Fjordnorwegen

Fjordnorwegen ist das ikonische Norwegen: tiefe Fjorde zwischen steilen Bergwänden, tosende Wasserfälle und Gletscher. Bergen mit dem UNESCO-Hanseviertel Bryggen ist das Tor zu den Fjorden, der Sognefjord der längste und tiefste, Geirangerfjord und Nærøyfjord gehören zum Welterbe. Dazu die Flåmbahn und die berühmten Wanderungen Preikestolen und Trolltunga. Bezahlt wird mit der Norwegischen Krone (NOK), nicht mit dem Euro. Beste Reisezeit für Fjordtouren ist Mai bis September.

Fjordnorwegen ist das Bild, das die meisten Menschen im Kopf haben, wenn sie an Norwegen denken: schmale, tiefblaue Meeresarme, die sich Dutzende Kilometer zwischen fast senkrechte Bergwände ins Land schieben, an deren Hängen Wasserfälle herabstürzen und winzige Höfe kleben. Diese Landschaft an der Westküste, geformt von Gletschern der Eiszeit, zählt zu den spektakulärsten der Welt – gleich zwei ihrer Fjorde stehen auf der Liste des UNESCO-Weltnaturerbes.
Das Tor zu dieser Welt ist Bergen, die zweitgrößte Stadt Norwegens. Von hier und von den Fjordorten aus erschließen sich die großen Namen: der gewaltige Sognefjord, der postkartenschöne Geirangerfjord, der obstblütenreiche Hardangerfjord und die schmale Passage des Nærøyfjords. Gezahlt wird mit der Norwegischen Krone, denn Norwegen ist kein EU-Mitglied, gehört aber zu Schengen. Und ehrlich gesagt: Diese Schönheit hat ihren Preis, denn Fjordnorwegen ist ein teures Reiseland – doch nur wenige Regionen der Erde bieten dafür so viel.
Lage & Überblick: das Fjordland
Fjordnorwegen erstreckt sich über die Westküste des Landes, grob zwischen Stavanger im Süden und Kristiansund im Norden, und umfasst mehrere Regionen rund um die großen Fjordsysteme. Die zerklüftete Küste mit ihren vorgelagerten Inseln geht landeinwärts in ein Labyrinth aus Fjorden, Bergen und Hochebenen über. Manche Fjorde reichen mehr als 200 Kilometer ins Landesinnere.
Für Reisende bedeutet das eine Landschaft der Superlative, aber auch eine gewisse Weitläufigkeit: Weil Berge und Wasser die Wege bestimmen, geht es hier oft über Fähren, Tunnel und kurvige Straßen. Genau das macht den Reiz aus – jede Fjordfahrt, jede Passhöhe eröffnet neue Ausblicke. Am besten verbindet man ein bis zwei Standorte mit Fjordkreuzfahrten, Panoramabahnen und Wanderungen.
Bergen — Tor zu den Fjorden
Bergen, malerisch zwischen sieben Hügeln und dem Meer gelegen, ist das lebendige Zentrum Westnorwegens und für die meisten der Ausgangspunkt einer Fjordreise. Wahrzeichen ist das Hanseviertel Bryggen am alten Hafen: eine Reihe schmaler, bunter Holzgiebelhäuser aus der Zeit der Hanse, seit 1979 UNESCO-Welterbe und heute voller kleiner Werkstätten und Läden.
Direkt daneben duftet und lärmt der berühmte Fischmarkt, und mit der Standseilbahn Fløibahn geht es hinauf auf den Hausberg Fløyen mit weitem Blick über Stadt und Fjord. Bergen gilt zwar als eine der regenreichsten Städte Europas – Regenschirme gehören zum Stadtbild –, doch gerade das feuchte Licht verleiht ihr Atmosphäre. Von Bergen starten zahlreiche Fjordkreuzfahrten und die Bergensbahn ins Landesinnere.
Der Sognefjord — König der Fjorde
Der Sognefjord ist der längste und tiefste Fjord Norwegens: Über 200 Kilometer reicht er von der Küste bis fast an den Fuß des Gebirges Jotunheimen, an seinen tiefsten Stellen fällt er mehr als 1.300 Meter ab. Man nennt ihn zu Recht den „König der Fjorde“, denn von seinem breiten Hauptarm zweigen zahllose schmalere Seitenfjorde ab.
Einer davon ist der Nærøyfjord, eine nur wenige hundert Meter breite, von 1.700 Meter hohen Wänden gesäumte Passage von märchenhafter Enge – gemeinsam mit dem Geirangerfjord gehört er zum UNESCO-Welterbe. Am Sognefjord liegen sehenswerte Orte wie Balestrand, das Fjordstädtchen Flåm und die mittelalterliche Stabkirche von Urnes, die älteste des Landes und ebenfalls Weltkulturerbe.
Geirangerfjord & das Welterbe
Der Geirangerfjord im Norden der Region ist der berühmteste Fjord Norwegens und ein Sinnbild des Landes schlechthin. Nur 15 Kilometer lang, aber von atemberaubender Dramatik: Steile grüne Wände, verlassene Bergbauernhöfe hoch über dem Wasser und die berühmten Wasserfälle „Die sieben Schwestern“ und „Der Freier“ machen die Fjordfahrt zu einem der großen Reiseerlebnisse.
Erreichbar ist Geiranger über zwei spektakuläre Straßen: die kurvenreiche Adlerkehre (Ørnevegen) mit ihrem berühmten Ausblick und die Passstraße Trollstigen („Trollleiter“) mit elf engen Kehren zwischen tosenden Wasserfällen. Wegen seiner Bekanntheit ist Geiranger im Hochsommer stark besucht und ein häufiger Halt für Kreuzfahrtschiffe – wer Ruhe sucht, kommt früh am Tag oder im Frühsommer.
Der Hardangerfjord — Obstblüte & Wasserfälle
Der Hardangerfjord, der zweitlängste des Landes, ist der sanftere, liebliche unter den großen Fjorden. Seine milden Ufer sind Norwegens Obstgarten: Im Mai verwandelt die Obstblüte von Apfel-, Kirsch- und Pflaumenbäumen die Hänge in ein weißrosa Blütenmeer – eine der schönsten Zeiten für einen Besuch, wenn dazu noch Schnee auf den Gipfeln liegt.
Am Hardangerfjord stürzt mit dem Vøringsfossen einer der spektakulärsten Wasserfälle Norwegens rund 180 Meter in die Måbødal-Schlucht. Von hier ist es nicht weit auf die Hochebene Hardangervidda. Der Fjord ist zudem Ausgangspunkt für eine der berühmtesten Wanderungen des Landes, die Trolltunga.
Die Flåmbahn & Bergensbahn
Zu den großen Erlebnissen Fjordnorwegens gehört die Flåmbahn (Flåmsbana), eine der steilsten Adhäsionsbahnen der Welt. Auf nur 20 Kilometern überwindet sie fast 900 Höhenmeter, vorbei an Wasserfällen und durch enge Kehrtunnel, von der Hochgebirgsstation Myrdal hinunter zum Fjordort Flåm am Sognefjord. Die Fahrt zählt zu den schönsten Bahnstrecken Europas.
Sie ist Teil der klassischen Rundreise „Norwegen in a nutshell“, die Bergensbahn, Flåmbahn, eine Fjordkreuzfahrt auf dem Nærøyfjord und die Busstrecke über den Pass Stalheim kombiniert. Die Bergensbahn selbst führt von Oslo über die kahle Hochebene Hardangervidda nach Bergen und gilt als eine der landschaftlich reizvollsten Zugstrecken des Kontinents.
Wanderungen: Preikestolen, Trolltunga & Kjerag
Fjordnorwegen ist ein Paradies für Wanderer, und drei Ziele sind weltberühmt geworden. Der Preikestolen („Predigtstuhl“) ist eine flache Felskanzel, die 604 Meter senkrecht über dem Lysefjord bei Stavanger aufragt – die Wanderung dauert hin und zurück rund vier Stunden und ist entsprechend beliebt.
Anspruchsvoller ist die Tagestour zur Trolltunga („Trollzunge“) über dem Ringedalsvatnet bei Odda, einer waagerecht aus der Wand ragenden Felszunge – eine lange, fordernde Wanderung, die gute Kondition verlangt. Am Lysefjord thront zudem der Kjerag mit dem berühmten, zwischen zwei Felswänden eingeklemmten Klemmstein Kjeragbolten. Wichtig: Diese Touren sind nur im Sommer (etwa Juni bis September) sicher begehbar und erfordern feste Schuhe, Wetterfestigkeit und Trittsicherheit.
Ålesund & die Küste
Ganz im Norden der Region liegt Ålesund, eine der schönsten Städte Norwegens. Nachdem ein Großbrand 1904 die Stadt zerstört hatte, wurde sie in nur wenigen Jahren geschlossen im damals modernen Jugendstil (Art Nouveau) wieder aufgebaut – ein einzigartiges Ensemble aus Türmchen, Erkern und Ornamenten, das sich über mehrere Inseln verteilt. Vom Aussichtsberg Aksla reicht der Blick über die Stadt und die vorgelagerte Inselwelt.
In der Nähe verbindet die berühmte Atlantikstraße mit ihren kühn geschwungenen Brücken kleine Inseln über das offene Meer – ein Fahrerlebnis besonders bei rauer See. Ålesund ist zugleich ein guter Ausgangspunkt für den Geirangerfjord und die Alpen der Sunnmøre.
Gletscher: der Jostedalsbreen
Zwischen den Fjorden liegt mit dem Jostedalsbreen der größte Gletscher des europäischen Festlands. Von seiner mächtigen Eiskappe stoßen zahlreiche Gletscherzungen in die Täler vor, darunter der oft fotografierte Briksdalsbreen und der Nigardsbreen. Geführte Gletscherwanderungen mit Steigeisen bieten ein eindrucksvolles Erlebnis auf dem ewigen Eis.
Wichtig ist der Respekt vor der Natur: Gletscher sind nur mit erfahrenen Führern zu betreten, und die Zungen ziehen sich infolge des Klimawandels sichtbar zurück. Rund um den Jostedalsbreen-Nationalpark laden zudem türkis schimmernde Gletscherseen und stille Täler zum Wandern ein.
Essen, Trinken & Preise
Die Küche Westnorwegens lebt vom Meer und den Bergen: fangfrischer Lachs und Kabeljau, Fischsuppe nach Bergener Art, im Herbst Lammfleisch von den Fjordhängen und die Früchte des Hardanger, aus denen auch Saft und Apfelwein (Sider) entstehen. Auf dem Bergener Fischmarkt kann man sich durch Meeresfrüchte kosten.
Man sollte aber realistisch bleiben: Fjordnorwegen ist teuer. Restaurantbesuche, Bier und Wein sowie Sprit sind deutlich kostspieliger als in Deutschland, Alkohol über dem Supermarktbier hinaus gibt es nur im staatlichen Vinmonopolet. Wer das Budget schont, nutzt Ferienhütten mit Küche, Campingplätze und die Supermärkte – die grandiose Natur selbst ist zum Glück kostenlos.
Anreise & Mobilität
Fjordnorwegen erreicht man per Flug über die Flughäfen Bergen (BGO), Ålesund oder Stavanger, mit der landschaftlich berühmten Bergensbahn ab Oslo oder mit dem Auto über die Fährverbindungen aus Dänemark. Auch das Hurtigruten-Postschiff und viele Kreuzfahrten laufen die Fjordhäfen an.
Vor Ort ist ein Mietwagen ideal, um flexibel zu sein – allerdings gehören zahlreiche Autofähren, lange Tunnel und automatische Mautstationen (AutoPASS) zum Alltag, und die kurvigen Straßen erfordern Zeit und Ruhe (Rechtsverkehr). Alternativ verbinden gut getaktete Expressboote und Busse die Fjordorte, und Pauschalrouten wie „Norwegen in a nutshell“ nehmen einem die Planung ab. Von Oslo aus ist Bergen mit der Bahn in rund sieben Stunden erreichbar.
Beste Reisezeit
Die beste Zeit für Fjordnorwegen ist der Sommer von Mai bis September. Der Mai bringt Obstblüte am Hardangerfjord und Schmelzwasser, das die Wasserfälle anschwellen lässt; Juni bis August sind mit langen, hellen Tagen ideal für Fjordkreuzfahrten und Panoramabahnen, und die hochalpinen Wanderungen wie Trolltunga sind erst im Hochsommer sicher begehbar.
Der Frühherbst (September) lockt mit klarer Luft, bunten Wäldern und weniger Andrang. Im Winter sind viele Passstraßen (Trollstigen, Teile der Fjordrouten) gesperrt und Wanderungen nicht möglich; dafür zeigen sich die Fjorde dann still und tief verschneit, und Städte wie Bergen behalten ihren Reiz. Wer die berühmten Höhepunkte plant, reist zwischen Juni und August.
Reisetipps & Geheimtipps
Wer die großen Namen ohne die größten Menschenmengen erleben will, meidet die Mittagsstunden, wenn Kreuzfahrt- und Busgruppen eintreffen, und übernachtet direkt an einem Fjord. Statt nur des überlaufenen Geiranger lohnen ruhigere Fjorde wie der Lysefjord, der Nærøyfjord oder der stille Fjærlandsfjord mit seinem Gletschermuseum.
Ein Geheimtipp ist eine Kajaktour auf einem der schmalen Seitenfjorde in der Morgenstille oder die Übernachtung in einem historischen Fjordhotel. Für Fotografen ist das weiche Abendlicht im Frühsommer unschlagbar. Und wer die Region mit dem sonnigen Süden verbinden möchte, kombiniert Fjordnorwegen mit Südnorwegen (Sørlandet).
Häufige Fragen
Welcher ist der schönste Fjord in Norwegen?
Am berühmtesten ist der Geirangerfjord mit seinen Wasserfällen (UNESCO-Welterbe), am größten der Sognefjord als längster und tiefster Fjord. Besonders eng und dramatisch ist der Nærøyfjord, am lieblichsten mit Obstblüte der Hardangerfjord. Welcher der schönste ist, bleibt Geschmackssache – am besten kombiniert man mehrere.
Wann ist die beste Reisezeit für Fjordnorwegen?
Ideal ist die Zeit von Mai bis September. Der Mai bringt Obstblüte und volle Wasserfälle, Juni bis August lange helle Tage für Fjordfahrten und Wanderungen, der September klare Luft und weniger Andrang. Hochalpine Touren wie Trolltunga sind nur im Hochsommer sicher; im Winter sind viele Passstraßen gesperrt.
Wie kommt man von Bergen zu den Fjorden?
Bergen ist das Tor zu den Fjorden: Von hier starten Fjordkreuzfahrten, und die Bergensbahn sowie die Flåmbahn erschließen das Sognefjord-Gebiet. Die klassische Route „Norwegen in a nutshell“ kombiniert Bahn, Fjordschiff und Bus. Mit dem Mietwagen erreicht man die Fjorde über Fähren, Tunnel und kurvige Panoramastraßen.
Zahlt man in Norwegen mit Euro?
Nein. In Norwegen gilt die Norwegische Krone (NOK), nicht der Euro, denn das Land ist kein EU-Mitglied, gehört aber zu Schengen und zum EWR. Bezahlt wird fast überall mit Karte. Fjordnorwegen ist ein teures Reiseland, besonders bei Restaurants, Fähren und Alkohol – die Natur selbst kostet nichts.
Sind die Wanderungen zu Preikestolen und Trolltunga anspruchsvoll?
Der Preikestolen ist mit rund vier Stunden hin und zurück gut machbar und sehr beliebt. Die Trolltunga ist deutlich länger und anstrengender und verlangt gute Kondition. Beide sind nur im Sommer (etwa Juni bis September) sicher begehbar und erfordern feste Schuhe, wetterfeste Kleidung und Trittsicherheit.
Regionale Reiseinformationen bündelt das Portal fjordnorway.com. Weiter zur Reiseplanung: die Übersicht Norwegen mit allen Regionen, die Nachbarregionen Südnorwegen (Sørlandet), das Bergland (Fjell & Gebirge) und Trøndelag im Norden sowie die Übersicht Europa.