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Fès & Meknès

Illustration von Fès mit dem blau gekachelten Tor Bab Bou Jeloud, den Gerbereien und den Zedernhügeln des Mittleren Atlas

Fès und Meknès sind zwei der vier Königsstädte Marokkos und das kulturelle Herz des Landes. Fès besitzt mit Fès el-Bali die größte lebendige Altstadt der arabischen Welt samt der ältesten Universität der Menschheit und den berühmten Gerbereien. Nahebei liegen die Kaiserstadt Meknès, die Römerstadt Volubilis und die kühlen Zedernwälder des Mittleren Atlas um Ifrane. Beste Reisezeit ist das Frühjahr und der Herbst.

Landkarte Fès & Meknès
Landkarte Fès & Meknès

Fès (arabisch Fās) und Meknès bilden im Norden Marokkos das geistige und historische Zentrum des Landes. Fès wurde bereits im 8. Jahrhundert gegründet und war über Jahrhunderte die Hauptstadt wechselnder Dynastien; seine Altstadt gilt als das besterhaltene mittelalterliche Stadtbild der arabischen Welt. Meknès, die „Versailles Marokkos“, verdankt seine gewaltigen Tore und Mauern dem Sultan Moulay Ismail.

Wer nach der lebhaften Wüstennähe von Marrakesch das traditionsreichere, konservativere Marokko sucht, ist hier richtig. In dieser Region reihen sich UNESCO-Welterbestätten aneinander: die Medina von Fès, die Kaiserstadt Meknès und die antike Römerstadt Volubilis. Dazu kommt der Mittlere Atlas mit den größten Zedernwäldern Nordafrikas und der kühlen Sommerfrische von Ifrane.

Region & Landschaft

Die Region Fès-Meknès liegt auf einer fruchtbaren Hochebene zwischen dem Rif im Norden und dem Mittleren Atlas im Süden. Der Fluss Sebou und seine Nebenflüsse bewässern weite Getreidefelder, Oliven- und Obstplantagen – das Saïss-Becken gilt als Kornkammer Marokkos. Von hier stammen ein Großteil des marokkanischen Olivenöls und guter Wein aus der Gegend um Meknès.

Nach Süden steigt das Land zum Mittleren Atlas an, einem Mittelgebirge mit Zedern- und Steineichenwäldern, Bergseen und Wintersportorten. Diese Höhenlage sorgt für ein deutlich gemäßigteres Klima als im Süden des Landes: Im Winter fällt hier Schnee, im Sommer bietet die Region eine willkommene Abkühlung.

Die Medina von Fès

Fès el-Bali, die Altstadt von Fès, ist seit 1981 UNESCO-Welterbe und mit ihren rund 9.000 verschlungenen Gassen die größte autofreie städtische Zone der Welt. In diesem Labyrinth transportieren bis heute Esel und Maultiere die Waren. Ein Guide ist hier keine Zumutung, sondern echte Hilfe, denn ohne Ortskenntnis verirrst du dich garantiert.

Hinter den schmucklosen Fassaden verbergen sich prächtige Höfe, Brunnen und Werkstätten. Das monumentale blau gekachelte Stadttor Bab Bou Jeloud bildet den beliebtesten Zugang. Von den Dachterrassen und vom Aussichtspunkt an den Merinidengräbern hast du einen grandiosen Blick über das Meer aus grünen Ziegeldächern und Minaretten.

Al-Quaraouiyine & die Koranschulen

Das geistige Herz von Fès ist die Al-Quaraouiyine, 859 von Fatima al-Fihri gegründet und laut UNESCO die älteste durchgehend betriebene Universität der Welt. Ihre grün gedeckte Moschee ist Muslimen vorbehalten, doch die angeschlossene Bibliothek zählt zu den ältesten der Welt.

Frei zugänglich sind hingegen die kunstvollen Medersas, die historischen Koranschulen. Die Medersa Bou Inania und die Medersa el-Attarine aus dem 14. Jahrhundert gehören mit ihren Zedernschnitzereien, Stuckornamenten und Zellij-Mosaiken zu den schönsten Beispielen mittelalterlicher marokkanischer Baukunst überhaupt.

Die Gerbereien von Fès

Das wohl berühmteste Bild von Fès sind die Chouara-Gerbereien, in denen das Leder noch immer nach jahrhundertealter Methode in steinernen Farbbottichen gegerbt und gefärbt wird. Von den Balkonen der umliegenden Lederläden blickst du auf das bunte Wabenmuster der Becken.

Der intensive Geruch ist Teil des Erlebnisses; oft bekommst du am Eingang ein Büschel Minze in die Hand gedrückt. Ein kleines Trinkgeld für den Blick vom Balkon ist üblich, ein Kaufzwang besteht nicht. Wer Leder erwerben möchte, findet hier Babouches, Taschen und Poufs in bester Qualität – Handeln inklusive.

Handwerk & Souks

Fès ist die Hauptstadt des marokkanischen Kunsthandwerks. Die berühmte blau-weiße Fès-Keramik und das kunstvolle Zellij-Mosaik werden hier bis heute von Hand gefertigt. In den nach Zünften geordneten Souks findest du Messingarbeiten, Weber am Handwebstuhl, Zuckerbäcker und Gewürzhändler.

Ein Besuch der Töpferkooperativen am Stadtrand zeigt den kompletten Weg vom Ton zum fertigen Gefäß. Feste Preise bieten das staatliche Handwerkszentrum und viele Kooperativen; im Souk selbst gehört das Feilschen dazu. Achte darauf, offizielle statt aufdringlicher „Faux-Guides“ zu wählen, um nicht in provisionsgetriebene Läden gelotst zu werden.

Meknès — die Stadt des Sultans

Nur eine gute Autostunde westlich liegt Meknès, das der Sultan Moulay Ismail um 1700 zu seiner prunkvollen Residenz ausbaute. Das monumentale Tor Bab Mansour mit seinen Marmorsäulen und Kacheln gilt als eines der schönsten Nordafrikas und öffnet sich zum weiten Platz El-Hedim.

Sehenswert sind das Mausoleum Moulay Ismails, die gewaltigen Kornspeicher und Pferdeställe Heri es-Souani sowie das riesige Wasserbecken Agdal. Meknès ist deutlich ruhiger und weniger touristisch als Fès und daher ein angenehmer, entspannter Ausgangspunkt für die Region.

Volubilis — Roms Erbe in Marokko

Rund 30 Kilometer nördlich von Meknès liegen die Ruinen von Volubilis, die besterhaltene Römerstadt Marokkos und ebenfalls UNESCO-Welterbe. Die einstige Provinzhauptstadt am Rand des Imperiums beeindruckt mit einem Triumphbogen, einer Basilika, dem Kapitol und – ihr größter Schatz – herrlichen, an Ort und Stelle erhaltenen Bodenmosaiken.

Zwischen Olivenhainen und Störchen auf antiken Säulen erschließt sich die Anlage am besten am frühen Morgen oder im weichen Abendlicht. Ein Guide vor Ort erklärt die mythologischen Motive der Mosaiken und die Geschichte der Stadt anschaulich.

Moulay Idriss — die heilige Stadt

In Sichtweite von Volubilis klammert sich das weiße Städtchen Moulay Idriss Zerhoun an zwei Hügel. Es ist die heiligste Stadt Marokkos, denn hier liegt das Grab von Idriss I., dem Gründer der ersten marokkanischen Dynastie und Urenkel des Propheten. Lange durften Nichtmuslime hier nicht einmal übernachten.

Heute ist der Ort für Besucher offen, das Heiligtum selbst bleibt jedoch Muslimen vorbehalten. Durch die steilen Gassen zu wandern, vom Aussichtspunkt auf die grüne Landschaft zu blicken und in einem der einfachen Cafés einzukehren, macht den besonderen Reiz dieses Ausflugsziels aus.

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Ifrane & der Mittlere Atlas

Südlich von Fès und Meknès steigt die Straße in den Mittleren Atlas. Der Kurort Ifrane, wegen seiner Chaletarchitektur „Klein-Schweiz“ genannt, liegt auf rund 1.650 Metern und wurde in der französischen Kolonialzeit angelegt. Im Winter fällt hier Schnee, in der Nähe liegt das kleine Skigebiet Michlifen.

Rund um Azrou erstrecken sich die größten Zedernwälder Nordafrikas, in denen frei lebende Berberaffen zu beobachten sind. Bergseen wie der Dayet Aoua, Wasserfälle und Wanderwege machen die Gegend zu einem grünen Kontrastprogramm zu den heißen Medinas – ideal als Zwischenstopp auf dem Weg in die Wüste.

Kulinarik

Die Küche von Fès gilt als die raffinierteste Marokkos. Ihr Aushängeschild ist die Pastilla, eine kunstvolle Blätterteigpastete, klassisch mit Taube oder Huhn, Mandeln und Zimt, süß-salzig zugleich. Zu festlichen Anlässen kommt Méchoui, langsam gegartes Lamm, auf den Tisch.

Rund um Meknès wird zudem Wein angebaut, den du in lizenzierten Restaurants verkosten kannst. Probiere unbedingt frisch gebackenes Brot aus dem Gemeinschaftsofen, Oliven vom Markt und die lokalen Süßigkeiten aus Mandeln und Honig. Zum Abschluss gehört überall der obligatorische süße Minztee.

Beste Reisezeit

Die angenehmste Reisezeit für Fès und Meknès sind das Frühjahr (April bis Juni) und der Herbst (September und Oktober) mit milden Temperaturen um 20 bis 28 Grad und blühender Landschaft. Der Sommer kann in den Medinas heiß werden, bleibt aber erträglicher als im Süden; im nahen Mittleren Atlas findest du dann jederzeit Abkühlung.

Der Winter ist mild bis kühl und regnerisch, in den Bergen fällt Schnee. Wie überall in Marokko verschiebt der Ramadan das öffentliche Leben in die Abendstunden, was in den traditionellen Städten des Nordens besonders spürbar ist. Reist du dann, plane Rücksicht und ein wenig Geduld ein.

Anreise & Verkehr

Fès besitzt mit dem Flughafen Fès-Saïss (FEZ) einen eigenen internationalen Airport mit Verbindungen nach Europa. Sehr komfortabel ist die Anreise per Bahn: Fès und Meknès liegen an der Hauptstrecke, und der Hochgeschwindigkeitszug Al Boraq verbindet den Norden über Kénitra mit Rabat, Casablanca und Tanger.

Für Ausflüge nach Volubilis, Moulay Idriss und in den Mittleren Atlas empfiehlt sich ein Mietwagen (Rechtsverkehr) oder ein Fahrer für den Tag. Für die Einreise reicht der noch mindestens sechs Monate gültige Reisepass; ein Visum ist für Aufenthalte bis 90 Tage nicht erforderlich.

Praktische Tipps

Bezahlt wird mit dem Marokkanischen Dirham (MAD), der nicht frei konvertierbar ist und nicht ausgeführt werden darf – tausche erst vor Ort und halte für Souks und Trinkgelder Bargeld bereit. In den Medinas werden Karten kaum akzeptiert. Bakschisch ist üblich, etwa zehn Prozent im Restaurant und ein paar Dirham für kleine Dienste.

Fès ist konservativer als die Küstenstädte: Kleide dich zurückhaltend mit bedeckten Schultern und Knien, besonders in der Nähe der Heiligtümer. Fotografiere Menschen nur mit Einverständnis, betritt keine Moscheen und respektiere die religiösen Stätten. Für die Medina von Fès lohnt sich ein offizieller Guide für den ersten halben Tag ausdrücklich.

Reisetipps & Geheimtipps

Übernachte in einem restaurierten Riad oder Dar in der Medina von Fès – viele bieten spektakuläre Dachterrassen mit Blick über die Altstadt. Für den besten Überblick fährst du bei Sonnenuntergang hinauf zu den Merinidengräbern, von wo aus sich das ganze Häusermeer im Abendlicht ausbreitet.

Plane für Fès mindestens zwei volle Tage ein und ergänze Meknès, Volubilis und Moulay Idriss zu einer Tagestour. Ein Geheimtipp ist ein Kochkurs zur Fès-Küche oder ein Nachmittag im Nejjarine-Platz mit seinem hübschen Brunnen und dem Holzhandwerksmuseum. Wer Zeit hat, gönnt sich zum Abschluss eine Nacht in den Zedernwäldern des Mittleren Atlas.

Häufige Fragen


Wie viele Tage sollte man für Fès und Meknès einplanen?

Für Fès solltest du mindestens zwei volle Tage einplanen, um Medina, Koranschulen und Gerbereien zu erleben. Meknès, Volubilis und Moulay Idriss lassen sich gut zu einer Tagestour verbinden. Mit einem zusätzlichen Tag im Mittleren Atlas ergibt sich ein rundes Programm von vier bis fünf Tagen.


Braucht man in Fès einen Guide?

In der riesigen, verschachtelten Medina von Fès el-Bali ist ein offizieller Guide für den ersten halben Tag sehr zu empfehlen, weil man sich sonst leicht verirrt und in Provisionsläden gelotst wird. Buche ihn über dein Riad oder eine Agentur und meide die aufdringlichen Faux-Guides an den Toren.


Was ist Volubilis und wie kommt man hin?

Volubilis ist die besterhaltene Römerstadt Marokkos und UNESCO-Welterbe, berühmt für ihre Bodenmosaike. Sie liegt rund 30 Kilometer nördlich von Meknès und ist mit Mietwagen, Taxi oder auf einer geführten Tagestour zu erreichen, oft in Kombination mit der heiligen Stadt Moulay Idriss.


Wann ist die beste Reisezeit für die Region Fès-Meknès?

Ideal sind das Frühjahr von April bis Juni und der Herbst im September und Oktober mit milden 20 bis 28 Grad. Der Sommer ist in den Medinas heiß, im nahen Mittleren Atlas aber angenehm kühl. Der Winter ist mild bis kühl und regnerisch, in den Bergen fällt Schnee.


Warum stinkt es an den Gerbereien und darf man sie besichtigen?

Der intensive Geruch der Chouara-Gerbereien entsteht durch die traditionellen Gerbstoffe. Besichtigen darf man sie von den Balkonen der umliegenden Lederläden aus; oft bekommt man Minze gegen den Geruch. Ein kleines Trinkgeld ist üblich, ein Kaufzwang besteht nicht.


Ist die Region Fès-Meknès konservativer als der Rest Marokkos?

Ja, Fès gilt als geistiges Zentrum und ist traditioneller als die Küstenstädte. Reisende kleiden sich am besten zurückhaltend mit bedeckten Schultern und Knien, respektieren die vielen Heiligtümer und betreten keine Moscheen. Mit etwas Rücksicht ist die Region gastfreundlich und gut zu bereisen.


Offizielle Reiseinfos zur Region bündelt der regionale Tourismusrat (Conseil Régional du Tourisme Fès-Meknès) über das Portal visitmorocco.com. Weiter zur Reiseplanung: das Länderprofil Marokko mit allen Regionen, die Nachbarregionen Casablanca & Rabat und Tanger & Tétouan sowie die Übersicht Afrika.