Centre

Das Centre-Val de Loire ist das Schlösserland Frankreichs: entlang der Loire reihen sich Renaissance-Schlösser wie Chambord und Chenonceau, dazu die Städte Tours, Orléans und Bourges sowie feine Weine. Gezahlt wird mit dem Euro. Beste Reisezeit ist April bis Oktober.

Das Centre-Val de Loire in der Mitte Frankreichs ist untrennbar mit der Loire und ihren Schlössern verbunden. Zwischen Orléans und der Grenze zur Touraine reihen sich am „Garten Frankreichs“ die schönsten Renaissance-Schlösser Europas – von Chambord über Chenonceau bis Villandry. Dazu kommen die Kathedralstädte Chartres und Bourges, die von Jeanne d’Arc geprägte Stadt Orléans und feine Weine wie Sancerre und Vouvray.
Die Region trägt seit 2015 offiziell den Namen Centre-Val de Loire und war eine der wenigen französischen Regionen, die von der Gebietsreform 2016 nicht mit anderen fusioniert wurde. Gezahlt wird mit dem Euro, Amtssprache ist Französisch; für die Einreise genügt der Personalausweis. Das mittlere Loiretal zählt zum UNESCO-Welterbe und lässt sich bequem mit Auto, Bahn oder dem berühmten Radweg erkunden – ideal für Schloss-, Wein- und Kulturliebhaber.
Das Loiretal – Garten Frankreichs (UNESCO)
Das Loiretal zwischen Sully-sur-Loire und Chalonnes gehört als lebendige Kulturlandschaft zum UNESCO-Welterbe. Über Jahrhunderte war die Loire Lebensader und königliche Residenzlandschaft; Adel und Könige errichteten hier ihre prächtigen Schlösser inmitten von Wäldern, Weinbergen und Flussauen. Der Beiname „Garten Frankreichs“ spielt auf die fruchtbare, liebliche Landschaft an.
Die Loire ist der letzte weitgehend naturbelassene große Fluss Frankreichs, gesäumt von Sandbänken, Auwäldern und einer reichen Vogelwelt. Diese Verbindung aus Kultur und Natur macht das Loiretal zu einem der lohnendsten Reiseziele des Landes.
Schloss Chambord – Renaissance-Gigant
Chambord ist das größte und berühmteste der Loire-Schlösser – ein gewaltiger Renaissance-Bau, den König Franz I. als Jagdschloss errichten ließ. Seine unverwechselbare Dachlandschaft aus Türmchen, Kaminen und Laternen wirkt wie eine Stadt in der Höhe. Im Inneren zieht die doppelte Wendeltreppe, an deren Entwurf Leonardo da Vinci beteiligt gewesen sein soll, alle Blicke auf sich.
Rings um das Schloss erstreckt sich ein riesiger, von einer Mauer umgebener Wildpark, in dem Hirsche und Wildschweine leben. Ehrlich gesagt ist Chambord im Hochsommer stark besucht – ein früher Besuch oder die Nebensaison lohnt sich, um die Weite der Anlage in Ruhe zu erleben.
Chenonceau – das Schloss über dem Fluss
Das anmutige Chenonceau ist das meistbesuchte Schloss nach Versailles und ein Inbegriff der Loire-Romantik: Seine berühmte Galerie überspannt auf eleganten Bögen den Fluss Cher. Das „Schloss der Damen“ wurde von einflussreichen Frauen wie Diane de Poitiers und Katharina von Medici geprägt und gestaltet.
Innen locken kostbar möblierte Säle und im Krieg als Lazarett genutzte Räume, außen die prächtigen Gärten und ein Labyrinth. Der Blick auf die sich im Cher spiegelnde Galerie zählt zu den schönsten Motiven Frankreichs.
Amboise, Blois, Chaumont & Villandry
Das Loiretal ist reich an weiteren Schlössern. In Amboise residierten die französischen Könige; ganz in der Nähe verbrachte Leonardo da Vinci im Herrenhaus Clos Lucé seine letzten Jahre. Blois vereint mehrere Baustile und war Schauplatz dramatischer Hofintrigen. Chaumont-sur-Loire ist für sein internationales Gartenfestival berühmt.
Ein Höhepunkt für Gartenliebhaber ist Villandry mit seinen geometrisch angelegten Renaissance-Gärten – kunstvolle Zier-, Wasser- und Gemüsegärten, die als schönste Frankreichs gelten. Wer nur einige Schlösser besuchen kann, findet hier eine perfekte Ergänzung zu Chambord und Chenonceau.
Chartres – Kathedrale und Glasfenster (UNESCO)
Im Norden der Region erhebt sich über den Weizenfeldern der Beauce die Kathedrale von Chartres, ein Meisterwerk der gotischen Baukunst und UNESCO-Welterbe. Berühmt sind ihre über 170 mittelalterlichen Glasfenster im leuchtenden „Chartres-Blau“ und das Labyrinth im Fußboden, das Pilger meditierend abschreiten.
Im Sommer taucht das Lichtfestival „Chartres en lumières“ die Kathedrale und die Altstadt in farbige Illuminationen. Die gepflasterte Unterstadt mit ihren Wassergräben und Fachwerkhäusern ist ein stimmungsvoller Ort zum Verweilen.
Orléans & Jeanne d’Arc
Die Regionalhauptstadt Orléans ist eng mit Jeanne d’Arc verbunden, die 1429 die von den Engländern belagerte Stadt befreite. Jedes Jahr Ende April/Anfang Mai feiert Orléans mit den Fêtes de Jeanne d’Arc ihr Andenken. Die restaurierte Altstadt, die Kathedrale Sainte-Croix und das Haus der Jeanne d’Arc erinnern an diese Geschichte.
Orléans liegt am Übergang von der Île-de-France ins Loiretal und ist ein guter Ausgangspunkt, um die östlichen Schlösser und die Loire-Auen zu erkunden.
Tours & die Touraine
Tours, die heimliche Hauptstadt der Loire-Schlösser, ist eine lebendige Universitätsstadt mit sehenswerter Altstadt rund um den Place Plumereau und seinen Fachwerkhäusern. Die umliegende Touraine gilt als Kernland des „reinsten Französisch“ und ist von Schlössern, Weinbergen und Höhlenwohnungen (Troglodytes) durchzogen.
Von Tours aus sind Chenonceau, Amboise, Villandry und Azay-le-Rideau in kurzer Fahrt erreichbar – die Stadt ist damit einer der besten Standorte für eine Schlössertour.
Bourges & das Berry
Im Süden der Region liegt Bourges mit seiner mächtigen gotischen Kathedrale Saint-Étienne, einem UNESCO-Welterbe mit außergewöhnlichen Glasfenstern. Der Palast des Kaufmanns Jacques Cœur zeugt vom Reichtum des Spätmittelalters, die Marschgärten (Marais) mitten in der Stadt sind eine grüne Besonderheit.
Ringsum erstreckt sich das stille Berry, eine ländliche Region mit Seen wie der Brenne, Wäldern und der Literaturlandschaft der George Sand. Wer die großen Schlösserströme meiden will, findet hier ursprüngliche Ruhe.
Loire-Weine & Kulinarik
Das Loiretal ist eine bedeutende Weinregion. Berühmt sind die trockenen Weißweine aus Sauvignon Blanc – Sancerre und Pouilly-Fumé im Osten – sowie die Chenin-Blanc-Weine von Vouvray und Montlouis und die roten Chinon und Bourgueil aus Cabernet Franc. Dazu kommen prickelnde Crémants de Loire.
Kulinarisch locken der Ziegenkäse Sainte-Maure de Touraine und Crottin de Chavignol, die Tarte Tatin (der karamellisierte Apfelkuchen stammt aus der Region), Wild aus der Sologne und Rillettes aus Tours. Am schönsten genießt man all das mit einem Glas Loire-Wein in einem Restaurant der Touraine.
Loire à Vélo – mit dem Rad durchs Schlösserland
Der Fernradweg Loire à Vélo führt über weite Strecken flach und gut ausgebaut am Fluss entlang – vorbei an Schlössern, Weinbergen und Auen. Er ist Teil der europäischen EuroVelo-Route 6 und eine der beliebtesten Radrouten Frankreichs, ideal auch für Familien.
Wer die Schlösser mit dem Rad verbindet, erlebt die Landschaft entschleunigt und umweltfreundlich. Etappen von Orléans über Blois und Amboise nach Tours zählen zu den schönsten Abschnitten.
Kultur, Geschichte & Namenswechsel
Das Loiretal war über Jahrhunderte das Machtzentrum Frankreichs, bevor der Hof nach Paris zog – daher die Fülle königlicher Schlösser aus Gotik und Renaissance. Für Reisende gut zu wissen: Die Region hieß früher schlicht „Centre“ und trägt seit 2015 offiziell den Namen Centre-Val de Loire, der ihre Identität als Loire-Schlösserland betont. Anders als viele Nachbarn wurde sie bei der Gebietsreform 2016 nicht fusioniert und blieb in ihren Grenzen bestehen. Für die touristische Vermarktung ist heute das Comité Régional du Tourisme Centre-Val de Loire zuständig.
Beste Reisezeit
Die beste Reisezeit für das Centre-Val de Loire ist April bis Oktober. Im Frühling und Frühsommer blühen die Schlossgärten von Villandry und Chaumont, im Sommer laden lange Tage zu Radtouren und Loire-Ausflügen ein. Der September bringt die Weinlese und mildes, goldenes Licht.
Ehrlich gesagt sind die großen Schlösser Chambord und Chenonceau in den Sommerferien am belebtesten; ein früher Besuch, die Nebensaison oder ein Ausweichen auf kleinere Schlösser lohnen sich. Im Winter haben manche Schlösser eingeschränkte Öffnungszeiten.
Anreise & Mobilität
Das Loiretal ist von Paris aus schnell erreichbar: Schnellzüge fahren nach Tours in gut einer Stunde, auch Orléans und Blois haben guten Bahnanschluss. Für die Schlössertour ist ein Mietwagen praktisch (Rechtsverkehr); im Sommer ist die Loire à Vélo eine entspannte, autofreie Alternative.
Von Tours, Blois und Amboise bestehen im Sommer Shuttle- und Busverbindungen zu den bekanntesten Schlössern. Wer Wein verkostet, sollte an die strengen Promillegrenzen denken. In den Innenstädten sind Bus und Fahrrad bequem.
Reisetipps & Geheimtipps
Wer Chambord und Chenonceau ohne Massen erleben will, kommt früh am Morgen oder gegen Abend. Ein Geheimtipp ist das elegante Azay-le-Rideau auf seiner Flussinsel oder das stille Berry rund um Bourges. Aktive verbinden mehrere Schlösser über die Loire à Vélo, Genießer eine Weinprobe in Vouvray oder Sancerre.
Für Chartres lohnt ein Besuch am Abend während des Lichtfestivals, für Amboise ein Abstecher zu Leonardos Clos Lucé. Und zum vollen Loire-Erlebnis gehört ein Glas Vouvray zu Ziegenkäse und Tarte Tatin einfach dazu.
Häufige Fragen
Was muss man über das Centre-Val de Loire wissen?
Die Region liegt in der Mitte Frankreichs entlang der Loire, Hauptstadt ist Orléans. Sie heißt seit 2015 offiziell Centre-Val de Loire und wurde bei der Gebietsreform 2016 nicht mit anderen Regionen fusioniert. Gezahlt wird mit dem Euro, Amtssprache ist Französisch; das Loiretal ist UNESCO-Welterbe.
Was sind die schönsten Loire-Schlösser?
Zu den Höhepunkten zählen der Renaissance-Gigant Chambord mit seiner doppelten Wendeltreppe, das über den Cher gebaute Chenonceau, die Gärten von Villandry, Amboise mit Leonardos Clos Lucé sowie Blois und Chaumont. Ergänzend lohnen die Kathedralen von Chartres und Bourges.
Wann ist die beste Reisezeit fürs Loiretal?
April bis Oktober ist ideal; im Frühling und Frühsommer blühen die Schlossgärten, im September beginnt die Weinlese. Die großen Schlösser sind in den Sommerferien stark besucht – ein früher Besuch oder die Nebensaison lohnt sich. Die Loire à Vélo lädt zum Radeln ein.
Kann man das Loiretal mit dem Fahrrad erkunden?
Ja, der Fernradweg Loire à Vélo führt flach und gut ausgebaut am Fluss entlang, vorbei an Schlössern und Weinbergen, und ist Teil der EuroVelo-Route 6. Die Etappen von Orléans über Blois und Amboise nach Tours zählen zu den schönsten und eignen sich auch für Familien.
Welche Weine und Spezialitäten bietet die Region?
Berühmt sind die Weißweine Sancerre, Pouilly-Fumé und Vouvray sowie die roten Chinon und Bourgueil. Kulinarische Klassiker sind der Ziegenkäse Sainte-Maure de Touraine, die Tarte Tatin, Wild aus der Sologne und Rillettes aus Tours – am besten mit einem Glas Loire-Wein.
Wo finde ich offizielle Reiseinformationen zum Loiretal?
Offizielle Auskünfte bündelt das Comité Régional du Tourisme Centre-Val de Loire über das Portal valdeloire-france.com. Die Kontaktdaten finden Sie unten auf dieser Seite; einen Überblick über das ganze Land bietet die Frankreich-Übersicht.
Weiter zur Reiseplanung: die Übersicht Frankreich, die Nachbarregionen Île-de-France, Pays de la Loire (mit den westlichen Loire-Schlössern) und Burgund sowie weitere Ziele in der Übersicht Europa.