Zum Inhalt springen

Umbrien

Illustration der Basilika San Francesco in Assisi über den grünen Hügeln Umbriens

Umbrien gilt als das grüne Herz Italiens: die einzige Region der Halbinsel ohne Meer und Landesgrenze. Berühmt sind Assisi mit der Franziskus-Basilika, das etruskische Perugia, Orvieto mit seinem Dom und die Marmore-Wasserfälle. Gezahlt wird mit dem Euro. Beste Reisezeit sind Frühjahr und Herbst.

Landkarte Umbrien
Landkarte Umbrien

Umbrien (italienisch Umbria) in Mittelitalien ist die einzige Region der Apenninhalbinsel, die weder ans Meer noch an ein anderes Land grenzt. Von sanften Hügeln, Olivenhainen, Eichenwäldern und Weinbergen umschlossen, trägt sie zu Recht den Namen „grünes Herz Italiens“. Wer die Toskana kennt und liebt, findet in Umbrien ihre stillere, ursprünglichere Schwester: eine Landschaft aus mittelalterlichen Bergstädten, Klöstern und Pilgerwegen, in der das Reisetempo von selbst langsamer wird.

Die Region gliedert sich in die beiden Provinzen Perugia und Terni und ist zugleich das spirituelle Zentrum Italiens – Heimat des heiligen Franziskus und der heiligen Klara von Assisi, des heiligen Benedikt aus Nursia und der heiligen Rita von Cascia. Gezahlt wird mit dem Euro, Amtssprache ist Italienisch, und für die Einreise genügt EU-Bürgern der Personalausweis. Innerhalb weniger Autostunden reihen sich hier Kunststädte, Naturwunder und Weingüter dicht aneinander.

Landschaften & grünes Herz Italiens

Umbrien ist ein Land der Hügel und Hochtäler. Im Zentrum breitet sich das fruchtbare Tibertal aus, das der Tiber (Tevere) auf seinem Weg nach Rom durchzieht. Rundum steigen die Ausläufer des Apennins an, überzogen von Steineichen, Olivenhainen und stillen Landgütern. Im Osten bilden die Monti Sibillini an der Grenze zu den Marken ein wildes Hochgebirge mit Gipfeln über 2.400 Metern; auf ihrer Hochebene, dem Piano Grande di Castelluccio, verwandelt sich die Landschaft Ende Juni in ein Blütenmeer aus Linsen, Mohn und Kornblumen – die berühmte fioritura.

Im Südosten liegt die enge, grüne Valnerina, das Tal des Flusses Nera, gesäumt von Bergdörfern und Einsiedeleien. Der Westen wird vom Trasimenischen See geprägt, dem viertgrößten See Italiens, während das Land nach Süden hin zu den Tuffsteinschluchten um Orvieto und Todi abfällt. Diese Vielfalt auf kleinem Raum macht Umbrien zu einem Paradies für Wanderer, Radfahrer und alle, die eine unverstellte Kulturlandschaft suchen.

Perugia – etruskische Hauptstadt

Die Hauptstadt Perugia thront auf einem Hügel und blickt auf eine über 2.500-jährige Geschichte zurück. Schon die Etrusker befestigten die Stadt; von ihnen stammt der wuchtige Etruskerbogen (Arco Etrusco) ebenso wie Reste der antiken Stadtmauer. Das mittelalterliche Herz bildet die Piazza IV Novembre mit der Fontana Maggiore, dem gotischen Dom San Lorenzo und dem mächtigen Palazzo dei Priori, in dem die Nationalgalerie Umbriens (Galleria Nazionale dell’Umbria) die Werke von Perugino und dem jungen Raffael bewahrt.

Perugia ist eine lebendige Universitätsstadt – die traditionsreiche Università degli Studi und die Università per Stranieri (für Ausländer) füllen die Gassen mit jungem Leben. Vom eleganten Corso Vannucci öffnen sich weite Ausblicke über das Umland. Weltberühmt ist die Stadt zudem für ihre Schokolade der Marke Perugina (die Baci-Pralinen stammen von hier) und für zwei große Feste: das Jazzfestival Umbria Jazz im Juli und die Schokoladenmesse Eurochocolate im Herbst.

Assisi & das Erbe des heiligen Franziskus

Assisi, am Hang des Monte Subasio gelegen, ist einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte der Christenheit und aus rosa Kalkstein gebaut. Über der Stadt erhebt sich die zweistöckige Basilika San Francesco (UNESCO-Welterbe), deren Wände mit den weltberühmten Freskenzyklen von Giotto, Cimabue, Simone Martini und Pietro Lorenzetti geschmückt sind – ein Schlüsselwerk am Übergang vom Mittelalter zur Renaissance. Hier ruht der heilige Franziskus, der Gründer des Franziskanerordens und Schutzpatron Italiens.

Doch Assisi ist mehr als eine einzige Kirche: die Basilika Santa Chiara, der Domplatz San Rufino, die römischen Reste am Tempel der Minerva und die Rocca Maggiore über den Dächern erzählen von einer langen Geschichte. In der Ebene unterhalb der Stadt steht die Basilika Santa Maria degli Angeli über der kleinen Portiuncula-Kapelle. Ehrlich gesagt ist Assisi an Wochenenden und zu Festtagen überlaufen – wer die spirituelle Stille sucht, kommt am frühen Morgen oder außerhalb der Hauptsaison.

Orvieto, Spoleto & die Bergstädte

Auf einem senkrechten Tuffsteinfelsen thront Orvieto, überragt von einem der prächtigsten gotischen Dome Italiens: Seine goldglänzende Mosaikfassade und die Fresken der Cappella di San Brizio (von Luca Signorelli) zählen zu den Höhepunkten der Region. Unter der Stadt verbirgt sich eine ganze Welt aus etruskischen Höhlen und Brunnen, allen voran der tiefe Pozzo di San Patrizio mit seiner doppelten Wendeltreppe.

Spoleto im Süden verbindet ein römisches Theater, eine schöne romanische Kathedrale und die kühn über eine Schlucht gespannte Brücke Ponte delle Torri; im Sommer verwandelt das Festival dei Due Mondi die Stadt in eine Bühne für Musik und Theater. Weitere Kleinode sind das mittelalterliche Gubbio mit seinem strengen Palazzo dei Consoli, das aussichtsreiche Todi, das Weinstädtchen Montefalco und Spello, das im Juni seine Gassen mit Blütenteppichen (Infiorate) schmückt.

Kunst & UNESCO-Welterbe

Umbrien hat der Kunstgeschichte Entscheidendes geschenkt. Die Basilika San Francesco in Assisi samt weiterer Franziskaner-Stätten ist als UNESCO-Welterbe eingetragen; ihre Fresken markieren den Beginn einer neuen, menschlicheren Bildsprache in Europa. Die umbrische Malschule um Perugino und den hier ausgebildeten Raffael prägte die Hochrenaissance mit; ihre Werke hängen heute in Perugia, aber auch in kleinen Landkirchen der Region.

Diese Kunst ist in Umbrien kein Museumsstoff, sondern allgegenwärtig – in Klöstern, Wallfahrtskirchen und den bemalten Kapellen abgelegener Dörfer. Ein Besuch der Abtei von Sassovivo bei Foligno oder der romanischen Kirchen um Spoleto zeigt, dass große Kunst hier oft in ländlicher Stille verborgen liegt.

Natur, Wasserfälle & Seen

Das größte Naturschauspiel Umbriens sind die Marmore-Wasserfälle (Cascata delle Marmore) bei Terni: Der von den Römern künstlich angelegte Wasserfall stürzt in drei Stufen rund 165 Meter in die Tiefe und gehört damit zu den höchsten Europas. Er wird zu festen Zeiten geöffnet – ein Blick auf den Fahrplan lohnt sich, denn nur dann rauscht die volle Wassermenge herab.

Der Trasimenische See im Westen lädt zum Baden, Radeln und zu Bootsfahrten auf seine Inseln Isola Maggiore und Isola Polvese ein; an seinen Ufern schlug einst Hannibal die Römer in einer der größten Schlachten der Antike. Wanderer zieht es in den Nationalpark der Monti Sibillini und in die Valnerina zu den Quellgebieten des Flusses Clitunno, den schon antike Dichter besangen. Rund um Norcia und Castelluccio verbindet sich wilde Bergnatur mit der berühmten Linsenblüte.

Spiritualität & Pilgerwege

Kaum eine andere Region ist so eng mit dem christlichen Glauben verbunden. Neben Franziskus und Klara von Assisi wirkten hier der heilige Benedikt von Nursia, Vater des abendländischen Mönchtums, geboren in Norcia, und die heilige Rita von Cascia, deren Wallfahrtsort bis heute Tausende anzieht. Der Fernwanderweg Via di Francesco folgt den Spuren des Heiligen von La Verna über Assisi bis nach Rom und macht Umbrien zu einem Ziel für Pilger und spirituell Suchende aus aller Welt.

Für Reisende bedeutet das eine dichte Folge von Klöstern, Einsiedeleien und stillen Bergkapellen. Ein Aufenthalt in einem Gästehaus eines Konvents oder eine Etappe auf dem Franziskusweg vermittelt eine Ruhe, die im heutigen Italien selten geworden ist.

Anzeige

Kulinarik & Wein

Die umbrische Küche ist erdig, kräftig und bodenständig. Ihr Aushängeschild ist der schwarze Trüffel (tartufo nero) aus Norcia und dem Tal von Spoleto, der über Pasta und Bruschetta gehobelt wird. Die Metzgertradition von Norcia ist so berühmt, dass der Begriff „norcineria“ in ganz Italien für feine Wurst- und Schinkenwaren steht. Dazu kommen Wildschwein (cinghiale), Tauben, die dicke Nudel strangozzi und das exzellente umbrische Olivenöl.

Bei den Weinen glänzt Umbrien mit zwei Namen: dem kraftvollen, dunklen Rotwein Sagrantino di Montefalco, einer der tanninreichsten Rebsorten Italiens, und dem frischen, seit der Antike gekelterten Weißwein Orvieto. Eine Weinprobe auf einem Gut bei Montefalco, verbunden mit Trüffel und Pecorino, gehört zu den schönsten Genusserlebnissen der Region – und ist meist entspannter und günstiger als in der benachbarten Toskana.

Kultur, Feste & Geschichte

Umbriens Geschichte reicht von den Umbrern und Etruskern über die Römer und das Mittelalter bis in die Neuzeit. Zeugen sind die etruskischen Nekropolen um Perugia und Orvieto, die römischen Theater von Spoleto und Gubbio sowie die stolzen Rathauspaläste der mittelalterlichen Stadtstaaten. In Gubbio finden sich auf den Eugubinischen Tafeln die wichtigsten erhaltenen Texte in umbrischer Sprache.

Lebendig wird die Tradition bei den großen Festen: der halsbrecherische Corsa dei Ceri in Gubbio (15. Mai), bei dem Männermannschaften schwere Holzsäulen den Berg hinauftragen, die Calendimaggio in Assisi, das Festival in Spoleto und Umbria Jazz in Perugia. Wer ein solches Fest miterlebt, spürt, wie tief die Vergangenheit im Alltag der Umbrer verankert ist.

Beste Reisezeit

Umbrien ist vor allem im Frühjahr (April bis Juni) und im Herbst (September und Oktober) ein ideales Ziel: mildes Wetter für Städtereisen und Wanderungen, blühende oder golden gefärbte Hügel und weniger Andrang. Ein besonderer Höhepunkt ist die Linsenblüte auf dem Piano Grande von Castelluccio Ende Juni und Anfang Juli sowie die Weinlese im September.

Der Hochsommer kann im Landesinneren heiß werden, dann verspricht der Trasimenische See Abkühlung. Der Winter ist mild, aber in den Bergen schneereich – in den Monti Sibillini wird sogar Ski gefahren. Für Kulturreisende ohne Menschenmassen sind die Nebensaison und die frühen Morgenstunden in Assisi und Orvieto die schönste Wahl.

Anreise & Mobilität

Umbrien liegt zentral und ist gut erreichbar. Der kleine Flughafen Perugia (San Francesco d’Assisi, PEG) wird saisonal aus Europa angeflogen; die größere Auswahl bieten die Flughäfen von Rom (rund zwei Stunden entfernt) und Florenz. Über die Bahnlinie Rom–Florenz sowie regionale Strecken sind Perugia, Assisi, Spoleto und Orvieto gut ans Netz angebunden.

Für die Bergstädte, Weingüter und abgelegenen Täler ist ein Mietwagen die beste Wahl – es herrscht Rechtsverkehr, und die kurvigen Landstraßen gehören zum Erlebnis. Wichtig und ehrlich gesagt eine häufige Kostenfalle: In den Altstädten von Perugia, Assisi und Orvieto gelten verkehrsbeschränkte Zonen (ZTL), die per Kamera überwacht werden. Man parkt daher außerhalb der Mauern und nutzt Rolltreppen, Aufzüge oder die Standseilbahn (in Orvieto) hinauf in die Zentren.

Reisetipps & Geheimtipps

Wer die großen Fresken in Assisi in Ruhe erleben will, plant den Besuch früh am Tag. Als Basis für Rundfahrten eignet sich ein Agriturismo im Tibertal oder bei Montefalco. Abseits der Hauptrouten lohnen das stille Bevagna mit seinen romanischen Kirchen, die Tuffsteinstadt Todi, die von den Erdbeben 2016 gezeichnete, aber lebendige Bergstadt Norcia sowie die Quellen des Clitunno bei Campello.

Ein Geheimtipp für Genießer ist eine Trüffelsuche mit Hund und anschließender Verkostung bei Norcia oder eine Weinprobe in Montefalco. Aktive erwandern die Marmore-Wasserfälle auf beleuchteten Pfaden oder radeln um den Trasimenischen See. Und wer Umbrien wirklich verstehen will, plant Zeit zum Innehalten ein – ein Abendspaziergang durch die Gassen von Spello, wenn die Steine im letzten Licht glühen, ist der eigentliche Luxus dieser Landschaft.

Häufige Fragen


Wann ist die beste Reisezeit für Umbrien?

Ideal sind Frühjahr (April bis Juni) und Herbst (September und Oktober) mit mildem Wetter für Städte, Wanderungen und Weintouren. Ende Juni lockt die Linsenblüte auf dem Piano Grande, im September die Weinlese. Der Hochsommer wird im Landesinneren heiß – dann kühlt der Trasimenische See ab; der Winter ist mild, in den Bergen aber schneereich.


Wie reist man am besten nach Umbrien und vor Ort?

Am bequemsten fliegt man saisonal nach Perugia (PEG) oder über Rom bzw. Florenz an; Perugia, Assisi, Spoleto und Orvieto liegen am Bahnnetz. Für Bergstädte und Weingüter empfiehlt sich ein Mietwagen (Rechtsverkehr). Achtung: In den Altstädten gelten kameraüberwachte Fahrverbotszonen (ZTL) – außerhalb der Mauern parken und mit Rolltreppen oder Seilbahn hinauf.


Was sind die schönsten Reiseziele in Umbrien?

Zu den Höhepunkten zählen Assisi mit der Franziskus-Basilika, das etruskische Perugia, Orvieto mit seinem gotischen Dom, Spoleto und Gubbio, die Marmore-Wasserfälle sowie der Trasimenische See und die Blütenebene von Castelluccio.


Warum heißt Umbrien das grüne Herz Italiens?

Umbrien liegt zentral im Landesinneren und ist die einzige Region ohne Meer- oder Landesgrenze. Von Hügeln, Wäldern, Olivenhainen und Weinbergen umschlossen und reich an Flüssen und Seen, gilt es als grünes, unverbautes Herz Italiens.


Wofür ist Umbrien kulinarisch berühmt?

Umbrien ist bekannt für den schwarzen Trüffel aus Norcia, feine Wurstwaren (norcineria), Wildgerichte, die Nudel strangozzi und exzellentes Olivenöl. Bei den Weinen glänzen der kraftvolle Sagrantino di Montefalco und der frische Weißwein Orvieto; in Perugia lockt zudem die Schokolade.


Wo finde ich offizielle Reiseinformationen zu Umbrien?

Offizielle Auskünfte bündelt die Regione Umbria – Servizio Turismo über das Portal umbriatourism.it. Die Kontaktdaten finden Sie unten auf dieser Seite; einen Überblick über das ganze Land bietet die Italien-Übersicht.


Weiter zur Reiseplanung: die Übersicht Italien, die Nachbarregionen Toskana mit Florenz, Latium mit Rom und die Marken an der Adria sowie weitere Ziele in der Übersicht Europa.

Weitere Informationen zu Umbrien