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Abruzzen

Illustration des Gran-Sasso-Massivs mit der Bergfestung Rocca Calascio in den Abruzzen

Die Abruzzen sind Italiens wildes, grünes Gebirgsland östlich von Rom: Die Nationalparks Gran Sasso und Majella schützen Bären, Wölfe und Gämsen, während die Trabocchi-Küste die Adria säumt. Höhepunkte sind die Bergfestung Rocca Calascio, L’Aquila und Pescara. Gezahlt wird mit dem Euro; beste Reisezeit ist das Sommerhalbjahr.

Landkarte Abruzzen
Landkarte Abruzzen

Die Abruzzen (italienisch Abruzzo) östlich von Rom gelten als das grünste Gebirgsland Italiens – oft „die grünste Region Europas“ genannt, weil rund ein Drittel ihrer Fläche unter Naturschutz steht. Hier ragt der höchste Teil des Apennins auf, hier leben die letzten Braunbären der Halbinsel, und hier reicht das Land binnen einer Stunde vom Zweitausender bis an den Adriastrand. Die Abruzzen sind Italiens große, noch wenig entdeckte Wildnis.

Die Region gliedert sich in vier Provinzen rund um die Bergstadt L’Aquila. Für Reisende bedeutet das eine seltene Bandbreite: schneebedeckte Gipfel und Hochplateaus, mittelalterliche Bergdörfer, Eremitagen und Burgen, dazu eine Küste mit malerischen Pfahlbau-Fischerhütten. Gezahlt wird mit dem Euro, Amtssprache ist Italienisch, und für die Einreise genügt EU-Bürgern der Personalausweis.

Landschaften – Berge, Hochebenen und Adria

Die Abruzzen sind vor allem Gebirge. Von Nordwesten nach Südosten durchziehen drei große Massive das Land: der Gran Sasso d’Italia mit dem Corno Grande (2.912 m), dem höchsten Gipfel des Apennins, die weitläufige Majella und die Berge der Laga. Zwischen ihnen liegen weite Hochebenen und Karstlandschaften, die an Zentralasien erinnern.

Nach Osten fällt das Land in sanften Hügeln zur Adria ab, wo sich nördlich sandige Strände und südlich die felsige Trabocchi-Küste abwechseln. Dieser Gegensatz von Hochgebirge und Meer prägt jede Reise: Am Morgen wandert man durch alpine Blumenwiesen, am Nachmittag badet man im Adriatischen Meer. Ehrlich gesagt ist genau diese Weite und Wildheit der Grund, warum die Abruzzen anders sind als das liebliche Mittelitalien der Postkarten.

Gran Sasso & Campo Imperatore

Das Herzstück der abruzzesischen Bergwelt ist der Gran Sasso und die zu seinen Füßen liegende Hochebene Campo Imperatore – eine baumlose, 27 Kilometer lange Weite auf rund 1.800 Metern, die wegen ihrer kargen Schönheit „Klein-Tibet“ genannt wird. Hier grasen Pferde und Schafe frei, hier wurde Mussolini 1943 gefangen gehalten und befreit, und hier drehte das Kino immer wieder Western- und Fantasyfilme.

Eine Seilbahn führt hinauf zum Plateau, das im Sommer ein Wander- und Sternbeobachtungsparadies und im Winter ein Skigebiet ist. Der Anstieg auf den Corno Grande, der kleine Gletscher Calderone (der südlichste Europas) und die endlosen Ausblicke machen den Gran Sasso zu einem der eindrucksvollsten Bergerlebnisse Italiens.

Nationalparks & wilde Tierwelt

Drei große Schutzgebiete machen die Abruzzen zu Italiens Wildnis: der Nationalpark Abruzzen, Latium und Molise (einer der ältesten des Landes), der Nationalpark Gran Sasso e Monti della Laga und der Nationalpark der Majella. In ihren Wäldern und Hochtälern leben der seltene marsikanische Braunbär, der Apenninwolf, Steinadler und die Abruzzen-Gämse – Tierarten, die man sonst nirgends in Mitteleuropa auf so engem Raum antrifft.

Rund um Orte wie Pescasseroli und Civitella Alfedena erschließen gut markierte Wege und Besucherzentren diese Natur. Beobachtungen der scheuen Tiere gelingen am ehesten in der Dämmerung und mit erfahrenen Wanderführern. Der Schutz des kleinen Bärenbestands ist ein europaweit bedeutendes Naturschutzprojekt – ein Grund, sich in den Parks rücksichtsvoll zu verhalten.

L’Aquila & der Wiederaufbau

Die Regionalhauptstadt L’Aquila liegt auf 720 Metern in einem Talkessel unter dem Gran Sasso. Die stolze mittelalterliche Stadt wurde beim schweren Erdbeben von 2009 verheerend getroffen und wird seither aufwendig restauriert. Wer heute kommt, erlebt eine Stadt im Aufbruch: Viele Kirchen und Paläste erstrahlen wieder, Gerüste und lebendige Baustellen gehören zum Bild, und das studentische Leben ist zurückgekehrt.

Wahrzeichen sind die Renaissance-Basilika Santa Maria di Collemaggio mit ihrer rosa-weißen Marmorfassade und der Fontana delle 99 Cannelle, ein Brunnen mit 99 Wasserspeiern, der an die 99 Burgen erinnert, aus denen die Stadt der Sage nach gegründet wurde. Ein Besuch L’Aquilas ist ehrlich, bewegend und ein Zeichen des Respekts vor der Widerstandskraft der Abruzzesen.

Bergdörfer & Burgen

Über die Abruzzen verstreut liegen einige der schönsten Bergdörfer Italiens. Hoch über dem Tal thront die Rocca Calascio, eine der höchstgelegenen Burgen Italiens (1.460 m) und Kulisse zahlreicher Filme – bei Sonnenuntergang ein magischer Ort. Direkt darunter liegt Santo Stefano di Sessanio, ein liebevoll wiederbelebtes Renaissance-Dorf, das als „albergo diffuso“ (über den Ort verteiltes Hotel) neues Leben gefunden hat.

Weitere Kleinode sind das ummauerte Castel del Monte, Pacentro in den Bergen der Majella und die vielen borghi, die auf der Liste der „schönsten Dörfer Italiens“ stehen. In ihnen ist die Zeit stehen geblieben – Steinhäuser, enge Gassen, weite Blicke und eine Gastfreundschaft, die man so nur in abgelegenen Bergregionen findet.

Die Trabocchi-Küste & Pescara

An der südlichen Adriaküste zieht sich die Costa dei Trabocchi entlang, benannt nach den Trabocchi – bizarren hölzernen Fischerstegen, die auf Stelzen ins Meer ragen und einst zum Fischfang dienten. Viele sind heute restauriert und beherbergen kleine Fischrestaurants, in denen man über den Wellen speist. Ein stillgelegter Bahndamm ist zum beliebten Radweg (Via Verde) umgebaut worden, der Buchten, Felsen und Pinienwälder verbindet.

Größte Küstenstadt ist das lebhafte Pescara, Geburtsort des Dichters Gabriele D’Annunzio, mit langem Sandstrand, Promenade und quirligem Nachtleben. Von hier aus lassen sich die Trabocchi-Küste und das gebirgige Hinterland gleichermaßen erkunden – ein Kontrast, der die Abruzzen so besonders macht.

Kultur, Geschichte & Klöster

Die Geschichte der Abruzzen reicht von den italischen Bergvölkern über die Römer bis in die Zeit des Königreichs Neapel. In Sulmona, der eleganten Stadt im Peligna-Tal, wurde der römische Dichter Ovid geboren; ihre Kirchen und das Aquädukt zeugen von langer Blüte. Über das ganze Land verteilt liegen einsame Klöster und Eremitagen – etwa die in die Felswand der Majella gebaute Einsiedelei San Bartolomeo oder die Abtei San Clemente a Casauria.

Diese Verbindung von Bergnatur und tiefer Frömmigkeit prägt die Abruzzen bis heute. Papst Coelestin V., der berühmte „Papst des großen Verzichts“, lebte hier als Einsiedler, bevor er 1294 in L’Aquila gekrönt wurde – ein Ereignis, an das die Stadt bis heute mit der Perdonanza erinnert.

Wintersport & Bergsommer

Die Abruzzen sind Mittelitaliens wichtigstes Wintersportgebiet. Skiorte wie Roccaraso, Ovindoli, Campo Felice und Campo Imperatore bieten von Dezember bis März Pisten in erstaunlicher Höhe und Schneesicherheit – und das nur wenige Autostunden von Rom entfernt. Roccaraso zählt zu den größten Skigebieten des Apennins.

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Im Sommer verwandeln sich dieselben Berge in ein Paradies für Wanderer, Mountainbiker und Bergsteiger. Weite Hochebenen wie das Campo Imperatore oder der Altopiano delle Rocche, blühende Wiesen und kühle Temperaturen machen die Region zum idealen Ziel, wenn im übrigen Italien die Sommerhitze drückt.

Kulinarik & Wein

Die abruzzesische Küche ist deftig und von Bergen und Meer geprägt. Ihr bekanntestes Gericht sind die Arrosticini – kleine Spieße vom Hammel oder Schaf, über glühender Holzkohle gegrillt und ein geselliges Ritual. Dazu kommen die Nudel maccheroni alla chitarra, kräftige Lammgerichte, Schafskäse (Pecorino) und der wertvolle Safran von Navelli, einer der besten der Welt. Aus Sulmona stammen die berühmten Confetti, kunstvoll zu Blumen gebundene Zuckermandeln.

Beim Wein glänzt die Region mit dem kraftvollen Rotwein Montepulciano d’Abruzzo und dem frischen Roséwein Cerasuolo sowie dem Weißwein Trebbiano d’Abruzzo. Eine Verkostung auf einem Weingut, verbunden mit Arrosticini und Pecorino, gehört zu den authentischsten Genusserlebnissen Italiens – bodenständig, herzlich und fern jeder Touristenroutine.

Feste & Traditionen

Die Abruzzen bewahren archaische Bräuche. In Cocullo findet alljährlich das Schlangenfest (Festa dei Serpari) statt, bei dem eine Heiligenstatue mit lebenden (ungiftigen) Schlangen umwunden durch den Ort getragen wird. In L’Aquila erinnert die Perdonanza Celestiniana (UNESCO immaterielles Kulturerbe) an den Ablass Papst Coelestins V.

Tief verwurzelt ist auch die Tradition der Transhumanz (Transumanza), der jahreszeitlichen Wanderung der Schafherden über uralte Triftwege (tratturi) zwischen Bergweiden und dem Süden – ebenfalls von der UNESCO ausgezeichnet. Wer ein solches Fest erlebt, spürt, wie lebendig die bäuerliche und religiöse Vergangenheit in den Abruzzen geblieben ist.

Beste Reisezeit

Die beste Reisezeit hängt vom Ziel ab. Für Wandern, Bergtouren und Städtereisen eignet sich das Sommerhalbjahr von Mai bis Oktober; die Hochebenen sind dann angenehm kühl. Für einen Badeurlaub an der Adria und der Trabocchi-Küste sind die warmen Monate Juni bis September ideal. Frühjahr und Frühherbst schenken blühende bzw. golden gefärbte Berglandschaften und wenig Andrang.

Für Wintersport ist die Saison von Dezember bis März. Der Hochsommer kann an der Küste heiß werden, während es in den Bergen kühl bleibt – ein Vorteil der Region. Wer Ruhe und Natur sucht, meidet die italienischen Ferienwochen im August und reist in der Nebensaison.

Anreise & Mobilität

Die Abruzzen sind von Rom aus gut erreichbar. Der Flughafen Pescara (Abruzzo, PSR) wird aus Europa angeflogen; alternativ bieten sich die Flughäfen von Rom an, von wo die Autobahn A24/A25 in rund anderthalb bis zwei Stunden ins Herz der Region führt. Pescara und die Küstenorte liegen zudem an der Adria-Bahnlinie.

Für die Bergdörfer, Nationalparks und Hochebenen ist ein Mietwagen nahezu unverzichtbar – der öffentliche Nahverkehr ist im Gebirge dünn, und die kurvigen Panoramastraßen gehören zum Erlebnis (Rechtsverkehr). In L’Aquila, Sulmona und anderen Altstädten gelten kameraüberwachte Fahrverbotszonen (ZTL); man parkt außerhalb und geht zu Fuß.

Reisetipps & Geheimtipps

Für Bergfreunde ist ein Ausflug auf das Campo Imperatore mit Seilbahn und Wanderung ein Muss; wer Wildtiere erleben möchte, bucht eine geführte Bärentour im Nationalpark Abruzzen. Als Basis eignen sich Santo Stefano di Sessanio, ein Agriturismo im Peligna-Tal oder ein Quartier an der Trabocchi-Küste. Abseits der Hauptrouten lohnen die Rocca Calascio zum Sonnenuntergang, die Höhlenkirche von San Bartolomeo und der Radweg Via Verde entlang der Trabocchi.

Ein Geheimtipp für Genießer ist ein Arrosticini-Abend in einem einfachen Bergrestaurant, für Aktive eine Wanderung im Majella-Nationalpark. Und wer die Abruzzen wirklich verstehen will, nimmt sich Zeit für die Stille der Hochebenen und die Herzlichkeit der Bergdörfer – dieses ursprüngliche, unverstellte Italien ist der eigentliche Schatz der Region.

Häufige Fragen


Wann ist die beste Reisezeit für die Abruzzen?

Für Wandern, Bergtouren und Städte eignet sich Mai bis Oktober, für einen Badeurlaub an der Adria und der Trabocchi-Küste Juni bis September. Wintersport hat von Dezember bis März Saison. Die Hochebenen bleiben im Sommer angenehm kühl; die italienischen Ferienwochen im August sind an der Küste voll.


Wie reist man am besten in die Abruzzen und vor Ort?

Am bequemsten fliegt man nach Pescara (PSR) oder über Rom; von dort führt die A24/A25 in rund zwei Stunden ins Bergland, die Küstenorte liegen an der Adria-Bahn. Für Nationalparks und Bergdörfer ist ein Mietwagen nahezu unverzichtbar (Rechtsverkehr). In L’Aquila und Sulmona auf die Fahrverbotszonen (ZTL) achten.


Was sind die schönsten Reiseziele in den Abruzzen?

Zu den Höhepunkten zählen der Gran Sasso mit dem Campo Imperatore, die Nationalparks Abruzzen und Majella, die Bergfestung Rocca Calascio, das Renaissance-Dorf Santo Stefano di Sessanio, L’Aquila, Pescara und die Trabocchi-Küste.


Kann man in den Abruzzen Bären und Wölfe sehen?

In den Nationalparks leben der seltene marsikanische Braunbär, der Apenninwolf und die Abruzzen-Gämse. Beobachtungen gelingen am ehesten in der Dämmerung bei geführten Touren, etwa um Pescasseroli. Die Tiere sind scheu und stehen unter strengem Schutz.


Wofür sind die Abruzzen kulinarisch berühmt?

Berühmt sind die über Holzkohle gegrillten Lammspieße Arrosticini, die Nudel maccheroni alla chitarra, der Safran von Navelli und die Zuckermandeln (Confetti) aus Sulmona. Beim Wein glänzen der kräftige Montepulciano d’Abruzzo und der Rosé Cerasuolo.


Wo finde ich offizielle Reiseinformationen zu den Abruzzen?

Offizielle Auskünfte bündelt die Regione Abruzzo – Dipartimento Turismo über das Portal abruzzoturismo.it. Die Kontaktdaten finden Sie unten auf dieser Seite; einen Überblick über das ganze Land bietet die Italien-Übersicht.


Weiter zur Reiseplanung: die Übersicht Italien, die Nachbarregionen Marken im Norden, Latium mit Rom im Westen und Molise im Süden sowie weitere Ziele in der Übersicht Europa.

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