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Kanto & Tokio

Illustration der Region Kanto mit der Skyline von Tokio, dem Senso-ji-Tempel, dem Großen Buddha von Kamakura, einem roten Torii im Ashi-See bei Hakone und dem schneebedeckten Fuji, Japan

Die Region Kanto rund um Tokio ist für die meisten Reisenden das Tor nach Japan: die gewaltige Metropole Tokio mit ihren Vierteln von Shibuya bis Asakusa, die Hafenstadt Yokohama, die Schreine von Nikko im Bergwald, der Große Buddha von Kamakura am Meer sowie die Onsen von Hakone mit Blick auf den Fuji. Von hier fährt der Shinkansen in alle Landesteile. Beste Reisezeit sind die Kirschblüte im Frühjahr und das Herbstlaub im Oktober und November.

Landkarte Kanto & Tokio
Landkarte Kanto & Tokio

Kanto ist das dicht besiedelte Herz Japans an der Pazifikküste der Hauptinsel Honshu und beheimatet mit der Region um Tokio und Yokohama den größten Ballungsraum der Erde. Hier prallen Superlative aufeinander: gläserne Wolkenkratzer und stille Holztempel, Hochgeschwindigkeitszüge und jahrhundertealte Teegärten, Neonmeere und der ewige Schnee des Fuji am Horizont.

Für viele beginnt die Japanreise genau hier – und Kanto belohnt jeden, der bleibt: In wenigen Zugstunden erreichst du vom Tokioter Bahnhof aus die Schreinstadt Nikko, den Badeort Hakone, den Großen Buddha von Kamakura und das Meer. Die Region ist kompakt, hervorragend vernetzt und der perfekte Auftakt für die erste Reise durch Japan.

Region & Lage

Die Kanto-Ebene ist die größte Tiefebene Japans und liegt an der Bucht von Tokio, dort wo mehrere Flüsse in den Pazifik münden. Umrahmt wird sie von bewaldeten Bergketten, im Westen ragt der vollkommen geformte Kegel des Fuji auf, mit 3.776 Metern der höchste Berg des Landes. Die Nähe von Millionenstadt und Hochgebirge macht den besonderen Reiz der Region aus.

Verwaltungstechnisch umfasst Kanto die Metropole Tokio und sechs weitere Präfekturen. Fast alles ist per Bahn erreichbar: Ein dichtes Netz aus U-Bahnen, Vorortzügen und der Shinkansen-Hochgeschwindigkeitsstrecke verbindet die Zentren so eng, dass sich viele Ziele bequem als Tagesausflug von Tokio aus erkunden lassen.

Tokio: Stadt der Viertel

Tokio ist keine Stadt mit einem einzigen Zentrum, sondern ein Mosaik aus Vierteln, jedes mit eigenem Charakter. Im quirligen Shibuya flutet die berühmteste Kreuzung der Welt bei jedem Ampelwechsel voller Menschen; das benachbarte Shinjuku gleißt nach Einbruch der Dunkelheit in Neonlicht und beherbergt in den Gassen der Golden Gai winzige Bars. Harajuku ist das bunte Zentrum der Jugendmode.

Ruhiger und traditioneller geht es im alten Osten zu: In Asakusa ziehen Rikschas an Holzhäusern vorbei, in Yanaka haben sich Gassen aus der Vorkriegszeit erhalten. Vom Aussichtsdeck des Tokyo Skytree (634 Meter) oder des Tokyo Tower reicht der Blick an klaren Tagen bis zum Fuji. Wer die Ruhe sucht, findet sie im weitläufigen Park des Kaiserpalasts.

Tempel & Schreine der Hauptstadt

Mitten in Asakusa steht mit dem Senso-ji der älteste und meistbesuchte Tempel Tokios. Durch das gewaltige Donnertor Kaminarimon mit seiner roten Riesenlaterne führt eine Ladenstraße voller Souvenir- und Snackstände direkt zur Haupthalle. Am Räucherbecken davor fächern sich die Besucher den heilenden Rauch zu.

Ganz anders der Meiji-Schrein: Er liegt in einem künstlich angelegten immergrünen Wald neben Harajuku und ist dem vergöttlichten Kaiser Meiji geweiht. Der Weg unter mächtigen Torii-Toren aus Zypressenholz wirkt wie ein Übergang in eine andere Welt. Am Wochenende erlebt man hier oft traditionelle Shinto-Hochzeiten. Tempel gehören zum Buddhismus, Schreine zum Shinto – beide stehen in Japan selbstverständlich nebeneinander.

Yokohama & die Bucht

Nur eine halbe Stunde südlich liegt Yokohama, die zweitgrößte Stadt Japans und einst der erste Hafen, der sich dem Ausland öffnete. Die moderne Hafenpromenade Minato Mirai mit ihrem Riesenrad, die roten Backsteinlagerhäuser und Japans größte Chinatown machen die Stadt zu einem lohnenden Kontrastprogramm zu Tokio – entspannter, mit weitem Blick über das Wasser.

Yokohama eignet sich hervorragend für einen halben Tag: Man schlendert am Wasser entlang, isst sich durch die Garküchen Chinatowns und genießt bei Sonnenuntergang die beleuchtete Skyline. Auch der historische Sankeien-Garten mit seinen verpflanzten alten Bauwerken lohnt den Abstecher.

Nikko: Schreine im Bergwald

Rund zwei Zugstunden nördlich von Tokio liegt Nikko, ein UNESCO-Welterbe von überwältigender Pracht. Im Bergwald aus uralten Zedern erhebt sich der Tosho-gu, das prunkvolle Mausoleum des Shogun Tokugawa Ieyasu. Vergoldete Schnitzereien, Drachen und die berühmten drei Affen („nichts Böses sehen, hören, sagen“) schmücken die Bauten in einer Fülle, die im sonst so zurückhaltenden Japan einzigartig ist.

Nikko ist zugleich Tor zu einer großartigen Bergnatur: Am nahen Chuzenji-See stürzt der 97 Meter hohe Kegon-Wasserfall in die Tiefe, im Herbst leuchten die Hänge in tiefem Rot. Ein früher Start ab Tokio lohnt sich, um Schreine und Landschaft an einem Tag zu verbinden.

Kamakura: der Große Buddha & das Meer

An der Küste südlich von Yokohama liegt das beschauliche Kamakura, im Mittelalter die Hauptstadt Japans. Wahrzeichen ist der über elf Meter hohe bronzene Große Buddha (Daibutsu), der seit dem 13. Jahrhundert unter freiem Himmel sitzt – seine ihn einst umgebende Halle riss ein Tsunami fort. Der Anblick der ruhigen Bronzefigur zählt zu den eindrücklichsten Bildern Japans.

Rund um Kamakura verstecken sich Dutzende Tempel und Zen-Gärten in bewaldeten Tälern, darunter der von Hortensien überwucherte Hase-dera. Wanderwege verbinden die Anlagen, und im Sommer beleben sich die nahen Strände. Mit der nostalgischen Enoden-Bahn geht es idyllisch an der Küste entlang.

Hakone & der Zugang zum Fuji

Hakone im Westen der Region ist Japans klassischer Onsen-Kurort und der bequemste Aussichtspunkt für den Fuji. Auf einem beliebten Rundkurs kombinierst du Bergbahn, Seilbahn über dampfende Schwefelfelder und ein Ausflugsschiff über den Ashi-See, aus dem ein leuchtend rotes Torii ragt – bei klarem Wetter mit dem Fuji im Hintergrund.

Wer den Fuji selbst besteigen will, kann das nur in der kurzen offiziellen Saison von Anfang Juli bis Anfang September. Der Aufstieg ist anspruchsvoll und stark reglementiert; die meisten Besucher genießen den Berg lieber vom Wasser, von einem Ryokan oder aus dem Zug. Ehrlich gesagt zeigt sich der Gipfel oft nur morgens und im Winter wolkenfrei – Geduld gehört dazu.

Kirschblüte & Herbstlaub

Zwei Jahreszeiten verwandeln Kanto in ein Postkartenland. Zur Kirschblüte (Sakura) Ende März bis Anfang April überzieht ein rosa Schleier die Parks; unter den Bäumen feiern Familien und Kollegen das Blütenfest Hanami mit Picknick. Die Blüte dauert nur gut eine Woche und lässt sich schwer exakt vorhersagen – ein Fenster, das Millionen jagen.

Nicht weniger schön ist das Herbstlaub (Koyo) im November, wenn Ahorn und Ginkgo in Nikko, Kamakura und den Tokioter Gärten in Rot und Gold leuchten. Beide Zeiten sind Hochsaison: Unterkünfte sind früh ausgebucht und teurer, die berühmten Orte voll. Wer flexibel ist, weicht auf frühe Morgenstunden und weniger bekannte Parks aus.

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Kulinarik: Sushi, Ramen & Izakaya

Tokio ist eine der großen Esshauptstädte der Welt und hält mehr Sterne-Restaurants als jede andere Stadt. Doch das Beste liegt oft in einfachen Läden: dampfende Schüsseln Ramen, frisch gerolltes Sushi am Fischmarkt Toyosu, knuspriges Tempura oder gegrillte Spieße (Yakitori) in einer rauchigen Izakaya-Kneipe. In den Kellergeschossen der Kaufhäuser (Depachika) türmen sich feinste Speisen.

Iss dich durch die Viertel: das alte Ameyoko-Marktgewühl, die Streetfood-Stände von Asakusa, ein Kaiseki-Menü mit vielen kleinen Gängen. Trinkgeld gibt es in Japan nicht – der Versuch, welches zu geben, verwirrt eher. Slurpen bei Nudeln ist dagegen ausdrücklich erwünscht und gilt als Zeichen des Genusses.

Etikette: Ruhe, Schuhe & kein Trinkgeld

Japan lebt von Rücksicht. In Zügen und U-Bahnen wird leise gesprochen, telefoniert wird gar nicht; man stellt sich ordentlich in der Schlange an und lässt Aussteigende zuerst passieren. In Wohnungen, vielen Ryokan, Tempeln und manchen Restaurants zieht man am Eingang die Schuhe aus – achte auf die Stufe im Boden und auf bereitstehende Hausschlappen.

Ein herzliches Nicken ersetzt oft den Händedruck, Visitenkarten nimmt man mit beiden Händen entgegen. Müll wirft man nicht auf die Straße, obwohl es kaum öffentliche Mülleimer gibt – man trägt ihn bis nach Hause oder ins Hotel. Und noch einmal, weil es so wichtig ist: Trinkgeld ist unüblich und wird als unhöflich empfunden. Guter Service ist selbstverständlich im Preis enthalten.

Onsen & Baden mit Tattoo-Regeln

Ein Bad in einer heißen Quelle, dem Onsen, gehört zu den schönsten Erlebnissen in Hakone und ganz Japan. Es gelten feste Regeln: Man wäscht und duscht sich vor dem Bad gründlich, steigt vollkommen unbekleidet ins Becken (Badekleidung ist tabu) und lässt das kleine Handtuch nicht ins Wasser. Die Bäder sind meist nach Geschlechtern getrennt.

Wichtig für Reisende: Viele Onsen und Badehäuser verwehren Gästen mit Tätowierungen den Zutritt, weil Tattoos traditionell mit der Yakuza in Verbindung gebracht werden. Kleine Motive lassen sich mit wasserfestem Pflaster abdecken; zunehmend gibt es tätowierfreundliche Bäder oder private Familienbäder (Kashikiri). Frag im Zweifel vorher an der Rezeption nach.

Anreise & Verkehr: JR Pass, Suica & Shinkansen

Tokio hat zwei internationale Flughäfen: Haneda nahe der Stadt und Narita weiter östlich, beide mit Schnellzügen ans Zentrum angebunden. Deutsche, österreichische und Schweizer Staatsangehörige dürfen für touristische Aufenthalte bis 90 Tage visumfrei einreisen; der Reisepass muss gültig sein. Prüfe die aktuellen Einreiseregeln stets vor Abflug.

Vor Ort ist die Bahn König. Für längere Strecken lohnt der Japan Rail Pass, mit dem du die meisten Shinkansen-Hochgeschwindigkeitszüge nutzt – er muss oft schon vor der Reise gekauft werden und rechnet sich erst ab mehreren Fernfahrten. In der Stadt lädst du dir eine IC-Karte (Suica oder Pasmo) auf und hältst sie einfach an die Schranke; sie funktioniert in Bahn, Bus und an vielen Automaten. Züge fahren berühmt pünktlich auf die Minute.

Praktische Tipps: Geld, Bargeld & Müll

Bezahlt wird mit dem Japanischen Yen (JPY). Japan ist trotz aller Hightech noch immer eine erstaunliche Bargeld-Gesellschaft: Kleine Restaurants, Tempel und Märkte nehmen oft nur Scheine und Münzen. Zuverlässig Geld abheben kannst du an Automaten der Convenience-Stores (7-Eleven, Lawson) und der Post, die rund um die Uhr geöffnet sind. IC-Karten helfen im Alltag über die Bargeldlücke.

Trenne deinen Müll sorgfältig – Japaner tun das penibel, und in Convenience-Stores stehen entsprechende Behälter. Leitungswasser ist bedenkenlos trinkbar. Plane bei der Kirschblüte und im Herbst großzügig Budget ein: Japan hat ein hohes Preisniveau, vor allem bei Unterkünften in der Hochsaison. Eine Sprach-App und ein paar höfliche Floskeln helfen über die Sprachbarriere hinweg, denn außerhalb der Touristenpfade wird wenig Englisch gesprochen.

Sicherheit & ehrliche Hinweise

Japan zählt zu den sichersten Reiseländern der Welt; Gewalt- und Diebstahlkriminalität gegen Reisende ist ausgesprochen selten, selbst nachts in Tokio. Das größere Thema ist die Natur: Japan liegt in einer aktiven Erdbebenzone. Leichte Beben sind normal; folge im Ernstfall den Anweisungen, halte dich von Regalen fern und such Schutz unter einem stabilen Tisch. Hotels und Bahnhöfe sind auf Beben ausgelegt.

Von Mai bis Oktober, mit Höhepunkt im Spätsommer, kann die Taifun-Saison für heftigen Regen und gestrichene Züge sorgen – halte in dieser Zeit die Wetterwarnungen im Blick. Ansonsten gilt: Respektiere die leisen Regeln des Alltags, dann wirst du überall herzlich aufgenommen. Prüfe vor der Reise die aktuellen Hinweise des Auswärtigen Amtes.

Häufige Fragen


Wie viele Tage sollte man für Tokio und die Region Kanto einplanen?

Für Tokio selbst solltest du mindestens drei bis vier Tage einplanen, um die wichtigsten Viertel, Tempel und Märkte zu erleben. Mit Tagesausflügen nach Nikko, Kamakura, Yokohama und Hakone wird leicht eine ganze Woche daraus – Kanto eignet sich ideal als Basis für den Reisestart.


Wann ist die beste Reisezeit für Tokio?

Am schönsten ist es zur Kirschblüte von Ende März bis Anfang April und zum Herbstlaub im Oktober und November – beide Zeiten sind mild und farbenprächtig, aber Hochsaison. Der Sommer ist heiß und schwül mit Taifun-Risiko, der Winter kühl, trocken und oft sonnig mit klarer Fuji-Sicht.


Sieht man von Tokio aus den Fuji?

An klaren Tagen ja – etwa vom Tokyo Skytree oder aus dem Shinkansen Richtung Westen. Am nächsten kommst du dem Berg in Hakone am Ashi-See. Der Gipfel zeigt sich am zuverlässigsten an klaren Wintermorgen; im Sommer verhüllen ihn oft Wolken, Geduld gehört dazu.


Lohnt sich der Japan Rail Pass für Kanto?

Für Ausflüge innerhalb Kantos reicht meist eine aufladbare IC-Karte wie Suica oder Pasmo. Der Japan Rail Pass rechnet sich vor allem, wenn du danach per Shinkansen weiter nach Kyoto, Hiroshima oder in den Norden reist. Rechne deine geplanten Strecken vorab durch.


Darf man mit Tattoo in ein Onsen in Hakone?

Viele traditionelle Onsen verwehren tätowierten Gästen den Zutritt. Kleine Motive kannst du mit wasserfestem Pflaster abdecken; alternativ gibt es tätowierfreundliche Bäder oder private Familienbäder (Kashikiri), die du reservieren kannst. Frag im Zweifel vorher an der Rezeption nach.


Braucht man in Japan Bargeld und gibt man Trinkgeld?

Ja, plane Bargeld ein: Viele kleine Läden, Tempel und Restaurants nehmen keine Karten. Geld hebst du rund um die Uhr an Automaten von 7-Eleven, Lawson oder der Post ab. Trinkgeld ist in Japan unüblich und gilt sogar als unhöflich – guter Service ist im Preis enthalten.


Offizielle Reiseinfos zu Japan bündelt die Japanische Fremdenverkehrszentrale (JNTO) in Frankfurt. Weiter zur Reiseplanung: das Länderprofil Japan mit allen Regionen, die benachbarte Region Chubu & Japanische Alpen mit Takayama und Shirakawa-go sowie die Region Kansai mit Kyoto, Osaka und Nara, dazu die Übersicht Asien.