Piemont

Das Piemont am Fuße der Alpen ist Italiens großes Weinland: Rund um Turin mit der markanten Mole Antonelliana locken die Hügel der Langhe mit Barolo und weißem Trüffel aus Alba, dazu der Lago Maggiore und die Sacri Monti. Gezahlt wird mit dem Euro. Beste Reisezeit ist Mai bis Oktober.

Das Piemont (italienisch Piemonte, „am Fuße der Berge“) liegt im Nordwesten Italiens und wird im Norden und Westen von einem gewaltigen Alpenbogen umrahmt. Es ist eine Region der Gegensätze: die elegante, streng geplante Barockstadt Turin, die sanften Weinhügel der Langhe, stille Bergseen und die höchsten Gipfel der Westalpen. Für Genießer ist das Piemont eines der lohnendsten Reiseziele Italiens – die Heimat von Barolo, weißem Trüffel und der Slow-Food-Bewegung.
Die Region gliedert sich in acht Provinzen rund um die Hauptstadt Turin und reicht vom Gran Paradiso an der Grenze zum Aostatal bis in die Poebene, wo der größte Fluss Italiens seinen Ursprung nimmt. Für Reisende bedeutet das eine seltene Vielfalt: Innerhalb weniger Autostunden gelangt man von den königlichen Schlössern Turins in die Weinberge des Barolo, vom Ufer des Lago Maggiore zu den Gletschern der Alpen. Gezahlt wird mit dem Euro, Amtssprache ist Italienisch, und für die Einreise genügt EU-Bürgern der Personalausweis.
Landschaften & Regionen
Das Piemont bildet ein natürliches Amphitheater: Von drei Seiten umschließen die Alpen die weite Ebene, die sich zum Po hin öffnet. Im Westen ragen die Cottischen und Grajischen Alpen mit dem Gran Paradiso und dem Monviso, dem Quellberg des Po, auf. Nach Süden schließen sich die Weinhügel der Langhe, des Roero und des Monferrato an, ein sanft gewelltes Land aus Reben, Haselnusshainen und Burgdörfern.
Im Norden liegen die stillen Seen und die Reisfelder um Vercelli und Novara, Italiens größtes Anbaugebiet für Reis. Diese Bandbreite – Hochgebirge, Hügelland und feuchte Ebene – macht das Piemont landschaftlich abwechslungsreich und kulinarisch außergewöhnlich reich, denn jede Zone bringt ihre eigenen Spezialitäten hervor.
Turin – Barockstadt & Residenzen
Turin (Torino), erste Hauptstadt des vereinten Italien, ist eine Stadt von strenger Eleganz mit kilometerlangen Arkaden, weiten Plätzen und prachtvollen Kaffeehäusern. Ihr Wahrzeichen ist die hoch aufragende Mole Antonelliana, in der heute das sehenswerte Nationale Kinomuseum untergebracht ist. Das Ägyptische Museum (Museo Egizio) beherbergt die bedeutendste Sammlung altägyptischer Kunst außerhalb Kairos.
Die Stadt war Residenz des Hauses Savoyen, das später über ganz Italien herrschte. Der Palazzo Reale, der Palazzo Madama und die umliegenden Königsresidenzen von Venaria Reale, Stupinigi und Racconigi bilden ein UNESCO-Welterbe von barocker Pracht. Im Dom wird das berühmte Turiner Grabtuch aufbewahrt. Zwischen den Museumsbesuchen lockt die süße Seite Turins: Die Stadt ist die Wiege der Gianduja-Schokolade, aus der später auch die Nuss-Nougat-Creme hervorging.
Langhe, Roero & Monferrato – Italiens Weinland
Südlich von Turin liegt das Herz des piemontesischen Genusses: die Weinhügel der Langhe, des Roero und des Monferrato, seit 2014 als Kulturlandschaft UNESCO-Welterbe. Hier reifen einige der größten Rotweine Italiens. Der Barolo, „König der Weine“, und der elegantere Barbaresco entstehen aus der anspruchsvollen Nebbiolo-Traube, dazu kommen der alltagstaugliche Barbera und Dolcetto sowie der prickelnde Asti Spumante aus der Moscato-Traube.
Über den Reben thronen Burgdörfer wie Barolo, La Morra, Barbaresco und Neive, von deren Aussichtspunkten der Blick über ein Meer von Weinbergen bis zu den Alpen schweift. Eine Kellerführung mit Verkostung auf einem Familiengut gehört zu den schönsten Erlebnissen einer Piemont-Reise – am eindrucksvollsten im Herbst, wenn sich das Laub golden und rot färbt.
Alba, Trüffel & die Slow-Food-Heimat
Zentrum der Langhe ist die Stadt Alba, weltberühmt für den kostbaren weißen Trüffel (Tartufo bianco d’Alba). Jeden Herbst zieht die internationale Trüffelmesse Feinschmecker aus aller Welt an, wenn die knollenartige Delikatesse zu Spitzenpreisen gehandelt wird. Alba ist zugleich Sitz eines der größten Süßwarenkonzerne der Welt – der Duft von Haselnuss und Schokolade liegt oft über der Stadt.
Im nahen Bra wurde 1986 die Slow-Food-Bewegung gegründet, die von hier aus die bewusste, regionale Esskultur weltweit verbreitete. Die Region ist damit nicht nur ein Weinland, sondern das kulinarische Gewissen Italiens. Wer im Herbst reist, sollte einen der zahlreichen Trüffel- und Weinmärkte einplanen.
Seen: Lago Maggiore & Ortasee
Im Norden hat das Piemont Anteil an den Oberitalienischen Seen. Am Westufer des Lago Maggiore liegt das mondäne Stresa, von dem aus die Borromäischen Inseln erschlossen werden: die palastgekrönte Isola Bella mit ihren barocken Terrassengärten, die Fischerinsel Isola dei Pescatori und die grüne Isola Madre. Prachtvolle Villen und subtropische Gärten säumen das Ufer.
Ein Geheimtipp ist der kleinere, romantische Ortasee (Lago d’Orta) mit dem verträumten Städtchen Orta San Giulio und der vorgelagerten Klosterinsel San Giulio. Er gilt als einer der stillsten und stimmungsvollsten Seen Oberitaliens – ideal für alle, die den Trubel des Lago Maggiore meiden möchten.
Kunst & UNESCO-Welterbe
Das Piemont trägt gleich mehrere UNESCO-Titel: die Residenzen des Hauses Savoyen in und um Turin, die Weinlandschaft von Langhe-Roero und Monferrato sowie die Sacri Monti – heilige Berge mit Kapellen- und Wallfahrtsanlagen aus dem 16. und 17. Jahrhundert, etwa der Sacro Monte von Varallo oder Orta. Dazu kommen prähistorische Pfahlbauten am Alpenrand.
Diese Vielfalt spiegelt die Geschichte der Region als Kernland der Savoyer wider, unter denen Turin zu einer der elegantesten Barockstädte Europas ausgebaut wurde. Von hier ging im 19. Jahrhundert die italienische Einigung (Risorgimento) aus – das Piemont ist damit auch die politische Wiege des modernen Italien.
Berge, Natur & Wintersport
Der Westen des Piemont gehört den Alpen. Der Nationalpark Gran Paradiso, Italiens ältester Nationalpark, schützt Steinböcke, Gämsen und eine grandiose Hochgebirgslandschaft. Die Skigebiete der Via Lattea um Sestriere, Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2006, locken im Winter Skifahrer, im Sommer Wanderer und Mountainbiker.
Auch die Täler des Susa- und des Pellice-Tals, das piemontesische Waldensertal, sowie die stillen Seitentäler der Maritimen Alpen im Süden bieten unberührte Natur. Wer Berge und Wein verbinden möchte, findet im Piemont beides in unmittelbarer Nähe.
Kulinarik & Wein
Die piemontesische Küche gilt vielen als die feinste Italiens – reich, herzhaft und stark von Frankreich beeinflusst. Klassiker sind der warme Sardellen-Knoblauch-Dip Bagna Càuda, in den man Gemüse tunkt, die zarten Pastataschen Agnolotti del plin, das geschmorte Rind in Barolo (Brasato al Barolo) und im Herbst Gerichte mit weißem Trüffel. Aus Haselnüssen und Schokolade entstehen Turins berühmte Gianduiotti-Pralinen und die Torte Torta di Nocciole.
Beim Wein spielt das Piemont in der absoluten Weltspitze: Barolo, Barbaresco, Barbera, Dolcetto, Gavi und Asti Spumante decken die ganze Bandbreite von schweren Rotweinen bis zu prickelndem Dessertwein ab. Dazu passt der Käse Castelmagno und Bra. Eine Genussreise durch das Piemont verbindet Weingut, Trüffelmarkt und Sterneküche wie kaum eine andere Region.
Beste Reisezeit
Das Piemont lohnt sich von Mai bis Oktober am meisten, doch der Herbst (September und Oktober) ist die Königszeit: Dann fallen Weinlese (vendemmia) und Trüffelsaison zusammen, die Hügel leuchten in Herbstfarben, und die Trüffel- und Weinmärkte haben Hochsaison. Das Frühjahr bringt mildes Wetter und blühende Wiesen, ideal für Wanderungen und Städtebesuche.
Der Hochsommer kann in der Poebene heiß und schwül werden – dann sind die Seen und die Bergtäler die angenehmere Wahl. Der Winter bietet in den Alpen um Sestriere beste Skiverhältnisse, während Turin mit Museen, Kaffeehäusern und der weihnachtlichen Lichterkunst (Luci d’Artista) ganzjährig reizvoll bleibt.
Anreise & Mobilität
Das Piemont ist gut erreichbar. Der Flughafen Turin (TRN) wird direkt angeflogen; für größere Auswahl bieten sich die nahen Flughäfen von Mailand an. Über das Hochgeschwindigkeitsnetz (Frecce, Italo) ist Turin in rund einer Stunde mit Mailand und in etwa vier Stunden mit Rom verbunden; auch aus Frankreich führen Bahnverbindungen durch die Alpen.
Turin selbst erkundet man gut zu Fuß, mit Straßenbahn und einer automatischen Metro. Für die Weinhügel, die Seen und die Bergtäler ist ein Mietwagen die beste Wahl (Rechtsverkehr). Wie überall in Italien gilt: In den Altstädten – auch in Turin – gibt es kameraüberwachte Fahrverbotszonen (ZTL); wer außerhalb parkt und die Zentren zu Fuß erkundet, vermeidet Bußgelder.
Reisetipps & Geheimtipps
Wer das Ägyptische Museum und die Königsresidenzen Turins besuchen möchte, plant genug Zeit ein und bucht Tickets in der Hauptsaison vorab. Als Basis für die Weinregion eignet sich ein Agriturismo in den Langhe, von dem aus sich Barolo, Barbaresco und Alba bequem erkunden lassen. Abseits der Hauptrouten lohnen der stille Ortasee, das Reisland um Vercelli und die Sacri Monti.
Ein Geheimtipp für Genießer ist eine Kellerführung mit Verkostung in La Morra oder Barbaresco, verbunden mit einem Besuch eines herbstlichen Trüffelmarkts in Alba. Für Aktive bietet sich eine Wanderung im Gran Paradiso oder eine Radtour durch die Weinhügel an. Und wer das Piemont wirklich genießen will, nimmt sich Zeit für ein langes Mittagessen mit lokalem Wein – hier ist das Essen die eigentliche Sehenswürdigkeit.
Häufige Fragen
Wann ist die beste Reisezeit für das Piemont?
Am lohnendsten ist Mai bis Oktober, wobei der Herbst (September und Oktober) mit Weinlese und weißem Trüffel besonders reizvoll ist. Das Frühjahr eignet sich für Städte und Wanderungen, der Winter für Skifahren um Sestriere. Der Hochsommer wird in der Poebene heiß – dann sind Seen und Berge angenehmer.
Wie reist man am besten ins Piemont und vor Ort?
Am bequemsten fliegt man nach Turin (TRN) oder über die Mailänder Flughäfen; Turin liegt am Hochgeschwindigkeitsnetz nach Mailand und Rom. Die Stadt erkundet man zu Fuß, per Tram und Metro. Für Weinhügel, Seen und Berge empfiehlt sich ein Mietwagen – in den Altstädten auf die Fahrverbotszonen (ZTL) achten.
Was sind die schönsten Reiseziele im Piemont?
Zu den Höhepunkten zählen Turin mit Mole Antonelliana, Ägyptischem Museum und den Königsresidenzen, die Weinhügel der Langhe rund um Barolo und Alba, der Lago Maggiore mit den Borromäischen Inseln, der stille Ortasee sowie die Sacri Monti und der Gran Paradiso.
Wofür ist das Piemont kulinarisch berühmt?
Das Piemont ist Italiens großes Wein- und Genussland: Barolo, Barbaresco und Asti Spumante, der weiße Trüffel aus Alba, die Gianduja-Schokolade aus Turin sowie Gerichte wie Bagna Càuda und Agnolotti. In Bra wurde die Slow-Food-Bewegung gegründet.
Wie viele Tage sollte man für das Piemont einplanen?
Für Turin lohnen zwei bis drei Tage. Eine Rundreise mit den Weinhügeln der Langhe und dem Lago Maggiore ist mit sieben bis zehn Tagen gut machbar; wer die Alpen und den Gran Paradiso ergänzen möchte, plant rund zwei Wochen ein.
Wo finde ich offizielle Reiseinformationen zum Piemont?
Offizielle Auskünfte bündelt die regionale Tourismusagentur VisitPiemonte (DMO Piemonte) über das Portal visitpiemonte.com. Die Kontaktdaten finden Sie unten auf dieser Seite; einen Überblick über das ganze Land bietet die Italien-Übersicht.
Weiter zur Reiseplanung: die Übersicht Italien, die Nachbarregionen Lombardei mit Mailand, Ligurien mit der Riviera, das Aostatal mit dem Montblanc und Emilia-Romagna mit Bologna sowie weitere Ziele in der Übersicht Europa.