Trøndelag

Trøndelag in Mittelnorwegen ist Geschichte und Küste in einem: Trondheim mit dem Nidarosdom, Norwegens Nationalheiligtum und altem Krönungsort, dem bunten Bakklandet und der alten Stadtbrücke. Dazu die Kupfer-Bergstadt Røros (UNESCO), die spektakuläre Atlantikstraße über das offene Meer und die einsame Kystriksveien-Küstenstraße. Trondheim ist das Ziel des Olavswegs. Bezahlt wird mit der Norwegischen Krone (NOK), nicht mit dem Euro. Beste Reisezeit ist der Sommer von Mai bis September.

Trøndelag ist die Region in der Mitte Norwegens, dort wo das lange Land die Übergangszone zwischen dem dicht besiedelten Süden und dem weiten Norden bildet. Um den tief eingeschnittenen Trondheimfjord breitet sich eine für norwegische Verhältnisse milde, fruchtbare Landschaft aus – die „Kornkammer“ des Nordens –, während die zerklüftete Küste hinaus in ein Labyrinth aus tausenden Inseln und Schären führt. Über allem thront die geschichtsträchtige Stadt Trondheim.
Für Reisende verbindet Trøndelag große Kultur mit unberührter Natur: die tausendjährige Geschichte des Nidarosdoms und der Wikingerkönige, die bewegende Bergwerksstadt Røros und einige der berühmtesten Küstenstraßen des Landes. Gezahlt wird mit der Norwegischen Krone, denn Norwegen ist kein EU-Mitglied, gehört aber zu Schengen. Wie überall im Land sollte man einplanen, dass Restaurants und Alkohol teuer sind – die Landschaft und die Geschichte jedoch sind unbezahlbar.
Lage & Überblick: zwischen Süd und Nord
Trøndelag erstreckt sich beiderseits des Trondheimfjords über eine große Fläche von der schwedischen Grenze im Osten bis zur zerklüfteten Atlantikküste im Westen. Im Landesinneren steigt das Land zu Bergen und Hochebenen an, während die Küste mit ihren zahllosen Inseln und Fischerorten zum Meer hin ausfranst. Der milde Trondheimfjord macht die Region zu einem der wichtigsten Landwirtschaftsgebiete Norwegens.
Geografisch ist Trøndelag das Scharnier des Landes: Hier passiert man auf dem Weg nach Norden die alte Grenze zum „hohen Norden“. Für Reisende ist die Region deshalb oft eine Station auf dem Weg zwischen den Fjorden des Südwestens und Nordnorwegen – ein Etappenziel, das mit Trondheim, Røros und den Küstenstraßen genug für einen eigenen Aufenthalt bietet.
Trondheim — die alte Krönungsstadt
Trondheim, die drittgrößte Stadt Norwegens, wurde 997 vom Wikingerkönig Olav Tryggvason gegründet und war im Mittelalter die erste Hauptstadt des Landes. Bis heute ist sie der Ort, an dem die norwegischen Könige gekrönt beziehungsweise geweiht werden. Die lebhafte Universitätsstadt an der Mündung des Flusses Nidelva verbindet historisches Erbe mit jugendlichem Flair – rund ein Fünftel der Einwohner sind Studierende.
Das Stadtbild prägen breite, nach dem Stadtbrand von 1681 angelegte Straßenzüge, farbenfrohe Holzhäuser und der belebte Marktplatz. Vom Festungsberg Kristiansten reicht der Blick über die Stadt und den Fjord. Trondheim ist zugleich Ausgangs- oder Endpunkt vieler Reisen entlang der Küste und ein Anlaufhafen der Hurtigruten.
Der Nidarosdom — Norwegens Nationalheiligtum
Das Wahrzeichen Trondheims und der ganzen Region ist der Nidarosdom (Nidaros domkirke), die größte mittelalterliche Kirche Skandinaviens und Norwegens Nationalheiligtum. Über dem Grab des heiligen Olav errichtet, der als König Norwegens Christianisierung vorantrieb, wurde die gewaltige gotische Kathedrale mit ihrer prächtigen, figurenreichen Westfassade über Jahrhunderte erbaut und restauriert.
Schon im Mittelalter war der Dom eines der wichtigsten Pilgerziele Nordeuropas. Bis heute führt der Olavsweg (Sankt-Olavs-Weg), ein ausgeschilderter Pilgerpfad, über hunderte Kilometer nach Trondheim. Im Dom werden bei Königsweihen die norwegischen Kronjuwelen gezeigt; ein Aufstieg auf den Turm belohnt mit weitem Blick.
Bakklandet & das alte Trondheim
Am Ostufer der Nidelva liegt mit Bakklandet das malerischste Viertel der Stadt: ein Gewirr enger Gassen mit kleinen, bunt gestrichenen Holzhäusern, in denen heute Cafés, Kunsthandwerk und gemütliche Lokale untergebracht sind. Über den Fluss führt die alte Stadtbrücke Gamle Bybro mit ihren roten Torbögen – das meistfotografierte Motiv Trondheims.
Vom Ufer blickt man auf die Reihe der alten Speicherhäuser (Bryggene), die auf Pfählen direkt über dem Wasser stehen und in warmen Farben leuchten. Ein Bummel durch Bakklandet, ein Kaffee am Fluss und der Blick auf die Speicher gehören zum Schönsten, was Trondheim zu bieten hat.
Røros — die Kupfer-Bergstadt
Hoch im Osten der Region, auf über 600 Metern nahe der schwedischen Grenze, liegt das außergewöhnliche Røros – eine der besterhaltenen Holzstädte Europas und seit 1980 UNESCO-Welterbe. Mehr als 300 Jahre lang, bis 1977, wurde hier Kupfer abgebaut; die dunklen, verwitterten Holzhäuser, die Schlackenhalden und die charakteristische Bergstadtkirche zeugen von dieser Geschichte.
Røros wirkt wie ein lebendiges Freilichtmuseum, ist aber ein bewohnter Ort mit Handwerksbetrieben, Werkstätten und einem berühmten Weihnachtsmarkt. Die raue Hochlandlage sorgt für lange, kalte Winter – die Stadt gehört zu den kältesten Orten Norwegens. Ein Rundgang durch die historischen Gassen versetzt Besucher unmittelbar in die Vergangenheit.
Die Atlantikstraße
An der Küste im Westen der Region verläuft eine der berühmtesten Straßen der Welt: die Atlantikstraße (Atlanterhavsveien). Auf gut acht Kilometern springt sie über eine Kette kleiner Inseln und Schären, verbunden durch kühn geschwungene Brücken – allen voran die berühmte Storseisund-Brücke, die sich wie eine Welle über das offene Meer schwingt.
Als Teil der Nationalen Touristenstraßen ist sie zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis: An ruhigen Tagen ein Panorama aus Meer und Himmel, bei Sturm ein dramatisches Schauspiel, wenn die Wellen über die Fahrbahn schlagen. Rast- und Aussichtsplätze laden zum Anhalten, Fotografieren und Angeln ein.
Die Kystriksveien-Küstenstraße
Nach Norden hin beginnt in Trøndelag die Kystriksveien (Fylkesvei 17), eine der spektakulärsten Küstenstraßen Norwegens. Auf ihrem Weg Richtung Nordland reiht sie mehrere Fährüberfahrten aneinander und führt durch eine stille Landschaft aus Fjorden, Inseln, Gletscherblicken und Fischerdörfern – abseits der Hauptrouten und daher wenig befahren.
Diese Strecke ist etwas für Reisende mit Zeit, die das ursprüngliche, maritime Norwegen suchen. Zusammen mit der Atlantikstraße macht sie Trøndelag zu einem Traumrevier für Roadtrips entlang der Küste – am schönsten im langen hellen Sommer.
Natur: Trollheimen & die Küste
Zwischen Küste und Bergland bietet Trøndelag vielfältige Natur. Das Gebirge Trollheimen im Südwesten gilt als besonders schöne, abwechslungsreiche Wanderlandschaft mit Gipfeln, Seen und einem guten Hüttennetz. Weiter im Landesinneren erstrecken sich weite Wälder und Hochebenen, während die Küste mit ihren Inseln ein Paradies zum Angeln, Paddeln und für Seevogelbeobachtung ist.
Ein besonderes Ziel ist die Insel Hitra und die vorgelagerte Schärenwelt sowie die guten Lachsflüsse der Region, etwa die Gaula und die Orkla, die Angler aus aller Welt anziehen. Auch hier gilt das Jedermannsrecht, das freies Wandern, Zelten und Angeln in der Natur ermöglicht.
Geschichte: Wikinger & Pilger
Trøndelag ist eine der geschichtsträchtigsten Regionen Norwegens. Bei Stiklestad fiel 1030 König Olav in einer Schlacht, deren Nachwirkung – seine Heiligsprechung – Norwegens Weg zum christlichen Königreich prägte; heute erinnert dort ein Kulturzentrum mit Freilichtspielen daran. Auf der Halbinsel Frosta tagte einst das Frostating, eines der ältesten Things (Volksversammlungen) des Landes.
Der Nidarosdom als Grabkirche Olavs machte Trondheim zum religiösen Zentrum des mittelalterlichen Norwegens und zum Ziel der Pilger. Diese Verbindung aus Wikingererbe, Königsgeschichte und Pilgertradition macht die Region zu einem lebendigen Geschichtsbuch – gut erlebbar in den Museen Trondheims und in Stiklestad.
Essen, Trinken & Preise
Trøndelag gilt als eine der besten Küchenregionen Norwegens. Die fruchtbare Landschaft und das Meer liefern erstklassige Zutaten: Lachs und Meeresfrüchte aus den Fjorden, Käse (der berühmte Brauner Käse hat hier eine Hochburg), Wild und Beeren aus dem Hochland. Trondheim hat eine lebendige Restaurantszene, und ein Besuch auf dem Markt oder in einer der Kaffeeröstereien lohnt sich.
Ehrlich gesagt bleibt aber auch Trøndelag ein teures Reiseziel: Restaurantbesuche und Alkohol sind kostspielig, Bier und Wein deutlich teurer als in Deutschland, Spirituosen nur im staatlichen Vinmonopolet. Wer sparen will, nutzt Supermärkte, Bäckereien und Selbstversorgung – gerade auf einem Roadtrip entlang der Küste eine gute Wahl.
Anreise & Mobilität
Trondheim ist gut erreichbar: Der Flughafen Trondheim-Værnes (TRD) wird international angeflogen, die Dovrebahn verbindet Oslo über das Dovrefjell mit Trondheim, und weiter nach Norden führt die Nordlandsbahn. Auch die Hurtigruten und Küstenschiffe laufen Trondheim an.
Für die Küstenstraßen, Røros und die Natur ist ein Mietwagen ideal (Rechtsverkehr; automatische Mautstationen; auf der Kystriksveien mehrere Fähren). Von den Fjorden im Südwesten – siehe Fjordnorwegen – erreicht man Trøndelag über die Atlantikstraße, vom Bergland – siehe Fjell & Gebirge – über die Dovre-Hochebene. Nach Norden schließt die Region an Nordnorwegen an.
Beste Reisezeit
Die beste Reisezeit für Trøndelag ist der Sommer von Mai bis September. Dann sind die Tage lang und hell, die Küstenstraßen und Fähren in vollem Betrieb, und Trondheim zeigt sich mit Straßencafés und Festivals von seiner lebendigsten Seite. Der Hochsommer eignet sich am besten für Roadtrips entlang der Atlantikküste und für Wanderungen im Trollheimen.
Der Frühherbst lockt mit klarer Luft und bunten Wäldern. Der Winter ist im Hochland (besonders in Røros) sehr kalt und schneereich, dafür stimmungsvoll – etwa zur Zeit des Røros-Weihnachtsmarkts. Wer die Küstenstraßen und die Natur erleben will, plant zwischen Juni und August.
Reisetipps & Geheimtipps
Ideal ist eine Kombination aus Stadt und Straße: zwei Tage Trondheim mit Nidarosdom und Bakklandet, ein Abstecher nach Røros und ein Roadtrip über die Atlantikstraße. Wer Zeit hat, folgt der Kystriksveien ein Stück nach Norden – eine der stillsten und schönsten Strecken des Landes.
Ein Geheimtipp ist eine Radtour durch Trondheim, das als fahrradfreundliche Stadt sogar einen eigenen Fahrrad-Aufzug (Trampe) an einem steilen Anstieg besitzt. Für Geschichtsinteressierte lohnt Stiklestad, für Angler die Lachsflüsse Gaula und Orkla. Und wer den Sonnenuntergang sucht, hält an einem der Rastplätze der Atlantikstraße, wenn das Licht das Meer in Gold taucht.
Häufige Fragen
Was ist der Nidarosdom in Trondheim?
Der Nidarosdom ist die größte mittelalterliche Kirche Skandinaviens und Norwegens Nationalheiligtum. Er wurde über dem Grab des heiligen Olav errichtet, war im Mittelalter ein bedeutendes Pilgerziel und ist bis heute der Ort, an dem die norwegischen Könige geweiht werden. Der ausgeschilderte Olavsweg führt als Pilgerpfad dorthin.
Warum ist Røros UNESCO-Welterbe?
Røros ist eine der besterhaltenen Holzstädte Europas und war über 300 Jahre lang eine Kupfer-Bergstadt. Die verwitterten Holzhäuser, Schlackenhalden und die Bergstadtkirche machen den Ort zu einem einzigartigen Zeugnis der Bergbaugeschichte – seit 1980 UNESCO-Welterbe. Røros ist bewohnt und besonders im Winter stimmungsvoll.
Was ist die Atlantikstraße?
Die Atlantikstraße (Atlanterhavsveien) ist eine gut acht Kilometer lange Küstenstraße in Trøndelag, die über eine Kette kleiner Inseln und geschwungene Brücken über das offene Meer führt. Die berühmte Storseisund-Brücke gilt als Wahrzeichen. Bei ruhigem Wetter ein Panorama, bei Sturm ein dramatisches Erlebnis – Teil der Nationalen Touristenstraßen.
Wann ist die beste Reisezeit für Trøndelag?
Am besten ist der Sommer von Mai bis September mit langen hellen Tagen, geöffneten Fähren und lebendigem Stadtleben in Trondheim. Der Hochsommer eignet sich für Roadtrips und Wanderungen. Der Winter ist im Hochland um Røros sehr kalt und schneereich, dafür stimmungsvoll zur Weihnachtszeit.
Zahlt man in Trøndelag mit Euro?
Nein. In ganz Norwegen gilt die Norwegische Krone (NOK), nicht der Euro, da das Land kein EU-Mitglied ist, aber zu Schengen gehört. Bezahlt wird fast überall mit Karte. Man sollte einplanen, dass Restaurants, Fähren und Alkohol teuer sind; Selbstversorgung auf Roadtrips spart deutlich.
Regionale Reiseinformationen bündelt das Portal trondelag.com. Weiter zur Reiseplanung: die Übersicht Norwegen mit allen Regionen, die Nachbarregionen Fjordnorwegen und Fjell & Gebirge im Süden sowie Nordnorwegen, Lofoten & Nordkap im Norden und die Übersicht Europa.