Schottland sagt „Nein“ zur Unabhängigkeit

Das mit Spannung erwartete Ergebnis des Referendums über die Frage nach einer möglichen Unabhängigkeit Schottlands wurde in den frühen Morgenstunden verkündet: Schottland bleibt ein Teil Großbritanniens. Rund 55% der Wahlberechtigten stimmten für einen Verbleib Schottlands im Vereinigten Königreich. Bis 22 Uhr konnten die Wahlberechtigten ab 16 Jahren Ihre Stimme abgeben, was rund 85% auch taten. Dabei war der Wahlzettel recht einfach gehalten: Es ging um die Frage „Sollte Schottland ein unabhängiges Land sein?“, auf die mit „Ja“ oder „Nein“ geantwortet werden konnte.

Für einen kurzen Moment blickte die Welt nach Schottland

Das Ergebnis wurde in der ganzen Welt mit Spannung erwartet. Zahlreiche Nutzer diskutierten das Referendum und die möglichen Auswirkungen intensiv in den sozialen Netzwerken. Auch innerhalb Schottlands wurde die Debatte sehr hitzig geführt. Die Umfragen vor dem Referendum deuteten auf ein knappes Rennen hin, manche Umfrageinstitute sahen gar die Befürworter einer Unabhängigkeit leicht im Vorteil. Nach der Auszählung aller 32 Wahlbezirke hatten sich jedoch nur vier der 32 Wahlbezirke für eine Unabhängigkeit ausgesprochen: Dundee, Glasgow, North Lanarkshire und West Dunbartonshire.

Auch im Baskenland, Südtirol und Katalonien wurde das Referendum verfolgt, die Abstimmung der Schotten sollte Modellcharakter für die eigenen Unabhängigkeitsbestrebungen haben. Trotz des ernüchternden Ergebnisses wollen die Separatisten in den genannten Ländern an den eigenen Bestrebungen festhalten, auch wenn man sich dort sicherlich Rückenwind durch ein erfolgreiches Referendum in Schottland erhofft hätte.

Führende Köpfe beider Lager rufen zur Zusammenarbeit auf

Nach dem Ergebnis des Referendums riefen führende Vertreter aus beiden Lagern dazu auf, das Ergebnis zu akzeptieren und eine zukünftige Spaltung des Landes zwischen Befürwortern und Gegnern zu verhindern. Der schottische Premierminister Alex Salmond zeigte sich als einer der Initiatoren der Abstimmung zwar enttäuscht, forderte Politiker aus allen Lagern jedoch dazu auf, das Ergebnis anzuerkennen. Gleichzeitig rief er diese zur Versöhnung nach der hitzig geführten Debatte auf. Dabei gingen die Schotten schon während des Referendums mit gutem Beispiel voran: Bis auf wenige kleinere Ausnahmen blieb die Stimmung während des Referendums stets friedlich.

Mehr Föderalismus wagen

Mit der Ablehnung der Unabhängigkeit Schottlands blieb dem Vereinigten Königreich das Worst-Case-Szenario erspart. Dennoch wird sich nach der historischen Abstimmung einiges ändern. So soll es nicht nur in Schottland, sondern auch in anderen Regionen Großbritanniens, mehr föderalistische Strukturen geben. Die in Schottland geführte Debatte um größere Autonomie soll nun auch in anderen Teilen des Vereinigten Königreichs geführt werden. Konkret bedeutet dies, dass England, Wales und Nordirland künftig eine stärkere Regionalvertretung erhalten sollen, wie Schottland diese bereits vor dem Referendum bereits hatte. Dabei geht es etwa um eine selbstbestimmte Steuer- und Sozialpolitik. Auch ohne die Abspaltung Schottlands blickt das Vereinigte Königreich also einer Ereignisreichen Zukunft entgegen.

 
 

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