Zum Inhalt springen

Kyushu & Okinawa

Illustration von Kyushu und Okinawa mit den dampfenden Höllen von Beppu, dem rauchenden Vulkan Aso, dem Kumamoto-Schloss, dem Hafen von Nagasaki und einem türkisen subtropischen Strand auf Okinawa, Japan

Der Süden Japans vereint zwei Welten: Auf der Vulkaninsel Kyushu locken die lebendige Stadt Fukuoka, das geschichtsträchtige Nagasaki, das Kumamoto-Schloss, der gewaltige Vulkan Aso und die dampfende Onsen-Hauptstadt Beppu. Weit im Süden liegen die subtropischen Ryukyu-Inseln von Okinawa mit türkisem Meer, weißen Stränden, Korallenriffen und einer ganz eigenen Kultur. Beste Reisezeit ist das milde Frühjahr und der Herbst; Okinawa lädt auch im Sommer zum Baden.

Landkarte Kyushu & Okinawa
Landkarte Kyushu & Okinawa

Kyushu ist die südwestlichste der vier japanischen Hauptinseln und ein Land der Vulkane, heißen Quellen und subtropischen Wärme. Als Japans historisches Tor zum Festland und zur Welt kamen über Kyushu einst Buddhismus, chinesische Schrift und – über Nagasaki – der erste Kontakt mit Europa. Bis heute ist der Süden eigenständig, warmherzig und kulinarisch berühmt.

Noch einmal 600 Kilometer weiter südlich, näher an Taiwan als an Tokio, liegen die Ryukyu-Inseln von Okinawa – ein subtropisches Inselreich, das über Jahrhunderte ein eigenes Königreich war und sich bis heute in Sprache, Musik, Küche und Lebensgefühl deutlich vom übrigen Japan unterscheidet. Zusammen bilden Kyushu und Okinawa den sonnigsten, entspanntesten Teil des Landes.

Region & Lage

Kyushu liegt im Südwesten Japans, durch schmale Meerengen von der Hauptinsel Honshu getrennt und über Brücken und Tunnel mit ihr verbunden. Die Insel ist gebirgig und vulkanisch geprägt – mit dem Aso einer der größten Vulkankrater der Welt und zahllosen heißen Quellen. Das Klima ist mild und feucht, im Süden bereits fast subtropisch.

Weit im Ozean schließen sich die über hundert Ryukyu-Inseln an, die sich in einem langen Bogen bis kurz vor Taiwan ziehen. Ihr Zentrum ist die Hauptinsel Okinawa mit der Stadt Naha; berühmt sind auch die Kerama-Inseln, Ishigaki und Miyako mit einigen der schönsten Strände Asiens. Hier herrscht echtes Tropenklima mit warmem Meer das ganze Jahr.

Fukuoka: Tor zum Süden

Fukuoka ist die größte und dynamischste Stadt Kyushus, jung, kompakt und für ihre hohe Lebensqualität bekannt. Zwischen modernen Einkaufsvierteln, Tempeln und einem Stadtstrand herrscht eine entspannte Atmosphäre. Berühmt ist Fukuoka für seine Yatai, die abendlichen Straßenküchen-Stände am Fluss, an denen man Schulter an Schulter Ramen und Yakitori isst.

Die Stadt ist Geburtsort des cremigen Tonkotsu-Ramen auf Schweineknochenbrühe, den man hier in unzähligen Läden probiert. Als bestens vernetzter Verkehrsknoten mit Flughafen und Shinkansen-Bahnhof eignet sich Fukuoka ideal als Auftakt einer Kyushu-Rundreise.

Nagasaki: Hafen, Geschichte & Mahnung

Nagasaki, malerisch an einer hügeligen Bucht gelegen, war jahrhundertelang Japans einziges Fenster zur Welt: Über die künstliche Insel Dejima liefen zur Zeit der Abschottung die einzigen Kontakte zu Europa. Diese Geschichte prägt die Stadt bis heute mit Chinatown, europäischen Kaufmannshäusern und der ältesten katholischen Kirche Japans.

Zugleich trägt Nagasaki eine schwere Mahnung: Am 9. August 1945 wurde die Stadt Ziel der zweiten Atombombe. Der Friedenspark und das eindringliche Atombomben-Museum erinnern an die Opfer und mahnen zum Frieden – ein Ort, den man mit Respekt und Stille besucht. Nagasaki verbindet so Weltoffenheit und Erinnerung wie kaum eine andere Stadt.

Kumamoto & der Vulkan Aso

In der Mitte Kyushus liegt Kumamoto mit einer der eindrucksvollsten Burgen Japans, deren gewaltige, geschwungene Steinmauern als kaum überwindbar galten. Nach dem schweren Erdbeben von 2016 wird die Burg aufwendig restauriert und ist wieder in Teilen zugänglich – ein Zeichen dafür, wie ernst Japan sein kulturelles Erbe nimmt.

Östlich der Stadt öffnet sich die riesige Caldera des Aso, eines der größten aktiven Vulkangebiete der Erde: ein weiter Kessel mit Weiden, Dörfern und dem rauchenden Krater des Naka-dake im Zentrum. Bei ruhiger Vulkanaktivität kann man an den Kraterrand fahren – prüfe aber stets die aktuelle Warnstufe, denn der Zugang wird bei erhöhter Aktivität gesperrt.

Beppu & Yufuin: die Onsen-Hauptstadt

Beppu an der Ostküste ist die Onsen-Hauptstadt Japans: Nirgends sprudelt mehr heißes Wasser aus dem Boden, überall steigt Dampf zwischen den Häusern auf. Berühmt sind die Höllen (Jigoku), sieben spektakuläre, zum Anschauen gedachte Quellen – von kobaltblau bis blutrot – sowie Sandbäder, in denen man sich im heißen vulkanischen Sand vergraben lässt.

Feiner und ruhiger geht es im nahen Yufuin zu, einem eleganten Kurdorf am Fuße eines Vulkans. Beim Onsen gelten feste Regeln: gründlich waschen vor dem Bad, unbekleidet baden, das Handtuch nicht eintauchen. Viele Bäder verwehren Gästen mit Tätowierungen den Zutritt – kleine Motive kannst du abkleben oder ein privates Bad nutzen. Frag im Zweifel vorher nach.

Kagoshima, Sakurajima & Yakushima

Im Süden Kyushus liegt Kagoshima, oft mit Neapel verglichen, denn direkt vor der Stadt raucht über der Bucht der Vulkan Sakurajima – einer der aktivsten Japans, der regelmäßig Aschewolken ausstößt. Die Menschen leben selbstverständlich mit ihm; per Fähre kann man bis an seinen Fuß fahren und die Kraterlandschaft erkunden.

Von Kagoshima aus erreicht man die geheimnisvolle Insel Yakushima, ein UNESCO-Welterbe mit uralten, teils tausendjährigen Zedernwäldern (Yakusugi), moosbewachsenen Schluchten und viel Regen – die Landschaft soll den Zeichentrickfilm „Prinzessin Mononoke“ inspiriert haben. Für Wanderer ist Yakushima eines der magischsten Ziele Japans.

Okinawa: die subtropischen Ryukyu-Inseln

Ganz im Süden beginnt eine andere Welt: Okinawa mit seinen über hundert subtropischen Inseln, palmengesäumten Stränden und einem Meer in allen Türkistönen. Die Hauptstadt Naha auf der Hauptinsel ist mit ihrer belebten Kokusai-Einkaufsstraße das Tor zur Region; von hier geht es weiter zu den traumhaften kleineren Inseln.

Die Inseln sind das ganze Jahr warm und laden zum Baden, Schnorcheln und Entschleunigen ein. Okinawa gilt zudem als eine der „Blue Zones“ der Welt, in der die Menschen besonders alt werden – man führt es auf Ernährung, Bewegung und die gelassene Lebenshaltung Ikigai zurück. Das Lebensgefühl ist merklich langsamer als im hektischen Norden.

Ryukyu-Kultur & Geschichte

Okinawa war bis ins 19. Jahrhundert das eigenständige Königreich Ryukyu, das zwischen China und Japan Handel trieb und eine ganz eigene Kultur entwickelte – mit eigener Sprache, Musik auf der schlangenledernen Sanshin, farbenprächtiger Bingata-Stofffärberei und einer eigenen Küche. Symbol dieser Blüte ist die Burg Shuri (Shurijo) in Naha, die nach einem Brand 2019 wieder aufgebaut wird.

Zur Geschichte gehört auch tiefes Leid: In der Schlacht um Okinawa 1945 starben Zehntausende Zivilisten; Friedensmuseen und Gedenkstätten im Süden der Insel erinnern daran. Bis heute prägen zudem große US-Militärbasen die Insel und werden vor Ort kontrovers diskutiert – wer Okinawa versteht, sieht mehr als nur Strände.

Anzeige

Strände & Tauchen

Okinawa bietet einige der schönsten Strände und Tauchgebiete Asiens. Die winzigen Kerama-Inseln vor Naha leuchten in einem Blau, das man „Kerama Blue“ nennt, und beherbergen Meeresschildkröten. Weiter südlich locken Ishigaki und Miyako mit endlosen weißen Stränden, Mantarochen und intakten Korallenriffen.

Beim Schnorcheln und Tauchen gilt: Riffe niemals berühren, riffschonende Sonnencreme verwenden und keine Korallen oder Muscheln mitnehmen. Auf der Hauptinsel begeistert das Churaumi-Aquarium, eines der größten der Welt, mit Walhaien und Mantas. Auch für Nichttaucher ist die Unterwasserwelt vom Glasbodenboot aus erlebbar.

Kulinarik: Tonkotsu-Ramen & Okinawa-Küche

Der Süden ist ein Genussland. Kyushu ist die Heimat des cremigen Tonkotsu-Ramen, dazu kommen frische Meeresfrüchte, das Grillgericht Motsunabe und der Shochu, ein kräftiger gebrannter Schnaps. Kumamoto ist bekannt für Pferdefleisch-Sashimi, Kagoshima für zartes Kurobuta-Schwein und süße Süßkartoffeln.

Okinawa hat eine eigene, gesunde Küche: das Pfannengericht Goya Champuru mit Bittermelone, geschmorter Schweinebauch (Rafute), die dicke Okinawa-Soba und der reisbasierte Schnaps Awamori. Diese Ernährung gilt als ein Geheimnis der Langlebigkeit. Und wie überall in Japan: Trinkgeld ist unüblich und wird nicht erwartet.

Beste Reisezeit

Kyushu ist mild und lässt sich fast ganzjährig bereisen; am schönsten sind Frühjahr und Herbst mit angenehmen Temperaturen, Kirschblüte und Herbstlaub. Der Sommer ist heiß und schwül, dazu fällt in die warme Jahreszeit die Taifun-Saison von etwa Juni bis Oktober, die den Süden besonders trifft.

Auf Okinawa herrscht subtropisches Klima mit warmem Meer das ganze Jahr; die Badesaison reicht weit in den Sommer. Allerdings ziehen von Sommer bis Herbst regelmäßig Taifune über die Inseln, die Flüge und Fähren lahmlegen können – wer in dieser Zeit reist, sollte Puffer einplanen und die Wetterlage im Blick behalten. Frühling und späterer Herbst sind ideal.

Etikette & kein Trinkgeld

Auch im entspannten Süden gelten Japans feine Umgangsformen: In Zügen und Bussen spricht man leise, man stellt sich geduldig an, und in Ryokan, Tempeln und vielen Restaurants zieht man die Schuhe aus. In Gedenkstätten wie den Friedensparks von Nagasaki und Okinawa verhält man sich still und respektvoll.

Müll trägst du mangels öffentlicher Mülleimer bis zur Unterkunft und trennst ihn sorgfältig; an Stränden und Riffen hinterlässt man keine Spuren. Und noch einmal, weil es oft überrascht: Trinkgeld ist in Japan unüblich und gilt als unhöflich – ein herzliches Dankeschön ist willkommener als Geld.

Anreise, Verkehr & praktische Tipps

Kyushu ist über den Shinkansen bequem mit Osaka und Tokio verbunden; Fukuoka ist der zentrale Knoten, von dem ein eigenes Hochgeschwindigkeitsnetz die Insel erschließt. Nach Okinawa reist man per Flug – von Naha aus geht es mit kleineren Fliegern und Fähren weiter zu den Inseln. Deutsche, österreichische und Schweizer Reisende dürfen bis 90 Tage visumfrei touristisch einreisen; prüfe die aktuellen Regeln vor Abflug.

Auf Okinawa und im ländlichen Kyushu ist ein Mietwagen oft praktisch, da Busse selten fahren. Bezahlt wird mit dem Japanischen Yen (JPY); auch hier ist Bargeld wichtig, denn kleine Läden und Inseln nehmen oft keine Karten – hebe in Convenience-Stores und bei der Post ab. Eine Übersetzungs-App hilft über die Sprachbarriere, und leichte, atmungsaktive Kleidung gehört wegen der Wärme ins Gepäck.

Vulkane, Taifune & Sicherheit

Kyushu und Okinawa sind wie ganz Japan sehr sicher; Kriminalität gegen Reisende ist selten. Die Risiken sind natürlicher Art: Der Süden ist eine der vulkanisch aktivsten Regionen Japans. Aso und Sakurajima können ausbrechen – halte dich an die offiziellen Warnstufen und gesperrten Zonen, dann sind Besuche sicher.

Von Sommer bis Herbst ziehen kräftige Taifune über die Region, vor allem über Okinawa; sie bringen Sturm, Starkregen und Reiseausfälle. Japan liegt zudem in einer Erdbebenzone – 2016 traf ein schweres Beben Kumamoto. Folge im Ernstfall den Anweisungen, behalte Wetter- und Vulkanwarnungen im Blick und prüfe vor der Reise die aktuellen Hinweise des Auswärtigen Amtes.

Häufige Fragen


Wie viele Tage sollte man für Kyushu und Okinawa einplanen?

Für eine Kyushu-Rundreise mit Fukuoka, Nagasaki, Kumamoto, Aso und Beppu solltest du etwa fünf bis sieben Tage einplanen. Okinawa ist ein eigenes Reiseziel und braucht wegen der Anreise per Flug mindestens drei bis vier weitere Tage – am besten verbindet man beides zu einer längeren Reise.


Wann ist die beste Reisezeit für den Süden Japans?

Kyushu ist im Frühjahr und Herbst am schönsten, mild und farbenprächtig. Okinawa ist ganzjährig warm mit Badesaison bis in den Sommer. Meide für Okinawa möglichst die Taifun-Hochzeit von Spätsommer bis Frühherbst, oder plane großzügige Zeitpuffer für mögliche Flug- und Fährausfälle ein.


Kann man den Vulkan Aso besichtigen?

Ja, bei ruhiger Aktivität kann man bis an den Kraterrand des Naka-dake fahren und die riesige Caldera erkunden. Der Zugang hängt aber von der aktuellen Warnstufe ab und wird bei erhöhter Vulkanaktivität gesperrt. Prüfe vor dem Besuch stets die offiziellen Hinweise – Sicherheit geht vor.


Wie kommt man nach Okinawa?

Am schnellsten per Flug: Von Tokio, Osaka und Fukuoka gibt es zahlreiche Direktverbindungen nach Naha, dem Tor zu den Ryukyu-Inseln. Von dort geht es mit kleineren Fliegern oder Fähren weiter zu Inseln wie Ishigaki und Miyako. Eine Bahnverbindung aufs Festland gibt es nicht.


Darf man mit Tattoo in ein Onsen in Beppu?

Viele traditionelle Onsen, auch in Beppu, verwehren tätowierten Gästen den Zutritt. Kleine Motive kannst du mit wasserfestem Pflaster abdecken; alternativ gibt es tätowierfreundliche Bäder, Sandbäder oder private Familienbäder. Frag im Zweifel vorher an der Rezeption nach.


Braucht man im Süden Japans Bargeld und gibt man Trinkgeld?

Ja, plane Bargeld ein: Kleine Läden, Inseln und Onsen nehmen oft keine Karten. Verlässlich abheben kannst du rund um die Uhr in Convenience-Stores und bei der Post. Trinkgeld ist in Japan unüblich und gilt sogar als unhöflich – guter Service ist selbstverständlich im Preis enthalten.


Offizielle Reiseinfos zu Japan bündelt die Japanische Fremdenverkehrszentrale (JNTO) in Frankfurt. Weiter zur Reiseplanung: das Länderprofil Japan mit allen Regionen, die westlich benachbarte Region Chugoku & Shikoku mit Hiroshima und Miyajima sowie die Kulturregion Kansai mit Kyoto und Osaka, dazu die Übersicht Asien.