Apulien

Apulien bildet den Absatz des italienischen Stiefels: die kegeldachigen Trulli von Alberobello, die Barockstadt Lecce, das weiße Ostuni, der bewaldete Gargano und die traumhaften Strände des Salento. Hauptstadt ist die Hafenstadt Bari. Gezahlt wird mit dem Euro; beste Reisezeit ist April bis Oktober.

Apulien (italienisch Puglia) im Südosten Italiens bildet den Absatz und Sporn des Stiefels und ist eine Region langer Küsten, endloser Olivenhaine und einzigartiger Architektur. Zwischen Adria und Ionischem Meer reihen sich weiße Städte, kegeldachige Trulli und üppige Barockfassaden aneinander. Lange galt Apulien als Geheimtipp – heute ist es eines der beliebtesten Reiseziele Süditaliens, das Kultur, Strand und Kulinarik auf authentische Weise verbindet.
Die Region gliedert sich in sechs Provinzen rund um die Hafenstadt Bari und erstreckt sich über fast 400 Kilometer von der Gargano-Halbinsel im Norden bis zur Spitze des Salento im Süden. Für Reisende bedeutet das eine seltene Vielfalt: Innerhalb weniger Autostunden gelangt man von den Trulli der Valle d’Itria zu den Traumstränden des Salento oder in die Wälder des Gargano. Gezahlt wird mit dem Euro, Amtssprache ist Italienisch, und für die Einreise genügt EU-Bürgern der Personalausweis.
Landschaften & Regionen
Apulien ist überwiegend flach bis sanft hügelig und das Land mit den meisten Sonnenstunden Italiens. Prägend ist das Meer: An der Adriaküste im Osten und der Ionischen Küste im Süden wechseln sich Felsklippen, Grotten und feine Sandstrände ab. Im Landesinneren erstreckt sich die Kalkhochebene der Murgia, im Norden die weite Ebene des Tavoliere, Italiens zweitgrößte Ebene und eine Kornkammer des Landes.
Das unverwechselbare Bild Apuliens aber schaffen die Olivenhaine: Millionen teils jahrhundertealter, knorriger Olivenbäume überziehen das Land, das zu den größten Olivenölproduzenten der Welt zählt. In Teilen des Salento hat das Bakterium Xylella viele Altbäume absterben lassen – ein ehrlicher Hinweis, der die tiefe Verbundenheit der Region mit ihren Olivenbäumen nur unterstreicht.
Bari – Hauptstadt & Basilika San Nicola
Die Hauptstadt Bari ist eine lebendige Hafenstadt mit zwei Gesichtern. In der verwinkelten Altstadt Bari Vecchia wird auf offener Straße Orecchiette-Pasta von Hand gedreht, und in der Basilika San Nicola ruhen die Gebeine des heiligen Nikolaus – ein bedeutender Wallfahrtsort für katholische wie orthodoxe Christen. Die elegante Neustadt mit ihren schachbrettartigen Straßen und der Uferpromenade zeigt das moderne, weltoffene Apulien.
Bari ist ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge und dank Flughafen und Fährhafen zugleich das wichtigste Tor der Region. Von hier starten Fähren nach Griechenland, Albanien und Kroatien. Wer authentisches Straßenleben und gutes Essen sucht, sollte der oft unterschätzten Stadt mindestens einen Tag widmen.
Alberobello & die Trulli
Weltberühmt sind die Trulli von Alberobello – runde Häuser aus trocken geschichtetem Kalkstein mit kegelförmigen Dächern, die es in dieser Dichte nirgendwo sonst gibt. Ganze Stadtviertel bestehen aus diesen Bauten, die als UNESCO-Welterbe geschützt sind und auf deren Kegeln oft weiß aufgemalte Symbole prangen. Der Anblick der Trulli-Gassen wirkt wie aus einem Märchen.
Alberobello ist tagsüber stark besucht; wer den Ort in Ruhe erleben will, kommt am frühen Morgen oder abends. Trulli finden sich auch verstreut in der ganzen umliegenden Valle d’Itria, wo man in liebevoll restaurierten Exemplaren sogar übernachten kann – ein besonderes Erlebnis abseits der Menschenmengen.
Ostuni, Locorotondo & das Valle d’Itria
Das Valle d’Itria ist Apuliens malerischstes Hügelland, übersät mit Trulli, Weinbergen und weißen Städtchen. Über allem thront Ostuni, die „weiße Stadt“ (Città Bianca), deren kalkgetünchte Altstadt schon von Weitem auf ihrem Hügel leuchtet. Ein Bummel durch ihre steilen Gassen mit Blick über die Olivenhaine bis zum Meer gehört zu den schönsten Erlebnissen Apuliens.
Weitere Perlen sind das kreisrund angelegte Locorotondo, das barocke Martina Franca und Cisternino mit seinen Metzgereien, in denen man das Gekaufte gleich grillen lässt. Die kurzen Wege machen das Tal ideal für eine Rundreise mit dem Mietwagen.
Lecce & der Salento – Barock des Südens
Im Süden liegt der Salento, die Spitze des Absatzes, mit seiner glanzvollen Hauptstadt Lecce. Ihr überschwänglicher „Barocco Leccese“ aus weichem, honigfarbenem Kalkstein hat der Stadt den Beinamen „Florenz des Südens“ eingetragen. Die Basilica di Santa Croce, der Domplatz und das gut erhaltene römische Amphitheater machen Lecce zu einer der schönsten Barockstädte Italiens.
Der Salento pflegt eine eigene, fast griechische Identität: In einigen Dörfern wird noch das altgriechische Griko gesprochen, und die mitreißende Volksmusik der Pizzica (Tarantella) erklingt bei sommerlichen Festen. Die Region ist ländlich, sonnendurchglüht und herzlich – Süditalien in Reinkultur.
Salento-Küsten: Gallipoli, Otranto & Traumstrände
Die Küsten des Salento gehören zu den schönsten Italiens. An der Ionischen Seite lockt Gallipoli mit seiner Inselaltstadt und langen Sandstränden, ganz im Süden liegen die karibisch anmutenden Traumstrände von Pescoluse (die „Malediven des Salento“) und die Landspitze Santa Maria di Leuca, wo Adria und Ionisches Meer aufeinandertreffen.
An der Adriaseite ist Otranto, die östlichste Stadt Italiens, ein Höhepunkt: mit einer wehrhaften Altstadt, einem Dom voller Bodenmosaike und der türkisen Bucht. Ehrlich gesagt sind diese Küsten im August, wenn auch die Italiener Urlaub machen, sehr voll und die Preise hoch – Juni und September bieten dieselben Strände in deutlich entspannterer Atmosphäre.
Gargano, Tremiti-Inseln & Castel del Monte
Ganz im Norden ragt die bewaldete Halbinsel Gargano – der „Sporn“ des Stiefels – ins Meer. Ihr gleichnamiger Nationalpark schützt den urwüchsigen Foresta Umbra und eine Küste aus weißen Kalkklippen, Grotten und Buchten um die Orte Vieste und Peschici. Vorgelagert liegen die Tremiti-Inseln, ein Meeresschutzgebiet mit klarem Wasser, ideal zum Schnorcheln.
Im Landesinneren thront rätselhaft das achteckige Castel del Monte, das Jagdschloss Kaiser Friedrichs II. aus dem 13. Jahrhundert und UNESCO-Welterbe. Seine strenge geometrische Form fasziniert bis heute. Auch die Kathedralen des apulisch-romanischen Stils, etwa in Trani am Meer, zählen zu den Höhepunkten der Region.
Kunst & UNESCO-Welterbe
Apulien besitzt gleich mehrere UNESCO-Titel: die Trulli von Alberobello, das staufische Castel del Monte sowie den Gargano als Teil des transnationalen Welterbes alter Buchenwälder. Dazu kommt ein außergewöhnlich reiches Erbe an romanischen Kathedralen, barocken Kirchen und antiken Stätten wie dem messapischen und römischen Egnazia.
Diese Vielfalt erzählt von einer Lage am Kreuzweg des Mittelmeers: Griechen, Römer, Byzantiner, Normannen, Staufer und Spanier haben hier ihre Spuren hinterlassen. Kaum eine Region Italiens vereint so viele kulturelle Einflüsse in ihrer Architektur.
Kulinarik & Wein
Die apulische Küche ist bäuerlich, gemüsereich und großartig – die berühmte cucina povera, die aus wenigen Zutaten viel macht. Ihr Wahrzeichen sind die ohrenförmigen Orecchiette, klassisch mit Stängelkohl (cime di rapa). Dazu kommen die Burrata aus Andria, die Fladenbrote und gefüllten Taschen (Panzerotti, Puccia), reichlich frisches Gemüse, Hülsenfrüchte und Fisch – alles veredelt mit dem exzellenten Olivenöl der Region.
Auch beim Wein hat Apulien enorm aufgeholt: Die kräftigen Rotweine Primitivo (aus Manduria) und Negroamaro aus dem Salento genießen heute internationalen Ruf, dazu kommen frische Roséweine. Eine Verkostung auf einem Weingut, kombiniert mit Burrata und frischem Brot, ist purer Genuss – Apulien schmeckt so ehrlich, wie es ist.
Beste Reisezeit
Apulien lohnt sich von April bis Oktober. Für Kultur, Radtouren und die Erkundung der weißen Städte sind Frühjahr und Herbst ideal: angenehme Temperaturen, blühende Landschaft und wenig Andrang. Im Frühjahr ist die Natur besonders grün, im Oktober beginnt die Olivenernte, ein guter Zeitpunkt für Genussreisen.
Für einen Badeurlaub an den Stränden des Salento und des Gargano eignen sich Juni bis September. Ehrlich gesagt wird der Hochsommer im Süden sehr heiß und der August ist wegen der italienischen Ferien überlaufen und teuer – wer kann, reist im Juni oder September. Der milde Winter eignet sich für ruhige Städtereisen, viele Badeorte sind dann jedoch im Ruhemodus.
Anreise & Mobilität
Apulien ist gut erreichbar. Die Flughäfen Bari (BRI) und Brindisi (BDS) werden direkt angeflogen und decken den Norden bzw. den Salento ab. Über das Bahnnetz ist Bari mit dem Hochgeschwindigkeitszug an Rom, Neapel und Bologna angebunden; innerhalb der Region ergänzen Regionalbahnen (auch private wie die Ferrovie del Sud Est) das Angebot.
Für die Trulli-Dörfer, die Küsten und das weite Land ist ein Mietwagen praktisch unverzichtbar (Rechtsverkehr), da viele Orte und Strände mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht erreichbar sind. In den Altstädten von Bari, Lecce und Ostuni gelten kameraüberwachte Fahrverbotszonen (ZTL) – wer außerhalb parkt und zu Fuß erkundet, vermeidet Bußgelder.
Reisetipps & Geheimtipps
Als Basis eignen sich ein Trullo in der Valle d’Itria oder eine Masseria, ein traditionelles Landgut, von dem aus sich Trulli, weiße Städte und Küsten erkunden lassen. Alberobello besucht man am besten früh oder spät, um den Reisebussen auszuweichen. Für Genießer lohnt eine Verkostung von Olivenöl und Primitivo direkt beim Erzeuger.
Ein Geheimtipp ist der stille Norden mit dem Gargano und den Tremiti-Inseln, weit weg vom Salento-Trubel, sowie die romanischen Kathedralen von Trani und Bitonto. Für Kulturfans lohnt ein Sommerabend mit Pizzica-Musik im Salento. Und wer Apulien wirklich schmecken will, lässt sich in Bari Vecchia zeigen, wie die Orecchiette von Hand gedreht werden – herzlicher empfängt einen keine Region Italiens.
Häufige Fragen
Wann ist die beste Reisezeit für Apulien?
April bis Oktober ist ideal. Für Kultur und die weißen Städte eignen sich Frühjahr und Herbst mit angenehmen Temperaturen und wenig Andrang; für Badeurlaub an den Stränden des Salento und Gargano die Monate Juni bis September. Der August ist sehr heiß, überlaufen und teuer – Juni und September sind entspannter.
Wie reist man am besten nach Apulien und vor Ort?
Am bequemsten fliegt man nach Bari (BRI) für den Norden oder Brindisi (BDS) für den Salento; Bari ist zudem per Hochgeschwindigkeitszug an Rom und Neapel angebunden. Für Trulli-Dörfer, Küsten und das weite Land ist ein Mietwagen praktisch unverzichtbar. In den Altstädten auf die Fahrverbotszonen (ZTL) achten.
Was sind die schönsten Reiseziele in Apulien?
Zu den Höhepunkten zählen die Trulli von Alberobello, die Barockstadt Lecce, das weiße Ostuni und das Valle d’Itria, die Salento-Küsten mit Gallipoli und Otranto, die Halbinsel Gargano mit den Tremiti-Inseln, das Castel del Monte sowie die Hafenstadt Bari.
Was sind Trulli und wo findet man sie?
Trulli sind runde Häuser aus trocken geschichtetem Kalkstein mit kegelförmigen Dächern, die einzigartig für Apulien sind. In größter Dichte stehen sie im UNESCO-geschützten Alberobello, verstreut aber auch in der ganzen Valle d’Itria, wo man in restaurierten Trulli sogar übernachten kann.
Wofür ist Apulien kulinarisch berühmt?
Apulien steht für bäuerliche cucina povera: die ohrenförmigen Orecchiette mit Stängelkohl, die cremige Burrata aus Andria, viel Gemüse, Fisch und exzellentes Olivenöl. Bei den Weinen genießen die kräftigen Rotweine Primitivo und Negroamaro aus dem Salento internationalen Ruf.
Wo finde ich offizielle Reiseinformationen zu Apulien?
Offizielle Auskünfte bündelt die regionale Tourismusagentur Pugliapromozione über das Portal viaggiareinpuglia.it. Die Kontaktdaten finden Sie unten auf dieser Seite; einen Überblick über das ganze Land bietet die Italien-Übersicht.
Weiter zur Reiseplanung: die Übersicht Italien, die Nachbarregionen Basilikata mit Matera, Kampanien mit Neapel, Molise und Kalabrien an der Stiefelspitze sowie weitere Ziele in der Übersicht Europa.