Aquitaine

Aquitanien im Südwesten Frankreichs verbindet die Weinstadt Bordeaux mit der höchsten Düne Europas bei Arcachon, den Surfstränden von Biarritz und dem Baskenland sowie den Höhlen und Burgen des Périgord. Gezahlt wird mit dem Euro. Beste Reisezeit ist Mai bis Oktober.

Aquitanien (französisch Aquitaine) erstreckt sich entlang der französischen Atlantikküste von der Gironde-Mündung bis zu den Pyrenäen und ist seit der Gebietsreform 2016 Teil der Großregion Nouvelle-Aquitaine. Die Hauptstadt Bordeaux ist die Welthauptstadt des Weins, an der endlosen Côte d’Argent reihen sich Sanddünen und Surfstrände, und im Hinterland verzaubern das Périgord mit prähistorischen Höhlen und das lebendige Baskenland mit eigener Sprache und Kultur.
Für Reisende bedeutet das eine seltene Bandbreite: von den eleganten Weingütern des Médoc über die höchste Wanderdüne Europas bis zu den Trüffelmärkten der Dordogne und den baskischen Fischerhäfen. Gezahlt wird mit dem Euro, Amtssprachen sind Französisch sowie regional Baskisch und Okzitanisch, und für die Einreise genügt der Personalausweis.
Bordeaux – Welthauptstadt des Weins
Bordeaux zählt zu den schönsten Städten Frankreichs. Ihr elegantes Hafenensemble am Halbmond der Garonne, der Port de la Lune, ist als Ganzes UNESCO-Welterbe. Zentrum ist die klassizistische Place de la Bourse, die sich im Miroir d’eau, dem größten Wasserspiegel der Welt, spiegelt. Prachtstraßen, Grand Théâtre und lange Kais laden zum Flanieren ein, und die moderne Cité du Vin inszeniert die Weinkultur der Region auf spektakuläre Weise.
Bordeaux ist heute eine junge, lebendige Universitäts- und Genussstadt: Wochenmärkte, eine große Fußgängerzone rund um die Rue Sainte-Catherine und zahllose Weinbars machen den Aufenthalt zum Erlebnis. Mit dem TGV ist die Stadt von Paris in nur gut zwei Stunden erreichbar.
Weinregionen: Médoc, Saint-Émilion & Sauternes
Rund um Bordeaux liegen einige der berühmtesten Weinbaugebiete der Welt. Im Médoc nördlich der Stadt reihen sich weltbekannte Châteaux an der Weinstraße; das mittelalterliche Saint-Émilion mit seiner Monolithkirche und den Weinbergen ist als Weinbaulandschaft UNESCO-Welterbe. Aus Sauternes kommen edelsüße Weißweine, aus Graves und Pessac-Léognan große Rot- und Weißweine, aus Pomerol gesuchte Spitzengewächse.
Weingüter laden zu Führungen und Verkostungen ein – von der prunkvollen Château-Anlage bis zum kleinen Familienbetrieb. Eine Fahrt über die Weinstraßen mit Halt in den Winzerdörfern gehört zu den schönsten Erlebnissen einer Aquitanien-Reise. Wer tiefer eintauchen möchte, verbindet den Weingenuss mit einer Radtour durch die Rebhänge, einer Kellerführung in den Kalksteingewölben unter Saint-Émilion oder einer Bootsfahrt auf der Gironde-Mündung, dem größten Ästuar Europas, an dessen Ufern die berühmten Lagen des Médoc reifen.
Die Atlantikküste – Côte d’Argent
Die Côte d’Argent ist eine der längsten Sandküsten Europas: schnurgerade Strände, hohe Dünen und ein dahinter liegender Kiefernwald. Ihr Wahrzeichen ist die Dune du Pilat bei Arcachon, mit über 100 Metern die höchste Wanderdüne des Kontinents. Das Becken von Arcachon lockt mit Austernbänken, dem eleganten Cap Ferret und der Vogelinsel Île aux Oiseaux.
Weiter südlich liegen die Surfhochburgen Hossegor, Seignosse und Lacanau, wo im Herbst Weltklasse-Wettbewerbe stattfinden. Ehrlich und wichtig: Der Atlantik ist rau, und gefährliche Strömungen (die sogenannten Baïnes) fordern Vorsicht – man badet nur an bewachten Abschnitten zwischen den Flaggen. Im Hochsommer sind die Küstenorte und ihre Parkplätze zudem stark ausgelastet.
Das Baskenland
Ganz im Süden beginnt das französische Baskenland mit eigener Sprache, Kultur und Küche. Das mondäne Biarritz mit seinem Grand Plage gilt als Wiege des europäischen Surfens, Saint-Jean-de-Luz ist ein charmanter Fischerhafen und Badeort, und Bayonne begeistert mit Kathedrale, roten Fachwerkfassaden und weltberühmtem Schinken. In den grünen Hügeln liegen malerische Dörfer wie Espelette, bekannt für seine milden Chilischoten, und Ainhoa.
Die baskische Kultur ist überall spürbar: an den zweisprachigen Ortsschildern, beim rasanten Pelota-Spiel an der Fronton-Wand, bei Festen mit traditioneller Musik und roten Halstüchern. Von der Küste führen kleine Bergbahnen wie die zum Aussichtsgipfel La Rhune hinauf, von wo der Blick über die grünen Pyrenäenausläufer bis zum Meer reicht. Wer authentische Dörfer und eine eigenständige Identität sucht, findet sie im Baskenland in reinster Form.
Périgord & Dordogne
Das Périgord rund um das Tal der Dordogne zählt zu den geschichtsträchtigsten Landschaften Frankreichs. Im Vézère-Tal liegen die weltberühmten prähistorischen Höhlen: Das Original von Lascaux mit seinen 17.000 Jahre alten Malereien ist zum Schutz geschlossen, doch die originalgetreue Nachbildung Lascaux IV lässt die Kunst der Eiszeit lebendig werden (das Vézère-Tal ist UNESCO-Welterbe). Die goldgelbe Stadt Sarlat-la-Canéda gilt als eine der schönsten Altstädte des Landes.
Über dem Fluss thronen mittelalterliche Burgen und Dörfer wie Beynac, La Roque-Gageac und das befestigte Städtchen Domme; die planmäßig angelegten Wehrstädte (Bastiden) wie Monpazier erinnern an die Zeit der englisch-französischen Kriege. Kanufahrten auf der Dordogne unter den Burgen hindurch sind ein Höhepunkt für Familien.
Landes & weite Natur
Zwischen der Küste und dem Hinterland erstreckt sich der Landes-Wald, mit rund einer Million Hektar der größte zusammenhängende Kiefernforst Westeuropas – im 19. Jahrhundert gepflanzt, um die wandernden Dünen zu bändigen und das einst sumpfige Land trockenzulegen. Ein dichtes Netz asphaltierter Radwege durchzieht heute die Wälder und verbindet ruhige Dörfer mit den Stränden; die Landes zählen damit zu den familienfreundlichsten und entspanntesten Ecken der Region. Im Süden leiten die Vorberge der Pyrenäen mit dem Baskenland und dem Béarn zu höheren Gipfeln über, wo sich Thermalbäder und Wanderwege im Grünen finden.
Kulinarik & Genuss
Die Küche des Südwestens ist deftig und weltberühmt. Aus dem Périgord kommen Foie gras (Gänse- und Entenleber), Trüffel und Entenspezialitäten wie Confit und Magret. Die Bucht von Arcachon liefert frische Austern, das Baskenland den luftgetrockneten Bayonner Schinken und das feurige Piment d’Espelette. In Bordeaux versüßt der kleine, karamellisierte Canelé den Tag.
Dazu passen die großen Bordeaux-Weine – von kräftigen Rotweinen aus Médoc und Saint-Émilion bis zu den edelsüßen Sauternes; in Nachbarschaft reift der Weinbrand Armagnac. Ein Marktbesuch in Bordeaux, Sarlat oder Bayonne zeigt die ganze Fülle regionaler Spezialitäten.
Kultur, Geschichte & Gebietsreform
Die Geschichte Aquitaniens reicht von den eiszeitlichen Höhlenmalern über die Römer bis zu Eleonore von Aquitanien, deren Heirat mit dem englischen König den Südwesten für Jahrhunderte unter englische Herrschaft brachte – bis heute erinnern Bastiden und Burgen daran. Für Reisende gut zu wissen: Die historische Région Aquitanien wurde 2016 mit Poitou-Charentes und dem Limousin zur Großregion Nouvelle-Aquitaine zusammengelegt. Für die touristische Vermarktung ist heute das Comité Régional du Tourisme de Nouvelle-Aquitaine in Bordeaux zuständig – daher trägt das Fremdenverkehrsamt unten den größeren Namen.
Beste Reisezeit
Aquitanien ist von Mai bis Oktober ein lohnendes Ziel. Der Frühsommer und der September sind ideal für Küste, Wein und Kultur: mildes Wetter, warmes Meer und weniger Andrang als im Hochsommer. Die Weinlese im September und Oktober ist besonders reizvoll, und der Herbst bringt den Surfern die besten Wellen an die Atlantikküste.
Der Hochsommer ist an den Stränden am belebtesten, das Klima insgesamt mild und ozeanisch mit dem meisten Sonnenschein zwischen Juni und September. Auch der Winter bleibt vergleichsweise mild, eignet sich aber eher für Städte- und Genussreisen als für den Strand.
Anreise & Mobilität
Die Region ist gut erreichbar. Der Flughafen Bordeaux-Mérignac (BOD) und der Flughafen Biarritz (BIQ) werden aus Deutschland angeflogen. Mit dem TGV erreicht man Bordeaux von Paris in gut zwei Stunden, von wo aus Regionalzüge und Busse die Küste und das Périgord erschließen. Für Weinstraßen, Dordogne-Täler und das Baskenland ist ein Mietwagen die beste Wahl (Rechtsverkehr).
Ehrlich und wichtig: In Bordeaux gilt eine Umweltzone mit Crit’Air-Plakettenpflicht – die Vignette gehört an die Windschutzscheibe. Im Stadtzentrum sind Tram und Fahrrad ohnehin bequemer als das Auto; an der Küste sollte man im Hochsommer früh anreisen, da Parkplätze knapp werden.
Reisetipps & Geheimtipps
Für die Dune du Pilat lohnt ein früher oder später Besuch, wenn Licht und Ruhe am schönsten sind; die Nachbildung von Lascaux und andere gefragte Höhlen sollten in der Hauptsaison vorab gebucht werden. Am Atlantik gilt: nur an bewachten Strandabschnitten baden und die Strömungswarnungen ernst nehmen. Wer dem Trubel entgehen will, weicht auf die stillen Landes, das Hinterland des Baskenlands oder die kleineren Winzerdörfer aus.
Ein Geheimtipp für Genießer ist eine Austernverkostung direkt bei den Züchtern am Becken von Arcachon oder ein Trüffelmarkt im winterlichen Périgord. Für Aktive bietet sich eine Kanufahrt auf der Dordogne unter den Burgen an – und für Weinfreunde eine Radtour durch die Weinberge von Saint-Émilion.
Häufige Fragen
Was muss man über Aquitanien wissen?
Aquitanien liegt im Südwesten Frankreichs am Atlantik, Hauptstadt ist Bordeaux; seit 2016 gehört es zur Großregion Nouvelle-Aquitaine. Gezahlt wird mit dem Euro, Amtssprache ist Französisch, dazu regional Baskisch und Okzitanisch. Für die Einreise genügt der Personalausweis.
Was sind die schönsten Reiseziele in Aquitanien?
Zu den Höhepunkten zählen Bordeaux mit dem UNESCO-Hafenensemble, die Weinregionen Médoc und Saint-Émilion, die Dune du Pilat bei Arcachon, Biarritz und das Baskenland sowie das Périgord mit den Höhlen des Vézère-Tals und den Burgen der Dordogne.
Wann ist die beste Reisezeit für Aquitanien?
Mai bis Oktober ist ideal für Küste, Wein und Kultur; Frühsommer und September sind am angenehmsten. Die Weinlese im September/Oktober ist besonders reizvoll, und der Herbst bringt den Surfern die besten Wellen. Der Hochsommer ist an den Stränden am belebtesten.
Ist Baden an der Atlantikküste gefährlich?
Der Atlantik ist rau, und gefährliche Strömungen (Baïnes) können vorkommen. Man badet daher nur an bewachten Strandabschnitten zwischen den Flaggen und beachtet die Warnhinweise. Für Surfer bieten Hossegor, Lacanau und Biarritz Weltklasse-Wellen.
Kann man die Höhlen von Lascaux besichtigen?
Das Original von Lascaux ist zum Schutz der Malereien geschlossen. Zu sehen ist die originalgetreue Nachbildung Lascaux IV im Vézère-Tal, das insgesamt UNESCO-Welterbe ist. In der Hauptsaison empfiehlt sich eine Reservierung im Voraus.
Wo finde ich offizielle Reiseinformationen zu Aquitanien?
Offizielle Auskünfte bündelt das Comité Régional du Tourisme de Nouvelle-Aquitaine über das Portal nouvelle-aquitaine-tourisme.com. Die Kontaktdaten finden Sie unten auf dieser Seite; einen Überblick über das ganze Land bietet die Frankreich-Übersicht.
Weiter zur Reiseplanung: die Übersicht Frankreich, die Nachbarregionen Midi-Pyrénées, Poitou-Charentes und das Limousin (heute mit Aquitanien in der Großregion Nouvelle-Aquitaine vereint) sowie weitere Ziele in der Übersicht Europa.