Picardie

Die Picardie nördlich von Paris vereint die größte gotische Kathedrale Frankreichs in Amiens, die vogelreiche Baie de Somme und die Gedenkstätten der Somme-Schlacht des Ersten Weltkriegs. Gezahlt wird mit dem Euro. Beste Reisezeit ist Mai bis September.

Die Picardie erstreckt sich nördlich von Paris zwischen der Île-de-France und der Kanalküste. Sie ist eine Region der großen gotischen Kathedralen, der weiten Felder und Wälder, einer der schönsten Buchten Frankreichs und der bewegenden Erinnerungsorte des Ersten Weltkriegs. Trotz ihrer Nähe zur Hauptstadt bleibt sie ein oft übersehenes Reiseziel – zu Unrecht, denn sie verbindet Kultur, Natur und Geschichte auf eindrucksvolle Weise.
Seit der Gebietsreform von 2016 bildet die Picardie zusammen mit Nord-Pas-de-Calais die Großregion Hauts-de-France mit Hauptstadt Lille. Für Reisende ist sie ein dankbares Ziel für Kurztrips ab Paris ebenso wie für tiefere Entdeckungen. Gezahlt wird mit dem Euro, Amtssprache ist Französisch; historisch verwurzelt ist der pikardische Dialekt. Für die Einreise genügt der Personalausweis.
Amiens – die größte gotische Kathedrale Frankreichs
Wahrzeichen der Region ist die Kathedrale Notre-Dame von Amiens, die größte gotische Kathedrale Frankreichs und seit 1981 UNESCO-Welterbe. Ihr Innenraum ist mit einem doppelten Volumen des Pariser Notre-Dame ein überwältigendes Meisterwerk der Hochgotik; das reich geschmückte Westportal und der berühmte „Beau Dieu“ zählen zu den Höhepunkten mittelalterlicher Bildhauerei. An Sommerabenden und im Advent taucht eine Farb-Illumination die Fassade in ihre ursprünglich bunte Bemalung.
Auch abseits der Kathedrale lohnt Amiens: Das Beffroi, das Musée de Picardie und die lebendige Uferpromenade machen die Stadt zu einem angenehmen Reiseziel für ein Wochenende.
Amiens: Hortillonnages & Jules Verne
Ein einzigartiges Erlebnis sind die Hortillonnages, ein Labyrinth aus schwimmenden Gärten und schmalen Wasserkanälen am Rand der Altstadt, das seit dem Mittelalter bewirtschaftet wird. Eine stille Fahrt im traditionellen Kahn durch dieses grüne Wasserreich gehört zu den schönsten Momenten einer Amiens-Reise.
Im malerischen Viertel Saint-Leu an der Somme reihen sich bunte Häuser, Cafés und Restaurants entlang der Kanäle. Hier lebte auch der Schriftsteller Jules Verne; sein Wohnhaus ist heute ein Museum, das an den Vater der modernen Science-Fiction erinnert.
Die Baie de Somme – Naturparadies an der Küste
Die Baie de Somme, wo der Fluss Somme ins Meer mündet, zählt zu den „schönsten Buchten der Welt“ und ist ein bedeutendes Naturschutzgebiet. Im Naturreservat leben die größte Seehundkolonie Frankreichs sowie unzählige Zug- und Wasservögel. Malerische Orte wie Saint-Valery-sur-Somme und Le Crotoy säumen die Bucht, verbunden durch eine historische Kleinbahn (Chemin de Fer de la Baie de Somme).
Ehrlich und wichtig: Die Gezeiten in der Bucht sind stark und tückisch; geführte Wattwanderungen zu den Seehundbänken sollten nur mit ortskundigen Guides unternommen werden. Wer die Seehunde beobachtet, hält Abstand, um die Tiere nicht zu stören. An Sommerwochenenden sind die Küstenorte belebt – unter der Woche und im Frühjahr erlebt man die Bucht in ihrer stillen Schönheit.
Die Somme-Schlachtfelder – Erinnerungsorte des Ersten Weltkriegs
Die Picardie war Schauplatz einer der verlustreichsten Schlachten der Menschheitsgeschichte: der Schlacht an der Somme 1916. Rund um Albert und Péronne erinnern heute Friedhöfe, Denkmäler und Museen an die Hunderttausenden Gefallenen. Das Thiepval-Denkmal, das größte britische Kriegsdenkmal der Welt, und das Historial de la Grande Guerre in Péronne machen das Ausmaß dieser Tragödie eindrücklich fassbar.
Der Erinnerungsweg (Circuit du Souvenir) verbindet die wichtigsten Stätten. Für viele Besucher aus dem Commonwealth ist dies eine Reise zu den Wurzeln der Familiengeschichte. Diese Orte werden mit Respekt und Stille besucht und gehören zu den bewegendsten Erfahrungen einer Reise in die Picardie.
Compiègne & die Waffenstillstands-Lichtung
Die Stadt Compiègne begeistert mit einem prächtigen ehemaligen Kaiserschloss, das Napoleon und Napoleon III. als Residenz diente und heute mit prunkvollen Sälen und einem Automuseum zu besichtigen ist. Rund um die Stadt erstreckt sich einer der schönsten Wälder Frankreichs.
In der nahen Waffenstillstands-Lichtung (Clairière de l’Armistice) wurde am 11. November 1918 das Ende des Ersten Weltkriegs unterzeichnet – im selben Eisenbahnwaggon, in dem 1940 Frankreichs Kapitulation folgte. Ein Museum am originalgetreu nachgebildeten Waggon erinnert an diesen geschichtsträchtigen Ort.
Chantilly – Schloss, Pferde & Sahne
Im Süden der Region, nahe Paris, liegt das prächtige Schloss Chantilly inmitten weiter Wälder und Wasserflächen. Es beherbergt mit dem Musée Condé eine der bedeutendsten Gemäldesammlungen Frankreichs nach dem Louvre. Die monumentalen Großen Ställe (Grandes Écuries) beherbergen ein Pferdemuseum, und Chantilly gilt als Hauptstadt des französischen Pferderennsports.
Kulinarisch verbindet sich mit dem Ort die berühmte Crème Chantilly, die geschlagene Sahne, die hier ihren Namen erhielt. Ein Besuch verbindet Kunst, Natur und Genuss auf ideale Weise und lässt sich gut als Tagesausflug ab Paris gestalten.
Kathedralen: Beauvais, Laon & Senlis
Die Picardie ist ein Land der Kathedralen. In Beauvais ragt der höchste gotische Chor der Welt empor – ein kühnes Bauwerk, das die Grenzen der mittelalterlichen Baukunst auslotete und dessen Turm einst einstürzte. Die Kathedrale beherbergt zudem eine berühmte astronomische Uhr.
Laon thront mit seiner frühgotischen Kathedrale und der vollständig erhaltenen mittelalterlichen Oberstadt eindrucksvoll auf einem Bergrücken über der Ebene. Das nahe Senlis mit seiner Kathedrale und den Königsspuren sowie Soissons und Noyon ergänzen dieses reiche gotische Erbe.
Natur, Wälder & Flusslandschaften
Jenseits von Küste und Kathedralen ist die Picardie ein grünes Land. Weite Wälder wie die Forêt de Compiègne und die Forêt de Retz, sanfte Flusstäler von Somme, Oise und Aisne sowie stille Sümpfe laden zu Wanderungen, Radtouren und Kanufahrten ein. Der Sommepfad (Véloroute) folgt dem Fluss von der Quelle bis zur Bucht.
In den Marais (Feuchtgebieten) bei Amiens und entlang der Flüsse finden Naturfreunde eine reiche Vogelwelt. Diese ruhige, ländliche Seite der Picardie ist ein Gegengewicht zu den großen Sehenswürdigkeiten und ideal zum Entschleunigen.
Kulinarik & Genuss
Die picardische Küche ist bodenständig und herzhaft. Berühmt ist die Ficelle picarde, ein mit Schinken, Pilzen und Béchamel gefüllter, überbackener Pfannkuchen. Aus dem Gemüseanbau der Hortillonnages und der weiten Felder kommen frische Zutaten; von der Küste stammen Muscheln und die Salzwiesenlämmer (Agneau de pré-salé) der Baie de Somme.
Süß geht es weiter mit den Macarons von Amiens und der Crème Chantilly. Dazu passen regionale Biere und der Cidre aus dem nahen Grenzland. Ein Marktbesuch in Amiens oder in einem der Städtchen ist die schönste Einführung in die regionale Genusswelt.
Kultur, Geschichte & die Gebietsreform 2016
Die Geschichte der Picardie ist eng mit der französischen Krone, der gotischen Blütezeit und den Weltkriegen verbunden, deren Spuren die Landschaft bis heute zeichnen. Bis heute lebt eine eigene regionale Identität, in der der pikardische Dialekt (Picard) nachklingt. Für Reisende gut zu wissen: Seit der Gebietsreform 2016 bildet die Picardie zusammen mit Nord-Pas-de-Calais die Großregion Hauts-de-France mit Hauptstadt Lille. Der Name „Picardie“ ist als Verwaltungsregion damit Geschichte, als Reise- und Kulturlandschaft aber lebendig.
Beste Reisezeit
Ideal ist Mai bis September, wenn die Küste ihr mildestes Gesicht zeigt und Wälder und Gärten in vollem Grün stehen. Der Frühsommer und der frühe Herbst eignen sich hervorragend für Kultur- und Erinnerungsreisen bei angenehmen Temperaturen und weniger Andrang.
Ehrlich gesagt ist das Klima ozeanisch und wechselhaft, mit Wind und Regen zu jeder Jahreszeit – wetterfeste Kleidung gehört ins Gepäck. Zur Vogelzugzeit im Frühjahr und Herbst ist die Baie de Somme besonders reizvoll; im Advent lohnt die illuminierte Kathedrale von Amiens.
Anreise & Mobilität
Die Picardie ist von Paris aus schnell erreichbar: Amiens ist per Regional- und TER-Zug angebunden, Chantilly und Compiègne liegen im Nahverkehr der Hauptstadt. Der Flughafen Beauvais bedient viele Billigflug-Verbindungen. Aus Deutschland ist die Anreise per TGV über Paris oder mit dem Auto über Belgien bequem.
Für Küste, Schlachtfelder und Wälder ist ein Mietwagen praktisch (Rechtsverkehr), da viele Erinnerungsorte und Naturziele nur so gut erreichbar sind. In den größeren Städten empfiehlt sich für den Verkehr ein Blick auf mögliche Umweltzonen; die Innenstädte erkundet man ohnehin am besten zu Fuß oder mit dem Rad.
Reisetipps & Geheimtipps
Wer die Picardie abseits der Hauptorte erleben will, fährt mit dem Kahn durch die Hortillonnages, wandert entlang der Baie de Somme oder radelt über den Sommepfad. Ein Geheimtipp ist das Schloss Pierrefonds im Wald von Compiègne, eine von Viollet-le-Duc märchenhaft wiederaufgebaute Burg, die als Filmkulisse berühmt wurde.
Für Familien lohnen der Parc du Marquenterre mit seiner Vogelwelt und die Kleinbahn der Baie de Somme, für Geschichtsinteressierte der Circuit du Souvenir. Und für einen gelungenen Abschluss gehört eine Ficelle picarde in einem Restaurant im Amienser Viertel Saint-Leu einfach dazu.
Häufige Fragen
Was muss man über die Picardie wissen?
Die Picardie liegt in Nordfrankreich nördlich von Paris, Hauptort ist Amiens. Seit der Gebietsreform 2016 gehört sie zur Großregion Hauts-de-France. Gezahlt wird mit dem Euro, Amtssprache ist Französisch; historisch verwurzelt ist der pikardische Dialekt. Für die Einreise genügt der Personalausweis.
Was sind die schönsten Reiseziele in der Picardie?
Zu den Höhepunkten zählen die Kathedrale von Amiens (größte gotische Kathedrale Frankreichs, UNESCO) mit den Hortillonnages, die Baie de Somme mit ihrer Seehundkolonie, die Somme-Gedenkstätten des Ersten Weltkriegs, Compiègne mit der Waffenstillstands-Lichtung, Schloss Chantilly sowie die Kathedralen von Beauvais und Laon.
Wann ist die beste Reisezeit für die Picardie?
Mai bis September ist ideal für Küste, Kultur und Gedenkstätten. Das Klima ist ozeanisch und wechselhaft, wetterfeste Kleidung gehört ins Gepäck. Zur Vogelzugzeit im Frühjahr und Herbst ist die Baie de Somme besonders reizvoll.
Warum ist die Baie de Somme so besonders?
Die Bucht, wo die Somme ins Meer mündet, zählt zu den schönsten Buchten der Welt und beherbergt die größte Seehundkolonie Frankreichs sowie zahllose Zugvögel. Malerische Orte wie Saint-Valery-sur-Somme und Le Crotoy und eine historische Kleinbahn machen sie zum Erlebnis. Wichtig: Die Gezeiten sind tückisch, Wattwanderungen nur mit Guide.
Was sollte man in der Picardie essen?
Typisch ist die Ficelle picarde, ein mit Schinken, Pilzen und Béchamel gefüllter, überbackener Pfannkuchen. Dazu kommen die Salzwiesenlämmer der Baie de Somme, Muscheln von der Küste, die Macarons von Amiens und die Crème Chantilly.
Wo finde ich offizielle Reiseinformationen zur Picardie?
Offizielle Auskünfte bündelt heute das Comité Régional du Tourisme et des Congrès Hauts-de-France über das Portal tourisme-en-hautsdefrance.com. Die Kontaktdaten finden Sie unten auf dieser Seite; einen Überblick über das ganze Land bietet die Frankreich-Übersicht.
Weiter zur Reiseplanung: die Übersicht Frankreich, die heutige Hauts-de-France-Partnerregion Nord-Pas-de-Calais mit Lille und der Opalküste sowie die Nachbarn Île-de-France und Champagne-Ardenne. Weitere Ziele finden Sie in der Übersicht Europa.