei Avilés; auch über Bilbao und Santander ist die Region erreichbar. Für eine Rundreise in die Picos de Europa und an die Steilküste empfiehlt sich ein Mietwagen (Rechtsverkehr), da viele Orte nur eingeschränkt an Bus und Bahn angebunden sind.
Was sind die schönsten Reiseziele in Asturien?
Zu den Höhepunkten zählen der Nationalpark Picos de Europa mit den Bergseen von Covadonga, die Ruta del Cares, die grüne Steilküste mit dem Playa del Silencio, die präromanischen Kirchen über Oviedo sowie die Städte Gijón und Avilés.
Was hat es mit der asturischen Sidra auf sich?
Sidra ist der herb-fruchtige asturische Apfelwein, der traditionell im hohen Bogen aus großer Höhe ins Glas gegossen wird (escanciar), um ihn zu belüften. Man trinkt ihn in den geselligen Sidrerías, oft zur deftigen Fabada asturiana und zum Blauschimmelkäse Cabrales.
Kann man in Asturien Badeurlaub machen?
Baden ist an Stränden wie Ribadesella, Salinas oder in Gijón möglich, doch Asturien ist kein klassisches Badeziel: Der Atlantik bleibt auch im Sommer kühl und das Wetter wechselhaft. Die Küste ist eher für Naturliebhaber, Wanderer und Surfer als für reinen Strandurlaub attraktiv.
Wo finde ich offizielle Reiseinformationen zu Asturien?
Offizielle Auskünfte bündelt Turismo Asturias über das Portal turismoasturias.es. Die Kontaktdaten finden Sie unten auf dieser Seite; einen Überblick über das ganze Land bietet die Spanien-Übersicht.
Weiter zur Reiseplanung: die Übersicht Spanien, die Nachbarregionen Galicien, Kantabrien und Kastilien-León sowie weitere Ziele in der Übersicht Europa.